In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 25. Runde der tipico Bundesliga 2014/2015 | Kainz, Trdina
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_Tadej Trdina - Wolfsberger ACIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 25. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Florian Kainz (Rapid Wien) und Tadej Trdina (WAC) unter die Lupe.

SK Rapid Wien – SV Scholz Grödig 3:0, Florian Kainz (46. Minute)

Nach der ernüchternden Derbyniederlage in der 24. Bundesligarunde rehabilitierte sich der SK Rapid mit einem deutlichen 4:0 gegen den SV Scholz Grödig und hält weiterhin den zweiten Platz in der Tabelle. Dabei kontrollierten die Hütteldorfer die Partie einerseits durch eine sichere Ballzirkulation und andererseits durch ihr Gegenpressing, das unter anderem der Grundstein für das dritte Tor. Ebenfalls interessant zu beobachten war dabei ein außerordentlich kluges Dribbling von Philipp Schobesberger.

Ein Problem beim Gegenpressing vieler österreichischen Mannschaften ist meist nicht der fehlende Impuls, es ausführen zu wollen, der Wille oder die Aggressivität, wie landläufig manchmal behauptet wird, sondern die Staffelung des entsprechenden Teams. Ballnah wird zwar hoher Druck ausgeübt, aufgrund der fehlenden Rückendeckung – die aus der erwähnten fehlerhaften Staffelung rührt – kann sich der Gegner aber ohne größere Probleme lösen. Der SV Grödig hatte diese Probleme schon in der letzten Saison, sodass das ihr Pressing meist chaotisch wirkte. Durch eine enorm hohe Aggressivität konnten sie dieses Manko allerdings phasenweise kaschieren.

In dieser Saison sieht man den Grödigern das Bemühen zwar deutlich an, sie kommen aber stets einen Schritt zu spät. Der Grund: etwas weniger Aggressivität, aber vor allem noch weniger Rückendeckung. Im obigen Bild sieht man dieses Problem sehr gut. Der ballführende Rapid-Spieler muss den Ball nur irgendwie hinter die erste, forsch attackierende Pressingreihe bringen und kann mit Tempo angreifen, da in diesem Band nur der Grödiger Sechser steht.

Anschließend an den gehobenen Ball, sieht man das gleiche Bild. Die drei ballnahen Grödiger wollen sofort auf den Ballführenden gehen, sind aber zu weit weg, sodass ihr Versuch ins Leere läuft. Erwähnenswert bzw. bezeichnend für die ausbaufähigen Abläufe ist hier auch die Positionierung von Grödig-Linksverteidiger Robert Strobl (rot), der sich zurück orientiert. Die Folge: Philipp Schobesberger (schwarz) kann den Ball auf seinen Mitspieler ablegen und dieser kann nach vorne dribbeln.

Im Zweikampf verliert der ballführende Rapid-Spieler zwar kurzfristig den Ball, die Grün-Weißen können ihn sich aber umgehend zurückholen. Man erkennt dabei die Unterschiede zum Grödiger Gegenpressing. Die Wege zum Ball und zu den Gegenspieler sind kürzer. Der Ballführende hat nicht einmal die Zeit um einen unsauberen Pass hinter die erste Linie zu spielen – und selbst wenn dieser ankommen würde, wären in seinem Rücken sofort zwei Gegenspieler. Im Anschluss an die Balleroberung kann Rapid wieder schnell Tempo in den Angriff bringen.

Es kommt nun zum zweiten Kernpunkt dieses Tors: das Dribbling bzw. die Entscheidungsfindung von Schobesberger. Der Flügelspieler nutzt die entstehende Dynamik, unter der ein Team ohnehin schon dazu neigt, die Ordnung zu verlieren, dazu, seine Mitspieler in gute Positionen zu bringen. Wie man im obigen Bild sieht machen zwei Rapid-Spieler – unter anderem der spätere Torschütze Florian Kainz (gelb) – das Spiel breit. Ein Pass in den Lauf von Robert Beric (weiß) wäre zwar prinzipiell möglich, der Slowene hätte aber einen ungünstigen Winkel zum Tor. Schobesberger dribbelt daher auf den zentralen Verteidiger zu.

Mit diesem Dribbling bindet er einerseits die drei ihm umgebenden Grödiger direkt, das heißt sie attackieren ihn. Ein weiterer und in der weiteren Folge entscheidender Effekt ist aber, dass die beiden äußeren einrücken müssen, um im Falle, dass Schobesberger direkt durchbrechen würde, nicht direkt aufs Tor laufen könnte. Dadurch bekommen Kainz und Beric mehr Platz, aber auch Louis Schaub (blau) kann aus dem Rücken in einen freien Raum laufen. Schobesberger behauptet den Ball, spielt auf Schaub, der weiterlegt auf Kainz – Tor!

Wolfsberger AC – SC Wiener Neustadt 1:0, Tadej Trdina (43. Minute)

Mit einem 2:0-Heimsieg beendete der Wolfsberger AC die Serie von zuletzt drei Niederlagen in Serie. Das Duell gegen den SC Wiener Neustadt war dabei ein Duell zweier unterschiedlicher Spielphilosophien: auf der einen Seite Didi Kühbauers Kontertaktik, auf der anderen Seite Helgi Kolvidssons Gegenpressingfokus. Die beiden Ausrichtungen konnte man auch beim 1:0 erkennen.

Was beim oben analysierten Tor über den SV Grödig geschrieben wurde lässt sich hier nahezu eins zu eins auf die Wiener Neustädter umlegen. Wie man in diesem Bild sehen kann stehen sie sehr hoch und wollen dort attackieren. Gleich sieben Spieler stehen tief in der gegnerischen Hälfte. Das bedeutet ein hohes Risiko und eine entsprechend gute Absicherung. Doch war das in dieser Szene bei Wiener Neustadt auch der Fall?

Nein. Absolut nicht. Wie man hier sieht hat der WAC fast das gesamte zweite Spielfelddrittel für sich und kann es sich sogar leisten nicht sofort nach vorne zu spielen. Manuel Weber (weiß) passt in dieser Situation nämlich zur Seite. Normalerweise wird der Angriff dadurch extrem verlangsamt und der Gegner bekommt wieder Möglichkeit, Zugriff zu entwickeln. Aufgrund der großen Abstände kommen die Wiener Neustädter aber in der Folge stets mehr als einen Schritt zu spät. Ein Attackieren öffnet sofort andernorts einen großen Raum.

Die Viererkette steht tief bzw. wurde dorthin gedrängt – unter anderem vom Lauf Tadej Trdnias (gelb). Der Slowene startete, wie man am Bild davor sehen kann, nämlich rechts und ging dann diagonal in die Mitte. Die Breite auf der rechten Seite gibt nun Manuel Kerhe (rot), sodass sich die übliche Staffelung bei einem Konter ergibt: je ein Spieler auf den Seiten, einer im Angriffszentrum. Weber visiert den Zwischenlinienraum an, wird aber schlecht angespielt. Trotzdem bekommt Wiener Neustadt weiterhin keinen klaren Zugriff.

Weber gewinnt seinen Zweikampf und kann auf die von Kerhe geöffnete Seite auf den nachrückenden Michael Berger (schwarz) spielen. Dessen Ballannahme und Entscheidungsfindung sind ebenfalls ausbaufähig, sodass der Angriff ein weiteres Mal ins Stocken gerät. Da ein Wiener Neustädter Verteidiger Trdina den Ball anschließend aber vor die Füße legt, reicht dem WAC in dieser Szene ein bestenfalls mäßig gespielter Konter zum Tor – für ein an und für sich konterstarkes Team recht kurios.

Alexander Semeliker, abseits.at

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Alexander Semeliker

@axlsem