Der SK Rapid feiert einen Befreiungsschlag. Das 4:0 gegen einen schwachen Wolfsberger AC in der 32.Runde war nicht nur verdient, sondern auch weitgehend überzeugend.... Analyse: Rapid schlägt den WAC mit 4:0 und zeigt interessante Stilmittel
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_Giorgi Kvilitaia - SK Rapid

Der SK Rapid feiert einen Befreiungsschlag. Das 4:0 gegen einen schwachen Wolfsberger AC in der 32.Runde war nicht nur verdient, sondern auch weitgehend überzeugend. Insgesamt reichten den Hütteldorfern knapp 40 starke Minuten für den Sieg und einige lange vermisste Stilmittel konnte man ebenfalls beobachten.

Für die große Überraschung des Spiels sorgte Goran Djuricin, der ein klassisches 4-4-2 aufbot. Da auch die Positionen der Rapid-Mittelfeldspieler immer wieder verschwammen, war das Verteidigen für den WAC schwierig. Der springende Punkt war jedoch das Pressing der Hütteldorfer, das den WAC vor Probleme stellte.

Rapid bespielt Aufbauschwäche des WAC

Wie bereits in unserer Vorschau erwähnt, kam mit dem WAC ein Gegner nach Hütteldorf, der seine Stärken in Physis und zentraler Kompaktheit hat, allerdings nicht gut genug herausspielt, um eine größere Rolle in der tipico Bundesliga zu spielen. Genau dieses Problem bespielten die Rapidler von Beginn an.

Sichere Variante – aber effizient

Auffällig war dabei, dass die beiden Stürmer Rapids – Kvilitaia und Jelic – hoch pressten, das Mittelfeld aber mit Sicherheitsabstand agierte und nicht zu weit aufrückte. Damit wählte man die etwas risikoärmere Pressingvariante, die aber dennoch gut funktionierte, weil die Stürmer ihre Sache gut machten und auch das Mittelfeld seine Gegner gut zustellte.

Thurnwald rückt konsequent ein

Die Asymmetrie der grün-weißen Außenspieler im Mittelfeld erwies sich dabei als Glücksfall. Manuel Thurnwald rückte immer wieder einige Meter in die Mitte, klebte nicht nur am Flügel. Das erledigte sein Hintermann Mario Pavelic für ihn, der aufgrund von Thurnwalds Aktivitäten im Halbraum und auf dem offensiven Flügel eine Sicherheitspartie einschieben konnte – zudem war er an der risikofreieren Seite eine gute „Sicherheits-Anspielstation“. Diese Umtriebigkeit nahm Verantwortung von den Außenverteidigern und hatte einen weiteren großen Vorteil.

Stanglpass schlägt Flanke

Während Rapid in letzter Zeit – speziell unter Canadi, aber auch in Ansätzen unter Djuricin – einen starken Fokus auf Flanken legte, wurde man diesmal in zentraleren Positionen gefährlich. Dies birgt natürlich unmittelbarere Torgefahr in sich und so spielte sich Rapid schon in der ersten Viertelstunde mehr klare Chancen heraus, als man sie bei anderen Gelegenheiten in der laufenden „Seuchensaison“ in ganzen Spielen hatte. Vereinfacht gesagt: Der Stanglpass hat gegen Wolfsberg die Flanke abgelöst.

Pendeln der Stürmer hatte geringere Auswirkung auf die Gefahrenzone

Da Kvilitaia und Jelic gemeinsam in der Spitze spielten, war auch das Pendeln von jeweils einem der beiden besser organisierbar. Wenn Rapid mit einer Spitze spielte, hatte man häufig das Problem, dass bei einem Ausweichen auf die Seiten, Präsenz in der Gefahrenzone fehlte. Diesmal konnte aber immer ein Stürmer situativ pendeln, zudem auch noch beidseitig. Das ermöglichte gerade auf der starken rechten Seite immer wieder Überzahlsituationen. Nicht nur Wolfsberg hätte Probleme, so etwas zu verteidigen.

Müdigkeit wird durch Pausen kaschiert

Rapid leistete sich dennoch mehrmals eine schöpferische Pause – etwa in der Phase von Minute 20 bis zum Halbzeitpfiff. Das war mit einer 2:0-Führung im Rücken aber durchaus drin. Die oft müden Rapid-Spieler konnten so wieder ein wenig verwalten und den Stress rausnehmen. Zu den richtigen Zeitpunkten schlug man schließlich wieder zu. Nicht nur, dass die Hütteldorfer über die 90 Minuten eine gute Dosierung fanden, lebte man auch von einer insgesamt starken Mannschaftsleistung.

Entscheidende Änderungen im Passspiel

Diese starke Mannschaftsleistung schlägt sich nicht unbedingt in den Statistiken oder Leistungsdaten nieder. Knapp 80% erfolgreiche Pässe hatte Rapid schon mehrmals in dieser Saison, zuletzt beim schwachen 2:3 in der Südstadt. Allerdings gab es zwei wichtige Unterschiede zu den vielen schwachen Partien in der laufenden Saison: Rapid spielte seine Pässe vertikaler, auch weil durch die offensive Variabilität immer wieder direkte Läufe in freie Räume möglich waren. Und in den entscheidenden Situationen hatten Rapids Pässe auch mehr Zug. Die Ballbesitzzeiten wurden entscheidend verkürzt, die Zuspiele waren für die Abnehmer besser zu verarbeiten.

Starke Leistungen von mehreren Rapid-Spielern

Natürlich ist ein Grund für den Sieg aber auch, dass einige Spieler eine deutliche Leistungssteigerung erkennen ließen. Doppeltorschütze Kvilitaia spielte eine Top-Partie, brachte für einen Stürmer unglaubliche 90% seiner Zuspiele an den Mann, hielt die Bälle häufig perfekt. Joelinton, nur eine halbe Stunde im Spiel, erzielte einen Treffer, brachte jeden einzelnen Ball, den er bekam, zu einem Mitspieler. Auch Stefan Schwab ließ zeitweise den Elan vom Saisonbeginn aufblitzen und belohnte sich selbst mit dem Treffer zum 4:0. Thurnwald machte ordentlich Meter und war trotz einiger Fehler, die der mangelnden Routine geschuldet sind, für den WAC schwer zu verteidigen. Maximilian Wöber gewann 17 von 17 Zweikämpfen und Kopfballduellen und selbst der oft verschmähte Matej Jelic fügte sich als guter Pressingspieler gut die Mannschaft ein, bereitete zudem zwei Tore vor.

Was hat Rapid draus gelernt?

Das 4:0 gegen den WAC dürfte ein vorentscheidender Befreiungsschlag im Abstiegskampf sein. Umso interessanter wird aber das nächste Auswärtsspiel Rapids am Samstag in Salzburg. In der laufenden Saison kam es häufig vor, dass Rapid auf eine gute Leistung eine gruselige folgen ließ. Ob das neu entdeckte 4-4-2-System allgemein greift und ob die Rapid-Spieler nun endlich verstanden haben, dass Pressing und Co. dauerhafte Arbeit auf dem Platz erfordern, wird sich also erst diese Woche weisen.

Wie ein Absteiger

Und der WAC? Schwach wie ein Absteiger. Die Kärntner haben nur noch vier Punkte Vorsprung auf den letzten Platz und dürfen sich keineswegs in Sicherheit wiegen. Ihre direkten Konkurrenten sind deutlich formstärker.

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen