Der Wolfsberger AC empfing den SK Sturm Graz in der Lavanttal-Arena. In den letzten Wochen und Monaten hatte sich der WAC zu dem Rückrundenteam... Kein Trainereffekt bei Sturm: 0:3-Niederlage beim Wolfsberger AC

Michele Polverino (Wolfsberger AC)Der Wolfsberger AC empfing den SK Sturm Graz in der Lavanttal-Arena. In den letzten Wochen und Monaten hatte sich der WAC zu dem Rückrundenteam gemausert, trotz der empfindlichen Niederlage gegen Red Bull Salzburg in der vergangenen Woche.

Nun wollten sie mit einem Sieg gegen die kriselnden Grazer weiter oben angreifen. Ein Sieg mit zwei oder mehr Toren Differenz hätte gar die Grazer von den Europacupplätzen verdrängt. Um dies zu verhindern und generell der Talfahrt dieser Saison entgegenzuwirken, saß nun Markus Schopp das erste Mal statt dem beurlaubten Peter Hyballa auf der Trainerbank.

Schopps Mannschaftswahl

Sturm Graz - Aufstellung-4Die Grazer wählten das 4-2-3-1, in welchem Sukuta-Pasu über den linken Flügel als verkappter Stürmer kam. Haris Bukva übernahm die Rolle als hängende Spitze hinter Imre Szabics und auf rechts begann der junge David Schloffer. Welche Sachen fielen dabei auf?

Ein interessanter Faktor war sicherlich die Verteilung der Spieler auf diese vier Positionen. Szabics spielte diese Saison oftmals hängend und als Verbindungsspieler nach vorne, der selbst im Strafraum gefährlich werden konnte. Der Ungar lief nun aber als Mittelstürmer auf. Dort sollte er mit seiner Spielstärke und Erfahrung einerseits als Verwerter, andererseits als Raumöffner dienen.

Einige Male wich Szabics so auf den Flügel aus, wodurch Sukuta-Pasu einrücken und situativ die Rolle als Mittelstürmer übernehmen konnte. Außerdem konnte David Schloffer ebenso in die Mitte einrücken, wie auch Haris Bukva. Doch der WAC verteidigte dies ziemlich gut, Michele Polverino dichtete die Mitte sehr gut ab und sorgte letztlich für ein torschussarmes Spiel der Grazer.

Diese hatten nur vier Abschlüsse, davon resultierten drei aus Flanken – zwei gingen aufs Tor, ohne besonders gefährlich zu werden. Doch auch der WAC hatte nicht viel mehr Chancen, auch wenn sie sich im Angriffsspiel etwas effektiver zeigten.

Der WAC mit Problemen und Liendl

Wolfsberger AC - Aufstellung-6Die Grazer pressten mit einem 4-4-2 und einem tiefen Mittelfeldpressing. Haris Bukva stand dabei tiefer als Imre Szabics und suchte immer wieder eine manndeckende Orientierung an einen der gegnerischen Aufbauspieler. Damit wollten sie Pässe ins Mittelfeld verhindern und das Aufbauspiel des WAC den Innenverteidigern überlassen, was auch erfolgreich war und zu vielen langen Bällen führte.

Kamen kurze Pässe ins Mittelfeld, dann wurde das Mittelfeldpressing der Grazer aggressiv aufgezogen und sorgte dafür, dass der WAC Probleme im Angriffsvortrag hatte. Es gab auf beiden Seiten wegen des guten Pressings bzw. dem guten Stellungsspiel (vorrangig des WAC) viele Fehlpässe und nur wenige Angriffe. Beide Mannschaften schlugen viele lange Bälle, von denen aber die meisten kaum durchkamen.

Doch der WAC hatte hier einen Vorteil. Einerseits wirkten sie bei den Gegenangriffen stabiler als die Grazer, andererseits hatten sie mit Liendl einen hervorragenden Umschaltspieler. Liendls lange Bälle waren wohl das spielerische Highlight in dieser Partie und kamen sehr oft präzise und strategisch richtig in die gegnerische Hälfte.

Spielentscheidend war letztlich der Zwischenlinienraum. Der WAC deckte diesen im 4-1-4-1/4-2-3-1 hervorragend ab, schob im Pressing oftmals in ein 4-1-3-2; die Grazer kamen dann meist über den Flügel oder über individuelle Läufe, was selten zum Abschluss und noch seltener zu gefährlichen Positionen zentral vor dem Tor führte. Der WAC hingegen nutzte die oftmals fahrige Bewegung der Grazer und mangelnde Defensivkompaktheit, um das letztlich spielentscheidende 1:0 zu erzielen.

Zwischenlinienraum

Wie gut zu sehen ist, hat der WAC-Akteur den Ball im Zwischenlinienraum. Oftmals ist das prinzipiell kein Problem, in dieser Situation aber schon, weil kein Druck auf ihn ausgeübt wird. Dadurch kann er sich frei bewegen, sich einen Pass aussuchen und auch die passende Bewegung seines Mitspielers abwarten. Desweiteren steht die Abwehr der Grazer desorganisiert da, hat kein ordentliches Linienspiel und öffnet dadurch in den Schnittstellen die Lücken für einen einfachen Lauf von Topcagic.

Zwischenlinienraum2

Topcagic erhält nun den Ball in die Schnittstelle und kann den Ball im Strafraum erhalten. Ein schwaches individuelles Verteidigen gegen ihn sowie ein sehr guter Körpereinsatz und Abschluss des WAC-Stürmers sorgen letztlich für das Tor. Das 1:0 war auch wegen dem generellen Torschussmangel spielentscheidend, denn es gab auf beiden Seiten schlicht und ergreifend kaum Chancen, um am Ergebnis zu verändern. Die nächste wirkliche Chance war die rote Karte für die Grazer und der Elfmeter für den WAC, der das 2:0 besorgte.

Ein Freistoßtreffer durch Jacobo und eine Viertelstunde zu zehnt besiegelten das Schicksal der Blackies.

Der Trainereffekt

Oft wird gesagt, dass der Wechsel eines Trainers sofortige Auswirkung auf die Mannschaft hat – statistisch gesehen ist dies sogar bewiesen, zumeist holt man mehr Punkte. Dies liegt aber schlicht und ergreifend daran, dass der neue Trainer die Mannschaft ohne den Einfluss negativer interner Faktoren (persönliche Streitigkeiten mit Spielern wegen Undiszipliniertheit, o.ä.) aufstellen kann. Bei Sturm wäre dies vielleicht Darko Bodul in der Hinrunde oder jetzt Torhüter Gratzei gewesen.

Doch eine langfristige Besserung kann nicht einfach durch einen Trainerwechsel und eine neue Aufstellung erfolgen. Markus Schopp muss in den nächsten Wochen die Spiele unter Hyballa analysieren, falls er es nicht bereits getan hat, und die Mängel in der Mannschaft finden. Wieso ist man inkonstant? Wieso hat man bestimmte Spiele verloren?

Diese Mängel müssen aufgedeckt werden und durch veränderte Taktiken, eine gute Trainingsarbeit diesbezüglich und natürlich eine Aufstellung mit positiven Wechselwirkungen innerhalb des gewählten Systems korrigiert werden. Dann kann von einem richtigen oder einem falschen Trainerwechsel geredet werden; aktuell wäre dies, auch bei einer klaren Niederlage gegen einen direkten Konkurrenten, verfrüht.

Fazit

In einem torschussarmen Spiel, das auch 0:0 ausgehen konnte, gewinnt der WAC mit 3:0 gegen die Grazer. Ein verdienter, aber zu hoch ausgefallener Sieg, der sie auf den vierten Platz hievt. Bei den Grazern konnten sich die positiven Effekte des Trainerwechsels noch nicht einstellen. In den nächsten Wochen werden die Veränderungen unter Schopp, insbesondere taktischer Natur, interessant zu beobachten sein.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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