Karl Höfer hatte viele Spitznamen: Da gab es beispielsweise das englisch-wienerische „Charlie“ – sprich: Tscharhle – oder aber er wurde von Freunden wegen seiner... Anekdote zum Sonntag (30) – Der coole Stürmer Charlie
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LASKKarl Höfer hatte viele Spitznamen: Da gab es beispielsweise das englisch-wienerische „Charlie“ – sprich: Tscharhle – oder aber er wurde von Freunden wegen seiner schwindenden Haarpracht „Höfer-Vata“ gerufen. Ansonsten sprach man den gebürtigen Wiener einfach mit „Koarl“ an.

Der „Koarl“ besaß Eigenschaften, die junge Männer oft in große Selbstzweifel versinken lassen: Nicht nur, dass er bereits früh mit Geheimratsecken zurechtkommen musste, seine geringe Körpergröße und seine Schwierigkeiten sein Kampfgewicht zu halten machten Höfer in seiner Jugend schwer zu schaffen. Mit anderen Worten: Karl Höfer wuchs nur in die Breite. Man witzelte, dass ihn ein etwas länger getrimmter Fußballrasen bereits verdeckt hätte. Trotzdem beneideten viele junge Männer Höfer, denn er hatte Fähigkeiten von denen so mancher träumte: Er war ein blitzschneller Flügelstürmer und torgieriger Vollstrecker. Leider war ihm keine große Karriere vergönnt und das obwohl der Wiener bei vielen österreichischen Traditionsvereinen kickte und 110-mal in der Bundesliga traf.

Der 1925 Geborene arbeitete zunächst als Mechaniker und spielte als Spätberufener in den 50er-Jahren bei der Austria. Höfer kam erst 1949 aus der Kriegsgefangenschaft nach Österreich und wurde 1950 prompt mit den Veilchen Meister. Richtig viel beigetragen hat der Stürmer dazu aber nicht, nur einmal stand er für die Violetten auf dem Feld. Bei der Admira spielte Karl Höfer bis 1957 jedoch höchst erfolgreich ehe ihn sein Weg zum LASK führte. In diese Zeit fällt auch sein Debüt für Österreich gegen Frankreich, dieses Spiel im Teamdress sollte sein einziges bleiben. Karl Höfer hatte Pech an den Schuhen kleben: Nicht nur, dass sein einziges A-Team-Match mit einer 2:5-Niederlage endete, so entschied er sich, Linz nicht lange bevor der LASK den ersten Nicht-Wiener-Meistertitel der Bundesligageschichte eroberte, zu verlassen. Höfer versuchte sich danach noch beim Wiener Sportclub, sowie beim Wiener Athletiksportclub ehe er seine letzten fußballerischen Atemzüge unterklassig tätigte. Den Todesstoß versetzte er vielen Spielen mit seinen Toren, einmal jedoch war der „Höfer-Vata“ mit einem kuriosen Nicht-Tor der Vater des Spielendes:

Anfang der 60er-Jahre stand ein Meisterschaftsspiel der Vienna gegen den LASK an. Auf der Linzer Gugl regnete es Schusterbuben, es war kalt und es stürmte. Der Schiedsrichter pfiff die Partie dennoch an. Der damalige LASK-Sektionsleiter überredete den guten Mann trotz miserabler Platzverhältnisse das Spiel freizugeben. Was er sich dabei gedacht hat, weiß nur er selbst, denn bei diesen Bedingungen konnte man höchstens von Lache zu Lache Wasserball spielen. Trotzdem spielte die Heimmannschaft beherzt nach vorne, man wollte vor allem Flügelstürmer Höfer in Szene setzten. Nach zehn Minuten wagte ein Schwarz-Weißer einen Steilpass und schickte den kleinen Dicken Richtung Vienna-Tor. Höfer startete ruck-zuck, doch die Kugel spielte nicht mit und ihr Drehmoment verendete in einer Riesen-Pfütze. Höfer legte rasch den Retourgang ein und wollte sich die schwimmende Kugel vor dem herausstürzenden Tormann schnappen. Tatsächlich war der Stürmer Sekunden schneller am Ball als der gegnerische Schlussmann, doch anstatt sich umzudrehen und sich im Eins-zu-Eins gegen den Vienna-Goalie zu versuchen, schob Charly den Ball ganz ruhig seinem Mitspieler zu: „Schick ihn mir noch amal, aber diesmal g’scheit.“ Ein Raunen ging durch das Linzer Stadion. Die Spieler waren perplex und der Schiedsrichter fasste sich ein Herz und beendete die Partie wegen „Unbespielbarkeit des Rasens.“ So wirkungsvoll kann man es machen: Cool war an diesem Tag nicht nur das Wetter.

Marie Samstag, abseits.at

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Marie Samstag