Seit sechs Jahren spielt Mario Pavelic für den SK Rapid. In der abgelaufenen Saison war der Burgenländer erstmals Stammspieler bei den Grün-Weißen. Nun wird... Der schwere Weg zurück: Warum es für Rapids Mario Pavelic ein harter Sommer wird
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Mario Pavelic - SK Rapid WienSeit sechs Jahren spielt Mario Pavelic für den SK Rapid. In der abgelaufenen Saison war der Burgenländer erstmals Stammspieler bei den Grün-Weißen. Nun wird der 21-Jährige von einer Verletzung aus der Bahn geworfen und muss möglicherweise sogar dauerhaft um seinen Stammplatz zittern.

Sie nennen ihn „Der mit dem Ball tanzt“. Pavelic ist ein technisch starker, filigraner Fußballer – im Grunde ein untypischer Akteur für die Außenverteidigung. Aber sein Spiel und vor allem seine Technik passen bei Rapid ins Bild, was seine Leistungsdaten klar zeigen.

Passsicherster Außenverteidiger der Liga

Pavelic verzeichnete in der vergangenen Saison eine sensationelle Passquote von 77,3%, die sich nicht nur aus Sicherheitspässen zusammensetzt. Auch in der gegnerischen Hälfte bringt der Rapidler 70,4% seiner Pässe an den Mann. Kein anderer Außenverteidiger in der Liga ist so passsicher, auch nicht sein Gegenüber auf der linken Seite, Thomas Schrammel. Dennoch sind diese Passwerte ein wenig mit Vorsicht zu genießen, denn Pavelic hat dennoch im Schnitt einmal pro Spiel seinen obligatorischen Katastrophenfehlpass zur Mitte dabei. Rein technisch und mannschaftlich betrachtet entwickelt sich Pavelic jedoch in die richtige Richtung.

Stärkerer Offensivdrang seit dem Frühjahr

Auch seine Zweikampfwerte verbesserten sich im Laufe der Saison. Mit einer Zweikampfquote von 52,3% und einer Kopfballduellquote von 45,3% liegt der Rechtsverteidiger zwar ein wenig unter dem Ligaschnitt bzw. zählt nicht zum Spitzenfeld der Außenverteidiger, jedoch zeigt die Tendenz dieser Werte ebenfalls nach oben. Und auch der Offensivdrang wurde nach und nach höher: Pavelic erzielte gegen Grödig sein erstes Bundesligator, bereitete drei Treffer vor, leitete einen weiteren mit ein. Vor allem im Frühjahr wurde er stärker, auch weil er vom unkonventionellen Philipp Schobesberger als Vordermann profitierte.

Schrammel von rechts auf links

Pavelic kam in 28 von 36 Ligaspielen zum Einsatz und gilt bei Rapid als gesetzt. Wenn er nicht spielte, dann war es nicht die etatmäßige Nummer Zwei auf der rechten Abwehrposition, der langzeitverletzte Michael Schimpelsberger, der ihn ersetzte, sondern Linksverteidiger Thomas Schrammel. Dieser wiederum spielte auf der linken Seite eine Topsaison, machte auch rechts keine schlechte Figur. Da auch Stefan Stangl sich im Laufe der Saison steigerte, wird eine Variante mit Stangl auf links und Schrammel auf rechts weiterhin eine Option für Trainer Zoran Barisic sein.

Flexibler Auer als neue Unbekannte

Diese Woche holte Rapid aber eine neue Alternative ins Boot. Stephan Auer von der Admira wird wohl nicht nur das Ende der Rapid-Karriere von Michael Schimpelsberger bedeuten, sondern macht die Außenverteidigung des Rekordmeisters noch flexibler. Der 24-jährige Wiener spielte in der Saison 2014/15 so ziemlich überall: In der linken und rechten Verteidigung, im linken und rechten Mittelfeld, als Sechser, Achter und sogar Zehner. Einzig den Angriff und die Innenverteidigung ließ Auer aus. Obwohl er dermaßen oft zwischen den Aufgaben pendelte und sich nie auf eine Position fokussieren konnte, spielte er eine ansehnliche Saison und erregte damit nicht nur das Interesse Rapids.

Direkter Vergleich Pavelic-Auer sehr schwierig

Dennoch war Auer insgesamt häufiger auf der linken Seite zu Hause. In 21 von 36 Pflichtspielen lief Auer auf links auf, nur sechsmal auf der rechten Seite. Aufgrund der vielen Positionen, die Auer 2014/15 bekleidete ist ein Vergleich der Leistungswerte mit denen von Mario Pavelic sehr schwierig, weil die Voraussetzungen andere waren. So geradlinig wie Pavelic konnte Auer nie agieren und auch die mannschaftlichen Voraussetzungen waren andere. Unter diesen Umständen ist Auers Passquote von 69% insgesamt bzw. 62,4% in der gegnerischen Hälfte keine schlechte. Dafür liegt Auer in seiner Zweikampfbilanz (43,7%) und bei den Kopfballduellen (37%) recht deutlich zurück.

Schrammel ist eher Pavelic‘ Konkurrent als Auer

Es ist ohnehin noch nicht gesagt, wie Auer mit den neuen Gegebenheiten bei Rapid zurechtkommt. Sei es das intensivere Training, das höhere Tempo oder die weit höhere Passintensität. Dass Auer bei Rapid für die Außenverteidigung eingeplant ist, scheint klar. Da jedoch eher auf der linken Seite, was ihn wiederum für Pavelic zu keinem primären, internen Konkurrenten macht. Da Pavelic voraussichtlich mit einem Innenbandanriss bis Ende Juli oder Anfang August ausfallen wird und nur Teile der Vorbereitung mitmachen kann, heißt sein unmittelbarer Konkurrent in der rechten Verteidigung wohl Thomas Schrammel.

Konkurrenzkampf größer, schwerer Weg zurück

Rapids „Mister Reliable“ bewies bereits, dass er auch die rechte Seite beherrscht und Rapid muss in der Europacup-Qualifikation sofort funktionieren, weshalb Experimente auf diesen wichtigen Positionen tabu sind. Durch Pavelic‘ Ausfall ist Schrammel als „Ersatz“ auf der rechten Seite logisch, während sich Stangl und Auer um den Platz auf der linken Seite streiten werden. Durch den Konkurrenzkampf, den diese flexiblen Spieler austragen werden, wird es für Pavelic im August sehr schwer werden, wieder direkt in den Weg zurück in die Mannschaft zu finden. Der einstige Nachwuchsteamspieler muss nun sehr hart an sich arbeiten und vor allem körperlich noch stärker zurückkommen. Das Ausmerzen einer gewissen Leichtfüßigkeit könnte bei seiner ohnehin schon starken Technik ein schlagendes Argument dafür sein, dass Pavelic doch wieder schnell in die Truppe findet.

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen