Auch wenn Alexander Gorgon weiterhin in Wien-Favoriten kickt, holte die Wiener Austria bereits seinen vorweggenommenen Ersatzmann. Lucas Venuto unterschrieb bis Sommer 2019 bei den... Konterspieler und Zocker: Wie gut passt Lucas Venuto ins System der Austria?
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Lucas Venuto - SV Grödig_abseits.atAuch wenn Alexander Gorgon weiterhin in Wien-Favoriten kickt, holte die Wiener Austria bereits seinen vorweggenommenen Ersatzmann. Lucas Venuto unterschrieb bis Sommer 2019 bei den Veilchen und bietet Thorsten Fink damit eine neue Option auf der Rechtsaußenposition. Aber wie gut passt der junge Brasilianer ins System der Veilchen?

In drei Tagen feiert Lucas Henrique Ferreira Venuto seinen 21.Geburtstag. Und für sein junges Alter ist der Offensivspieler schon recht weit. Speziell im letzten Jahr machte der nur 164cm große Brasilianer einen deutlichen Schritt nach vorne. Venuto wurde nahezu in allen Belangen stabiler, gewann an Konstanz und wurde auch in seiner technischen Sicherheit in engen Räumen sicherer. Zudem kam es ihm zugute, dass er nach nunmehr zwei Jahren im deutschsprachigen Raum in ausreichendem Maße die Sprache beherrscht.

Abseits der Philosophie

Venuto ist als spektakulärer Spieler zu bezeichnen, der immer für Überraschungsmomente gut ist. Bei der Austria ist der siebente Legionär, wobei der langzeitverletzte Ronivaldo und der bei den Amateuren befindliche Pechlivanis nicht mitgerechnet wurden. Nach Marko Kvasina ist Venuto der zweitjüngste Feldspieler des Austria-Kaders. In die von Sportvorstand ausgegebene Philosophie des Ballbesitzfußballs passt der Neuankömmling allerdings nicht.

Konterspieler und Zocker

Venutos zweites Halbjahr in Grödig verlief besser als sein erstes Halbjahr als Profi in Liefering. Dies hat jedoch nicht unbedingt primär mit seiner Entwicklung zu tun, sondern viel mehr mit der Spielweise der beiden Teams. Venuto ist als Rechtsaußen ein Konterspieler und auf einer noch offensiveren bzw. zentralen Position ein „Zocker“.

Inverser Winger statt effizienter Flankengeber

Grundsätzlich ist Venuto ein Spieler, den man „schickt“. Er ist ein inverser Winger, der mit der Grundlinie nicht sonderlich viel anfangen kann. Seine mangelhafte Flankenqualität ist eine der größten Schwächen des Brasilianers. Dafür ist sein Naturell zur Mitte zu ziehen eines seiner größten Assets. Im letzten halben Jahr verbesserten sich auch seine Passwerte, weshalb man auf einfacher Ebene auch gut mit dem 20-Jährigen kombinieren kann. Gleichzeitig war Venuto vor etwa einem Jahr bei Liefering nicht immer überzeugend, wenn die gegnerische Mannschaft sich hinten einigelte.

Komplexeres Spiel und die Komponente Physis

Das erwartet ihn jedoch auch bei der Austria und die Frage ist, wie der mittlerweile gereifte Venuto mit dieser neuen Situation umgehen wird. In Grödig konnte man sich häufig auf schnelles Umschaltspiel beschränken, bei der Austria hingegen ist gerade von den Flügelspielern starkes Antizipationsspiel ohne Ball und eine schnelle offensive Lösungsfindung essentiell. Hinzu kommt, dass auch die Mitspieler Venuto anders einsetzen müssen, als den grundverschiedenen Gorgon, der flügeluntypisch auch immer wieder als Prellbock und mit höheren Bällen gesucht wird. Venuto sucht im Unterschied zu Gorgon eher die Wege und Gassen, die es ihm ermöglichen alleine aufs Tor zu laufen. Gorgons Spiel ist vielschichtiger und durch seinen physischen Vorteil variabler.

Gegnerisches Aufbauspiel „lesen“

Wenn Venuto in einer zentraleren Rolle spielt, etwa als offensiver Mittelfeldspieler oder hängende Spitze, versucht er mit recht geschicktem, passivem Pressing Unzulänglichkeiten im gegnerischen Aufbauspiel auszunützen und so Bälle zu erobern. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass er über 90 Minuten jede Menge leere Kilometer abspult, dann aber doch die eine Szene dabei hat, die entscheidend sein kann.

Einer, der den Unterschied ausmachen kann

Die Rolle von Lucas Venuto bei der Austria, sei es als früher Gorgon-Ersatz oder einfach als zusätzlicher Flügelspieler, ist in jedem Fall eine sehr interessante. Der Brasilianer ist ein Gegenentwurf zu den bisher verfügbar gewesenen Flügelspielern der Veilchen und eigentlich kein Ballbesitzspieler, wie es die Wohlfahrt’sche Philosophie vorgeben würde. Dennoch angelte sich die Austria einen vielversprechenden jungen Offensivakteur, der in jeder Partie den Unterschied ausmachen kann.

Daniel Mandl, abseits.at

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen