Die Austria steckt derzeit in einer hausgemachten, fast angesagten Krise – und Austria-Trainer Gerald Baumgartner in einer Sackgasse. Sein aktueller Rang auf der Beliebtheitsskala... Stammtischgespräche: Was macht Peter Pacult in der Austria-Geschäftsstelle?
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Peter PacultDie Austria steckt derzeit in einer hausgemachten, fast angesagten Krise – und Austria-Trainer Gerald Baumgartner in einer Sackgasse. Sein aktueller Rang auf der Beliebtheitsskala verheißt nichts Gutes und es ist sehr unwahrscheinlich, dass er jemals wieder die Gunst der Fans zurückerlangen kann. Nach der unglücklichen Last-Minute-Niederlage gegen Sturm Graz rumort es im Klub.

Es kann doch nicht wahr sein, dass wir immer noch an Baumgartner festhalten. Sind unsere Ansprüche so tief gesunken?“, meint ein Austria-Fan. Ein anderer wollte es schon vorher gewusst haben: „Mich hat schon vor der Bestellung Baumgartners das Anforderungsprofil gestört“.

Die Sache mit dem Ballbesitzfußball

„Anforderungsprofil“ war in Wien-Favoriten zuletzt ein beliebtes Wort. So auch vom neuen Sportdirektor Franz Wohlfahrt, der „Ballbesitzfußball“ auf die To-Do-List der Austria setzte und damit Kopfschütteln erntete. Dass der ehemalige Tormanntrainer des Nationalteams kein Freund des strukturierten Konzeptionierens ist, bewies er in einigen Interviews nach seiner Bestellung eindrucksvoll.

Arschtritte gefordert

In der violetten Fanbase wurde bereits vor der Niederlage gegen Sturm gescherzt, dass Andreas Ogris am Wochenende im Derby das Ruder herumreißen muss, wenn gegen Sturm etwas schiefläuft. Und was vor weniger als zwei Jahren noch völlig abstrus klang, ist mittlerweile sogar mit ein wenig Hoffnung verbunden. Was der seit dem Meistertitel sukzessive zu Grunde gerichteten Austria in letzter Zeit fehlte, war nämlich wirklich die von „Ogerl“ verkörperte Leidenschaft, Siegeswille und die nötigen Arschtritte, für die Kicker, die glauben, dass es von alleine rennt. Personalpolitik und Konzept mal ausgenommen…

Pacult in Austria-Geschäftsstelle

Eine neue, bisher nicht bedachte Alternative kommt aber soeben auf: Peter Pacult wurde heute Vormittag in der Austria-Geschäftsstelle gesichtet. Eine Konstellation, die kein Zufall sein kann. Schließlich ist die Freundschaft Pacult-Wohlfahrt keine geheime. Da ein langfristiges Konzept offensichtlich nicht besteht und man im Fall des Falles eher auf der Suche nach einem Feuerwehrmann wäre, wirkt der einstige Rapid-Meistertrainer als logischer Kandidat.

Stammtischvertrauen statt langfristigem Denken

Was wiederum nicht im Einklang mit der vorgegebenen spielerischen Linie ist, denn Pacult stand stets für Überfallfußball, Dynamik und Brechstange. Kontrollierte Offensive, Ballhalten, hohe Ballbesitzquoten – dies sind alles Attribute für die Pacult nie stand. Aber wenn man das Sagen hat, dann kann Stammtischvertrauen schon mal die vordefinierte Linie ablösen. Das kann, einer gewissen Schubumkehr geschuldet, kurzfristig gut für den Verein sein, wird auf lange Sicht aber nichts als Chaos bringen. Auch weil kurzfristige Erfolge – egal mit welchen Mitteln – zu mehr Zeit berechtigen und Transferperioden beeinflussen, in denen man das Ziel des großen Ganzen und nicht Einzelner verfolgen sollte.

Pacult vs. Barisic?

Sollte Peter Pacult heute als Interimscoach aus der Austria-Geschäftsstelle spazieren, würde dies das Derby äußerst brisant machen. Nicht nur weil Pacult seine letzten großen Erfolge mit Rapid feierte (und von den meisten Fans trotzdem nie akzeptiert wurde), sondern auch weil derzeit mit Zoran Barisic einer auf der grün-weißen Trainerbank sitzt, der mit dem Floridsdorfer nicht mehr ganz so gut kann. Das Zerwürfnis zwischen dem damaligen Trainer und seinem Co-Trainer ist noch nicht vergessen – und die Spielphilosophien der beiden könnten unterschiedlicher nicht sein.

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen