In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 24. Runde der tipico Bundesliga 2014/2015 | Kienast, Tajouri
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_Ismael Tajouri - SCR AltachIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 24. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Roman Kienast (Sturm Graz) und Ismael Tajouri (Altach) unter die Lupe.

SK Sturm Graz – Wolfsberger AC 1:0, Roman Kienast (64. Minute)

Drei Spiele, drei Siege. Der SK Sturm Graz ist nach dem gemächlichen Frühjahrsstart wieder mittendrin im Kampf um den zweiten Tabellenplatz. Unter der Woche besiegten die Steirer im Nachtragsspiel den SV Grödig, am vergangenen Wochenende holten sie daheim gegen Wolfsberger AC drei Punkte. Ein herausragender Akteur ist dabei Roman Kienast. Der 30-Jährige erzielte seit der Winterpause bereits drei Tore – unter anderem das 1:0 gegen den WAC, das wir uns nun genauer ansehen wollen.

Die Kärntner mussten in dieser Partie schon früh einen Ausschluss hinnehmen, sodass Sturm verstärkt das Tempo diktierte. Vor dem 1:0 machten sie das besonders gut und variierten den Rhythmus geschickt. Der Ball befindet sich hier auf der linken Seite der Grazer, der WAC presst zwar nicht auf den Ball, steht im Großen und Ganzen aber kompakt, sodass man einen Rückpass erzwingen kann. Interessant und in weiterer Folge entscheidend ist in dieser Szene die Bewegung von Simon Piesinger (blau). Der 22-Jährige bewegt sich entgegen der Spielrichtung aus dem Zentrum nach vorne.

Hier steht Piesinger nun zwischen den Linien des WAC. Dieser verschiebt aber sehr kompakt und steht noch immer geschlossen da, sodass der Sturm-Mittelfeldspieler nicht direkt anspielbar ist. Aufgrund ihrer passiven Spielweise haben die Wolfsberger aber keinen Zugriff, sodass Sturm umgehend wieder auf die linke Seite spielen kann. Das ist im Allgemeinen schon zu elft eine sehr heikle Situation für die verteidigende Mannschaft, da die Verschiebebewegung innerhalb des Teams manchmal nicht hundertprozentig synchron sind. Für den WAC kommt hier zudem erschwerend hinzu, dass man dezimiert ist und Piesinger sich zuvor vorausschauend positionierte.

In diesem Bild sieht man nun die Auswirkungen der oben beschriebenen Abläufe. WAC-Rechtsverteidiger Michael Berger (schwarz) muss auf den Ballführenden herausrücken, was den Raum in seinen Rücken öffnet. Stefan Schwendinger (rot), Piesingers nomineller Gegenspieler, orientierte sich zuvor in Richtung Ball, sodass er hier weit weg vom Grazer steht und dieser in der Folge flanken kann. Der rechte Innenverteidiger des WAC kann in diesem Moment nicht herausschieben, weil die Grazer in der Mitte eine Gleichzahlsituation herstellten. Kienast (gelb) besetzt das Angriffszentrum konsequent hoch und bewegt sich bei der Hereingabe sehr gut zwischen die Innenverteidiger. Aus kurzer Distanz verwertet er dann problemlos.

FC Red Bull Salzburg – SCR Altach 0:1, Ismael Tajouri (50. Minute)

Ein Konkurrent des SK Sturm Graz konnte in der 24. Runde überraschenderweise ebenfalls voll punkten, nämlich der SCR Altach. Der Aufsteiger gewann bei Red Bull Salzburg mit 1:0 und liegt einen Punkt vor den Balckies auf Rang drei. Den Siegtreffer erzielte Ismael Tajouri, dessen Rolle wir bereits angeschnitten haben. Was man bei diesem Tor besonders gut sehen konnte, ist das Risiko der Salzburger Spielweise.

Altach steht hier tief und kompakt in einem 5-4-Block vor dem eigenen Sechzehner. Salzburg steht in einer 2-1-4-3-Aufbauformation, die dadurch entsteht, dass die Flügelspieler diagonal einrücken, die Außenverteidiger nach vorne gehen, ein Sechser abkippt und ein Stürmer zurückfällt. Diesen versucht Martin Hinteregger (grün) anzuspielen, was jedoch misslingt.

Altach erobert den Ball, was bei den Salzburgern ein sofortiges Gegenpressing hervorruft – gut zu sehen vor allem am Vorrücken des rechten Rechtsverteidigers. Auch von der Mitte orientiert sich ein Spieler umgehend zum Ballführenden, der dadurch schon bei der Annahme stark unter Druck gerät. Emanuel Schreiner (blau) unterstützt seinen Mitspieler aber sehr gut indem er schon früh in den Raum hinter den attackierenden Rechtsverteidiger sprintet.

Naby Keita (schwarz) und vor allem Stefan Ilsanker (weiß) sind normalerweise dafür zuständig, dass von dort aus keine Gefahr ausgeht. In dieser Szene können die beiden Schreiner aber nicht stoppen und das Spiel nimmt eine negative Dynamik für die Salzburger.

Hier sieht man, dass die Defensivordnung der Salzburger quasi gänzlich zerstört ist. Duje Caleta-Car (rot) rückte auf den Ballführenden heraus, dieser passte aber einfach vorbei zum ausweichenden Stürmer. Hinteregger ist diesem gefolgt und steht nun ebenfalls auf der rechts, sodass sich ein weiterer großer Raum auf der Zentralachse öffnet. Schreiner geht erneut in diesen rein, der Linksverteidiger der Bullen muss also noch weiter einrücken. Das verschafft Tajouri (gelb) Platz, den der Youngster nutzt um den Siegtreffer zu erzielen.

Alexander Semeliker, abseits.at

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Alexander Semeliker

@axlsem