Der SV Grödig verzeichnet trotz überschaubarer Ressourcen und Fan-Unterstützung achtbare, wenn nicht sogar erstaunliche Erfolge. Einhergehend damit sind aber naturgemäß Abgänge von Leistungsträgern. Auch... Venuto statt Reyna: Setzt Grödig im Angriffszentrum wieder auf einen Mittelfeldspieler?
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Michael Baur - SV GrödigDer SV Grödig verzeichnet trotz überschaubarer Ressourcen und Fan-Unterstützung achtbare, wenn nicht sogar erstaunliche Erfolge. Einhergehend damit sind aber naturgemäß Abgänge von Leistungsträgern. Auch in der abgelaufenen Winterpause entschlossen sich wieder Spieler dazu, den Verein zu verlassen.

Von der Erfolgsmannschaft der sensationellen Aufstiegssaison dürfte im Sommer so gut wie nichts mehr übrig sein. Cheftrainer Adi Hütter ging zu Red Bull Salzburg. Philipp Zulechner und Thomas Salamon verließen den Verein bereits vor einem Jahr, Mario Leitgeb, Peter Tschernegg und Dieter Elsneg im letzten Sommer. Sicher ist zudem der Abschied von Cican Stankovic und Philipp Huspek mit Saisonende. In der gerade zu Ende gegangenen Wintertransferzeit verlor man zudem einen Spieler, der dem SV Grödig gar nicht gehörte.

Überraschender Abgang des Topscorers

Ich bleibe auf jeden Fall hier. Ich spüre das Vertrauen hier, will weiter meine Tore machen“, erklärte Yordy Reyna im Trainingslager. Einen Tag später war der Peruaner, der ohnehin nur leihweise bei den Grödigern kickte, weg. Er schloss sich dem deutschen Zweitligisten RB Leipzig an. Mit einem Mal klaffte ein riesiges Loch in die sportlichen Pläne von Trainer Michael Baur, war Reyna doch mit Abstand der gefährlichste Spieler seines Teams (elf Tore, sechs Vorlagen).

Sowohl bei Red Bull Salzburg als auch beim FC Liefering fühlte sich der 21-Jährige nicht wohl, erst in seinem zweiten Jahr konnte er den Österreichern sein volles Potenzial zeigen – auch, weil ihm der Spielstil des SV Grödig entgegenkam. In der 4-2-3-1-Grundordnung agierte Reyna als ausweichende, falsche Neun. Er musste quasi keine spielerischen Aufgaben übernehmen, sondern bespielte hauptsächlich die Breite des Platzes. Engräumige Kombinationen sah man kaum, stattdessen versuchte häufig er umgehend in die Tiefe spielen, nachdem sein Ausweichen dort Räume öffnete.

Anders als in Salzburg und Liefering, wo er aufgrund seiner teilweise sturen Dribblings am Flügel isoliert wurde, konnte er zu diesen im Zentrum erst gar nicht ansetzen, sondern war gezwungen, umgehend weiterzuspielen. Auch die tiefere Ausrichtung der Grödiger kam ihm zugute. Reyna konnte so seine herausragenden Sprintqualitäten ausspielen. Er bewegte sich horizontal in die Zwischenräume der Abwehrspieler und wurde dann mit Steilpässen eingesetzt.

Venuto als direkter Reyna-Ersatz?

Nach dem überraschenden Abgang seines Topscorers gab sich Baur fokussiert: „Wir wollen nicht irgendeine Panikaktion liefern, wollen eigentlich wenig Geld investieren.“ Handlungsbedarf bestand aber insofern, als man erklärte, mit Roman Wallner nicht für das Frühjahr zu planen. Schließlich wurde erneut ein Spieler aus dem Red-Bull-Netzwerk geholt: Lucas Venuto, 20-jähriger Brasilianer, ehemals in der Red Bull Akademie in Brasilien, dem Nachwuchs von RB Leipzig und im Herbst als Kooperationsspieler beim FC Liefering tätig, wurde von Red Bull Salzburg ausgeliehen.

In der Sky Go Erste Liga erzielte er in 18 Spielen fünf Tore und bereitete drei weitere vor. Ähnlich wie Reyna agierte auch Venuto hauptsächlich auf der Seite. Gemeinsam mit Felipe Pires bildete er dabei eine sehr dynamische, technisch, spielerisch und umschaltstarke Flügelzange. Sieht man sich die Statistiken an, würde sich die Leihgabe als durchaus passender Direktersatz eignen.

Das Profil der beiden stimmt weitestgehend überein. Einzelne Abweichungen dürften mit den nominell unterschiedlichen Positionen zu erklären sein. So eroberte Venuto pro 90 Minuten deutlich mehr Bälle (2,04) als Reyna (0,81). Dieser weist jedoch in den offensiveren Kategorien bessere Werte auf: 75,8% Schussgenauigkeit; 33,2% Chancenauswertung; 0,91 Scorerpunkte pro 90 Minuten. Vernuto fällt in diesen Kategorien jedoch keinesfalls stark ab: 66,7% Schussgenauigkeit; 20,8% Chancenauswertung; 0,61 Scorerpunkte. Er hatte sogar etwas mehr direkte Torschussbeteiligungen (3,6) als Reyna (3,3).

Was die beiden Südamerikaner wohl am meisten unterscheidet ist ihr Kombinationsspiel. Venuto besitzt die Anlagen auch dort verstärkt eingebunden zu werden. Anders als Reyna könnte er verstärkt in Halbraumkombinationen eingebunden werden, zumal es mit Tomi, Stefan Nutz und Philipp Huspek dafür sehr kompetente Partner gibt.

Kein erprobter Mittelstürmer im Kader

Eine weitere Möglichkeit, Venuto in die Mannschaft einzugliedern, wäre, ihn wie bei Liefering am Flügel zu bringen. Das wirft allerdings die Frage der Sinnhaftigkeit auf. In Daniel Schütz hatten die Grödiger im Herbst dort einen weitestgehend zuverlässigen Mann, der immerhin vier Tore erzielte. Thomas Goiginger hatte in seinen Kurzaufritten ebenfalls starke Momente. Viel größere Sorgen würde aber wohl die Besetzung des Sturmzentrums machen.

Die beiden verbliebenen nominellen Stürmer im Kader, Sunday Emmanuel und Bernd Gschweidl, sind nämlich weitestgehend ohne Erfahrung. Eine interessante Variante wäre es, Tomi als falsche Neun einzusetzen. Der Spanier ist ohnehin jemand, der am liebsten den Ball in den Fuß gespielt bekommt. Dank seiner Technik und Physis könnte er als unkonventioneller, spielmachender Wandspieler agieren. Sein Ausweichen und Zurückfallen würde dann Räume für die zielgerichteten Flügelspieler öffnen. Ähnlich wie Reyna und Venuto ist aber auch Tomi ursprünglich im Mittelfeld zuhause.

Alexander Semeliker, abseits.at | Statistikdaten by Opta

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Alexander Semeliker

@axlsem