Im oberösterreichischen Trainingslager bat der SK Rapid gestern Abend den Vorjahresdritten aus der tschechischen Liga, den FK Jablonec zum Test. Knappe drei Wochen vor... 0:0 gegen Jablonec: Rapids Erkenntnisse aus dem ersten internationalen Testspiel
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Zoran Barisic (SK Rapid Wien)Im oberösterreichischen Trainingslager bat der SK Rapid gestern Abend den Vorjahresdritten aus der tschechischen Liga, den FK Jablonec zum Test. Knappe drei Wochen vor Meisterschaftsbeginn testete Rapid-Coach Zoran Barisic quer durchs Personal, brachte seine tatsächliche erste Elf aber diesmal nicht.

Schon in der ersten Halbzeit wurde deutlich, dass Rapid spielerisch klar besser ist, als das drittbeste Team Tschechiens. Dafür musste Rapid nicht mal gut spielen. Die Automatismen aus der Vorsaison greifen weitgehend, allerdings wurde auf der rechten Angriffsseite die Uneingespieltheit der Neuen sichtbar. Außenverteidiger Stephan Auer wirkte vorerst unentschlossen, stand des Öfteren zu tief und auch die Bindung mit seinem vorgelagerten Flügelspieler Philipp Huspek war noch nicht gegeben. Dafür bekamen die beiden Neuen defensiv einiges zu tun, zumal Jablonec in der ersten Halbzeit ausschließlich über links angriff. Gefährlich wurden die Tschechen nur sehr selten, die Abwehrarbeit Rapids lief sehr diszipliniert ab.

Durchwachsene erste Halbzeit trotz Feldüberlegenheit

Im Mittelfeld erlangte Rapid aufgrund des besseren Passspiels recht schnell die Oberhand, wobei sich auf der Doppelacht Srdjan Grahovac sicherer und engagierter zeigte als Stefan Schwab, der ein wenig verträumt wirkte. Steffen Hofmann kam nur selten ins Spiel, da Jablonec recht gut umschaltete und keine Schnittstellen in den Zwischenlinienraum vor der tschechischen Abwehr gewährte. Solospitze Philipp Prosenik hing ein wenig in der Luft. Der Angreifer führte zwar das Pressing der Hütteldorfer an, ging aber insgesamt die falschen Wege. Wenn er die richtigen Wege ging wurde er nicht angespielt, wie man es gleich mehrmals bei Angriffen über die rechte Seite beobachten konnte.

Zu langsam, wenig Direktes

Rapid zeigte sich in der ersten Halbzeit etwas gefährlicher als Jablonec, spielte aber lediglich zwei Aktionen wirklich gut und strukturiert zu Ende. Lücken in die gut stehende Abwehr der Tschechen riss Rapid selten. Wenn die Hütteldorfer in der ersten Halbzeit gefährlich wurden, dann über die linke Seite mit Florian Kainz – und da meist nach Diagonalpässen. Allgemein kam Jablonec mit Spielverlagerungen nicht gut zurecht, doch Rapid brauchte zu lange im Umschaltspiel. Auch gedanklich wirkten die Grün-Weißen nicht immer schnell, zu oft verzichtete man zugunsten eines vorsichtigen Aufbauspiels auf direktere Angriffe.

Einserangriff und Linkslastigkeit

In der zweiten Halbzeit mischte Zoran Barisic kräftig durch und ließ nur Srdjan Grahovac auf dem Platz, der fortan als rechter Verteidiger spielte. In der Offensive brachte der Rapid-Coach seine vermeintliche Top-Aufstellung mit Beric im Angriff und Schobesberger und Schaub an den Flügeln. Schaubs Position war durchwegs schwer definierbar, da der junge Offensivallrounder stark einrückte und dadurch immer wieder auf der rechten Seite fehlte. Das Spiel Rapids wurde dadurch extrem linkslastig.

Tannenbaumsystem

Im zentralen Mittelfeld spielte Rapid praktisch mit einem Sechser und zwei Achtern. Der defensivste Petsos, der stets wechselnde, aber auch eher defensive Wydra und der offensive Nutz – der aber ebenfalls immer wieder abkippte – sorgten dafür, dass der Vizemeister praktisch in einem 4-3-2-1 spielte. Dadurch fehlte auf der Zentralachse ein wenig die Bindung zur Spitze, was Schaub durch sein Einrücken zwar zu korrigieren versuchte, aber nie wirklich funktionierte. Wenn Rapid gefährlich wurde, dann weiter über links: Der sehr hoch stehende Schrammel band seine Gegenspieler stets in der gegnerischen Hälfte, während man vor allem Schobesberger und Beric suchte.

Rapid zu leicht zu verteidigen

Die Suche nach den beiden Shooting Stars Rapids erwies sich aber als zu geradlinig und relativ leicht zu verteidigen. Schobesberger kam kaum zur Geltung, versuchte immer wieder einzurücken und Fahrt aufzunehmen, fand gegen die tief stehenden Tschechen aber nur sehr selten Räume vor. Jablonec konnte sich gut darauf einstellen, dass Rapids Zielspieler eher links zu suchen waren: Beric wurde mehrmals ins Abseits gestellt, Schobesberger phasenweise gedoppelt. Zwar konnte man den flinken Flügelspieler, der sonst eher rechts als links aufgeboten wird, manchmal nur mit Härte stoppen, allerdings schränkte man seine Wege ausreichend ein, um ihn vom Tor fernzuhalten.

Die Überraschungsmomente fehlten

Zwei schön herausgespielte Torchancen und ein starker Nutz-Freistoß, der sein Ziel knapp verfehlte, waren Rapids Ausbeute in der zweiten Hälfte. Jablonec kam nur kurz nach der Pause und kurz vor dem Schlusspfiff ansatzweise vor das Tor, beschränkte sich ansonsten aufs Verteidigen und Mitverschieben mit den spielmachenden Rapidlern, bei denen die Überraschungsmomente fehlten. Es passierte zu wenig „Besonderes“ und kaum jemand traute sich etwas Unerwartetes zu – somit ist das 0:0 gegen den tschechischen Klub die logische Folge.

Rapid_Jablonec_1Halbzeit

 

Rapid_Jablonec_2Halbzeit

Daniel Mandl, abseits.at

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen