Florian Jauk und Christian Albrecht analysieren vor dem Frühjahrsauftakt für den SK Sturm Graz die Wintertransferperiode, die Zu- und Abgänge der „Blackies“. „Der Heimkehrer“... Sturm Graz startet ins Fußballjahr 2015: Die Neuzugänge, die Abgewanderten und ein Ausblick
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SK Sturm Graz - Wappen mit FarbenFlorian Jauk und Christian Albrecht analysieren vor dem Frühjahrsauftakt für den SK Sturm Graz die Wintertransferperiode, die Zu- und Abgänge der „Blackies“.

„Der Heimkehrer“

Roman Kienast

Roman Kienast erzielte bereits 30 Bundesligatore für den SK Sturm.

Roman Kienast konnte in Wien-Favoriten nie ganz an die Leistungen anschließen, für die ihn die Sturm-Fans in Erinnerung haben. Der mittlerweile 30-jährige gewann mit den Schwarz-Weißen 2010 den ÖFB-Cup und hatte ein Jahr später mit seinen 19 Liga-Toren maßgeblichen Anteil am dritten Meisterschaftsgewinn der Sturm-Historie. Im Herbst des Jahres zog sich der Wiener jedoch einen Mittelfußknochenbruch zu und wechselte schließlich im Jänner 2012 zu Austria Wien.

Dort kam er zu Beginn zwar noch regelmäßig zum Einsatz, im Laufe der Zeit wurde er aber zum Joker degradiert bis er zuletzt sogar nur mehr auf der Tribüne Platz nehmen durfte. Unzufriedenheit machte sich breit, Sturm klopfte an und die Verantwortlichen der Wiener Austria legten dem Stürmer keine Steine in den Weg. Trotzdem dürften aber auch die violetten Anhänger Kienasts Zeit in Wien aufgrund einer bestimmten Aktion positiv in Erinnerung behalten, war er es doch, der dem Verein mit seinem Joker-Tor gegen Dinamo Zagreb in der Qualifikation zur Champions League einen wahren Millionenregen bescherte.

So spielt Roman Kienast also exakt 3 Jahre nach seinem letzten Engagement bei den Grazern wieder in Liebenau, wo man sich erhofft, dass er genauso treffsicher agiert wie in seinen besten Tagen. Ob das so eintrifft, wird sich weisen. In der Vorbereitung der Blackies konnte man ihm in den Testspielen die physischen Rückstände, welche so ein Tribünen-Abo mit sich bringt, deutlich ansehen. Eine Bereicherung für die „Schwoazen“ ist der Routinier allemal, nicht nur wegen seiner Erfahrung und seiner, laut einigen Mitspielern, tollen Persönlichkeit, sondern auch, weil er den Verein in- und auswendig kennt. Und wenn man ihm die Zeit gibt, kann er auch noch fußballerisch sehr wichtig für die Grazer werden.

„Der Rohdiamant“

Es war wohl die kurioseste Nachricht im kompletten Transferfenster der österreichischen Bundesliga, als die Medien berichteten, dass der mit 49 Millionen Euro Ausstiegsklausel bedachte Donis Avdijaj für eineinhalb Jahre von Gelsenkirchen nach Graz wechselt. Leihweise versteht sich. Nichtsdestotrotz landeten die Sturm-Verantwortlichen rund um General Manager Gerhard Goldbrich mit dem Transfer des 18-Jährigen einen für österreichische Verhältnisse großen Coup.

In Deutschland erregte er vor allem wegen eines Unfalls mit einem Luxus-Mercedes große Aufmerksamkeit, er soll in ein illegales Straßenrennen involviert gewesen sein. Letztendlich hat sich herausgestellt, dass es ein stinknormaler Unfall mit guten 30 km/h auf dem Tacho gewesen sein soll. Fußballerisch machte der „Problemboy“ mit Toren auf sich aufmerksam, in diversen Jugendmannschaften des FC Schalke 04 kam er teils auf mehr Tore als auf Einsätze. Der Sprung in die Profimannschaft der Nordrhein-Westfalen lässt aber noch auf sich warten, in der Zwischenzeit soll der Deutsche in Österreich Spielpraxis sammeln.

Und die dürfte Avdijaj auch bekommen. Der technisch hoch veranlagte Stürmer, der sich in der Position als hängende Spitze am wohlsten fühlt, dürfte sich bei Sturm wohl mit Marko Stankovic um die Position als 10er matchen, solange Cheftrainer Franco Foda am 4-2-3-1 festhält. Bei einem System mit zwei Sturmspitzen könnte der junge Leihspieler auch neben Bright Edomwonyi, der im Sturm wohl gesetzt ist, aufgeboten werden. Eingewöhnungsschwierigkeiten dürfte der Teenager, der zuletzt im Trainingslager der Schwarz-Weißen ein paar Tage krankheitsbedingt ausfiel, trotzdem haben, ist es doch seine erste Auslandsstation. Die Sturm-Fans sollten an Avdijaj jedenfalls nicht zu große Erwartungen stellen, sonst erfährt er möglicherweise das gleiche Schicksal wie ein Robert Beric. Ein Rohdiamant, egal auf wie viele Millionen sein Wert nun geschätzt wird, gehört einmal geschliffen und erst dann weiß man, wie viel er wirklich wert ist. Für Sturm kann er auf jeden Fall noch sehr wertvoll werden.

„Der Hoffnungsträger“

Bright Osagie Edomwonyi, so lautet der klingende Name des erst 20-jährigen Nigerianers. Einer, sollte es irgendwann zum Abgang aus Graz kommen, den die Sturm-Supporter dann genauso positiv in Erinnerung behalten wollen wie Neo-Salzburger Marco Djuricin. Apropos Salzburg, dort begann der Österreich-Trip des zweifachen U20-Teamspielers. Nach einem ziemlich erfolglosen ersten Halbjahr bei den Bullen wurde der Afrikaner im Jänner 2013 nach Liefering „verschoben“. Dort verbrachte er ein Jahr, bis man ihn nach Innsbruck verlieh, wo der Stürmer ein halbes Jahr lang erstmals (das 10-Minuten-Intermezzo bei Salzburgs 0:2-Niederlage gegen Rapid im Oktober 2012 ausgenommen) Bundesligaluft schnuppern durfte. Nach Leihende entschloss sich Red Bull den Stürmer abermals zu verleihen – es ging nach Hartberg. Dort überzeugte der in Benin geborene Edomwonyi und avancierte zur Lebensversicherung des TSV. Die selbe Rolle, die auch Djuricin bei Sturm innehatte.

Bright Edomwonyi, im Gegenzug zum Transfer des 23-jährigen Djuricin nach Salzburg von Red Bull erhalten (zusätzlich zu den kolportierten zweieinhalb Millionen Euro), soll also den treffsicheren Wiener bei Sturm ersetzen. Und das ist kein Ding der Unmöglichkeit. Zwar gelang dem Nigerianer in einem halben Jahr Bundesliga kein einziger Treffer, dafür geigte er in der sky go Erste Liga auf und sorgte auch mit sieben Testspieltreffern in Sturms Vorbereitung für Furore. Man soll zwar keine Äpfel mit Birnen vergleichen, die Qualität um ein gestandener Bundesligaspieler zu werden ist aber zweifellos vorhanden.

Besonders die Schnelligkeit, welche als große Stärke Edomwonyis gilt. Das dürfte auch den Grazern zu Gute kommen, brauchen sie doch an ihrem System nicht viel zu ändern. Denn gleich wie sie Djuricin gerne, oft und zumeist auch erfolgreich in die Tiefe schickten, werden sie auch beim Neuzugang versuchen, die Lücke zu finden. In den Testspielen hat das zumeist schon gut funktioniert, gepaart mit der Kaltschnäuzigkeit hat das auch schon zu mehreren Toren geführt. Ein weiterer Pluspunkt für Edomwonyi ist, dass er gegenüber seinem Vorgänger, der manchmal zu oft versucht hat, sich den Ball auf seinen starken rechten Fuß zu legen, beidbeinig schießen kann. Außerdem hat man in den Testspielen das gesehen, was Djuricin oft vermissen ließ, und zwar das Ausspielen des gegnerischen Torhüters. Djuricin hat sich selbst eine höhere Torquote vermasselt, indem er zu oft zu hastig abschloss. Was bei beiden jedoch auffällt, ist, dass sie vor dem Tor des Öfteren zu eigensinnig agieren, stellt Edomwonyi das noch ab, dürfte er auch bald in der höchsten österreichischen Spielklasse „bright“ erstrahlen.

„Die Wundertüte“

Von Wilson Kamavuaka weiß der durchschnittliche Sturm-Fan, trotz Vereinszugehörigkeit, vermutlich noch nicht allzu viel. Nur das: Sturm Graz verpflichtete den zuletzt vereinslosen Deutsch-Kongolesen um den im letzten Augenblick abgewanderten Tomislav Barbaric zu ersetzen. Nicht, dass dieser in der bisherigen Spielzeit eine tragende Rolle spielte, trotzdem kann der erst im Sommer verpflichtete Kroate auf den einen oder anderen Startelf-Einsatz zurückblicken. Und zwar deshalb, weil der 25-Jährige die einzige Alternative war, so vom gesetzten Innenverteidiger-Duo Lukas Spendlhofer-Michael Madl jemand ausfiel. Der rekonvaleszente Andreas Pfingstner stand den gesamten Herbst nicht zur Verfügung und auf den von den Amateuren hochgezogenen wollte man aus diversen Gründen nicht zurückgreifen.

So steht also mit Ende der Vorbereitung plötzlich Wilson Kamavuaka im Kader der Blackies. Der in Düren geborene Cousin von Ex-Sturm-Kicker Richard Sukuta-Pasu durchlief Jugendmannschaften sämtlicher deutscher Vereine und darf sogar auf ein Jahr in der deutschen Bundesliga (1. FC Nürnberg), wo er allerdings nicht allzu oft zum Einsatz kam, zurückblicken. Zuletzt stand der 3-fache Nationalteamspieler (DR Kongo) aber beim KV Mechelen in Belgien unter Vertrag.

Was den gemeinen Sturm-Fan in Bezug auf Wilson Kamavuaka erwartet, kann man nur schwer prophezeien. Anfangs wird sich der gelernte Innenverteidiger wohl in der zweiten Reihe einordnen müssen, dürfte aber sehr wohl zu Einsatzzeit kommen, siehe Barbaric. Aber auch im defensiven Mittelfeld ist der bis Ende der Saison an die Grazer gebundene Kamavuaka einsetzbar, hier stehen seine Chancen auf Spielminuten jedoch weitaus geringer als in der Innenverteidigung. Bei einem gesetzten Duo Anel Hadzic-Daniel Offenbacher sowie gleichwertigen Backups à la Simon Piesinger bzw. sich aufdrängende Jungspunde wie Sandi Lovric hat der Deutsch-Kongolese einen sehr schweren Stand. Je nachdem wie sich die Situation bis zum Ende der Spielzeit entwickelt, werden sich die Sturm-Verantwortlichen überlegen, ob sie bei Kamavuaka die zweijährige Vertragsoption ziehen oder nicht. Für die Grazer ist diese Verpflichtung auf keinen Fall ein Verlustgeschäft.

„Der Testsieger“

Mikko Sumusalo, Malik Fathi und Igor Oshchypko. So hießen die Kandidaten, die Sturm in der Wintervorbereitung getestet hat, um die mager besetzte Außenverteidigerposition auf der linken Seite zu verstärken. Letzterer machte schließlich das Rennen und setzte sich damit gegen den bei RB Leipzig unter Vertrag stehenden Finnen Sumusalo und den damals noch vereinslosen zweifachen A-Nationalteamspieler Deutschlands Fathi durch, welcher mit Atlético Baleares aus der dritthöchsten Spielklasse Spaniens übrigens eine neue Andockstation fand.

Aber auch Oshchypko hat zwei Länderspieleinsätze für die Ukraine vorzuweisen. Dort, wo der 29-Jährige letzte Woche auch hinfliegen musste, um sich die ausstehende Arbeitserlaubnis abzuholen. Wäre es letzten Samstag zum Spiel des SV Grödig gegen Sturm gekommen, wäre diese auch bitter nötig gewesen, verletzte sich doch der etatmäßige Linksverteidiger der Grazer Christian Klem an den Adduktoren und wäre nicht einsatzfähig gewesen. Der erste Einsatz für seinen neuen Klub wäre also fast schon so weit gewesen, nur unterirdische Rasenverhältnisse in Salzburg machten diesen zunichte.

Sollte der gesetzte Christian Klem in den noch zu spielenden Partien ausfallen, wird die ukrainische Neuverpflichtung zum Zug kommen. Ein Selbstläufer ist das allerdings nicht, durfte man in diversen Testspielen mit Benjamin Rosenberger auch einem jungen Blacky auf dieser Position auf die Beine schauen. Möglicherweise wird Oshchypko auch auf der rechten Seite zum Einsatz kommen, die Chancen dafür sind aber minimal. Zwar ist Makhmadnaim Sharifis Heilungsprozess (Kreuzbandriss) noch nicht abgeschlossen, jedoch war der 31-jährige Martin Ehrenreich unter Franco Foda praktisch den ganzen Herbst gesetzt. Und sollte auch dieser ausfallen, steht mit Thorsten Schick noch immer ein gelernter Rechtsverteidiger zur Verfügung, der aus dem Mittelfeld zurückgezogen werden könnte. Gleich wie bei Kamavuaka wird sich die Vereinsführung Oshchypkos Leistungen im Frühjahr ansehen und dann entscheiden, ob sie den ebenfalls im Sommer auslaufenden Vertrag verlängern, in welchem Übrigens keine Option festgeschrieben ist.

Auf der zweiten Seite werden die Abgänge des SK Sturm Graz analysiert und wir wagen einen Ausblick auf den möglichen „Sturm auf Europa“!

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