Die Transferzeit beim SCR Altach verlief weitestgehend ruhig, was angesichts der starken Herbstsaison des Aufsteigers durchaus überraschte. Letzten Freitag wurden dann aber auch sie... Einst Camp Nou, nun Schnabelholz: Darum kann Marti Riverola dem SCR Altach helfen
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SC Rheindorf Altach - Wappen mit FarbenDie Transferzeit beim SCR Altach verlief weitestgehend ruhig, was angesichts der starken Herbstsaison des Aufsteigers durchaus überraschte. Letzten Freitag wurden dann aber auch sie am Transfermarkt aktiv und verpflichteten einen interessanten Mittelfeldspieler: Marti Riverola.

Riverola, so Altach-Cheftrainer Damir Canadi während der Vorbereitung, sei „ein sehr guter Spieler, den wir gerne in unseren Reihen hätten.“ Der Spanier trainierte Mitte Jänner eine Woche bei den Vorarlbergern und war auch als Testspieler gegen Nürnberg dabei. Bis Sommer wird er nun von Bologna ausgeliehen. Zudem besitzt man eine Kaufoption.

Der Weg vom Camp Nou ins Schnabelholz

Riverola wuchs im Nachwuchs des FC Barcelona in der berühmten Akademie La Masia auf und wurde von Pep Guardiola einst sogar als Beispiel für die hervorragende Jugendausbildung hervorgehoben, schloss er sich doch bereits als Sechsjähriger dem Verein an. Der gebürtige Katalane durchlief sämtliche Jugendauswahlen und debütierte für Barca im Dezember 2011 in der Champions League. Durchsetzen konnte er sich aufgrund der riesigen Konkurrenz jedoch nicht.

Altach ist für den 24-Jährigen bereits die dritte Station als Leihspieler. Das Frühjahr 2011 verbrachte er in der Eredivisie bei Vitesse, wo er sich auf Anhieb zurechtfand. Er stand in allen Ligaspielen in der Startelf und erzielte zwei Tore. Nach einer weiteren starken Saison in der B-Mannschaft Barcas unterschrieb Riverola einen Vierjahresvertrag bei Bologna – und entschied sich damit unter anderem gegen die Wiener Austria. Nachdem er dort kaum zum Einsatz kam, wechselte er für die Saison 2013/2014 leihweise zum RCD Mallorca, wo er jedoch ebenfalls nicht überzeugen konnte.

Flexibel einsetzbar und potenzieller Ballmagnet

Bis zur Saison 2004/2005 agierte Riverola noch als Stürmer, ehe er sukzessive nach hinten gezogen wurde. Im traditionellen 4-3-3 war er ein fester Bestandteil des Mittelfeldtrios. Entweder Oriol Romeu (aktuell von Chelsea an Stuttgart verliehen) oder Luis Gustavo (nun Rio Ave) agierte als Sechser, während Riverola unterschiedliche Aufgaben übernahm – je nachdem, wer der zweite Achter war. Spielten Rafinha oder Sergi Roberto, die es beide bis in Barcas Profikader schafften, neben ihm, so passte er sich an deren pendelnden Spiel an und ergänzte dies entweder mit absichernden Bewegungen oder direkten Läufen.

Oft agierte mit Javier Espinosa (derzeit von Villareal ausgeliehen an UD Almeria) auch ein eher offensiv orientierter Akteur als zweiter Achter, sodass Riverola vorrangig für die Ballsicherheit und Stabilität im zweiten Drittel zuständig war. In einzelnen Fällen musste Riverola zudem auch als Sechser ran und bei Mallorca spielte er zweitweise sogar auf den Außenpositionen im Mittelfeld. Das alles zeigt, wie flexibel einsetzbar der Neuzugang ist. Individuell vereint Riverola viele Eigenschaften, ohne jedoch punktuell besonders herauszustechen.

Er ist wendig, ohne jedoch als sprintstark zu gelten. Er ist geschickt im Zweikampf, jedoch kein klassischer Abräumer. Am ehesten dürfte er sich in seinen Fähigkeiten im Kombinationsspiel von seinen neuen Mit- und Gegenspielern unterscheiden – aufgrund seiner Barca-Vergangenheit nachvollziehbar. Riverola spielt technisch sehr saubere Pässe und bewegt sich auch in engen Räumen viel, versucht ständig Passdreiecke herzustellen. Sollte der ehemalige spanische Nachwuchsteamspieler am Platz stehen, darf man also mit hohen Ballkontaktzahlen seinerseits rechnen.

Altachs Zentrumstaffelung und Flügelfokus im letzten Drittel

Anders als die letzten Aufsteiger zeichnet sich Altach nicht durch eine klare Spielweise aus. Die Vorarlberger passten sich im Herbst den Gegnern immer wieder gut an, sodass man die unterschiedlichsten Formationen sah. In den ersten Spielen liefen sie meist in 4-3-3-ähnlichen Grundordnungen auf, in den letzten Spielen war es ein flexibel ausgelegtes 4-4-2. Ein fester Bestandteil war dabei immer der Kapitän: Philipp Netzer. Welcher Spielertyp der 29-Jährige ist, lässt sich anhand der nachstehenden Grafik ableiten.

Netzer war ein wichtiger Ankerpunkt im Altacher Ballbesitzspiel. Er verzeichnet teamintern die meisten Zuspiele, verteilt die Bälle jedoch meist mit langen, raumgreifenden Pässen. Andererseits ist Netzer auch für das Spiel gegen den Ball enorm wichtig, wie man anhand der hohen Zahl an Balleroberungen (3,3 Tackles und 4,5 abgefangene Bälle pro 90 Minuten) erkennen kann. Die Konsequenz seiner Spieleweise: wenig direkte Torgefahr bzw. Torschussbeteiligungen. Neben dem 29-Jährigen spielten im Herbst verschiedene Spieler, die aber allesamt in einzelnen individuellen Bereichen Abstriche machen mussten.

Salomon-Prokopic-Roth

Patrick Salomon deckt noch den größten Bereich ab, ist vor allem offensiv in allen Facetten verlässlich. Jedoch ist er ein weniger kombinativer Spielertyp als etwa Boris Prokopic oder Felix Roth, die im Verbindungsspiel jedoch Probleme haben. Gerade in der zuletzt gesehen 4-4-2-Ordnung, wo man noch dazu mit zwei eher kleinräumigen bzw. spielschwachen Stürmern agierte, ist dieser Aspekt nicht zu vernachlässigen und die Verpflichtung von Riverola dürfte die Altacher in dieser Hinsicht flexibler machen.

Die Angriffe wurden zwar meist durch die Mitte eröffnet, in der späteren Phase spielten die Altacher aber meist auf die Außenbahnen, wo sie nominell gut besetzt sind. Mit Andreas Lienhart haben die Vorarlberger einen offensiv starken Rechtsverteidiger, der mit Tempo hinterlaufen kann. Auf den Flügelpositionen gibt es in Ismael Tajouri einen dribbelstarken und explosiven Youngster, sowie in Ivan Kovacec einen vielseitigen Akteur, der auch auf der Zehnerposition spielen kann. Als zielgerichtete Flügelstürmer stehen zudem noch Patrick Seeger und Louis Ngwat-Mahop im Kader.

Die Kehrseite des späten Flügelfokus: auf den Seiten ist man leichter zu pressen, da die Spielrichtung aufgrund der Seitenlinie mehr oder weniger vorgegeben ist. Will man die Angriffe wieder beschleunigen, braucht es entsprechende antreibende Fähigkeiten auf der Zentralachse.

Fazit: Das fehlende verbindende Element

Unterm Strich kann man den Altachern zu diesem Transfer nur gratulieren. Auch wenn Riverola im letzten Jahr kaum Spielpraxis vorweisen kann, so dürfte er aufgrund seiner individuellen Klasse und der exzellenten taktischen Ausbildung eine gute Rolle im Altacher System spielen. Der Canadi-Elf fehlten im Herbst zuweilen nämlich genau die kreativen Impulse auf der Zentralachse, die er mitbringt.

In Riverola bekommt man einen vielseitigen Spieler, der einerseits als pendelnder Achter mit dem Ball am Fuß nach vorne dribbeln kann, aber auch festgefahrene Kombinationen auf den Flügeln lösen kann. Bekommt der Aufsteiger nach vorne genügend Räume kann Riverola zudem auch weiträumige Pässe einstreuen. Die Verpflichtung des Spaniers darf also als offensives Zeichen an die Konkurrenz im Kampf um einen Europacupplatz gedeutet werden.

Alexander Semeliker, abseits.at | Statistikdaten by Opta

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Alexander Semeliker

@axlsem