Das erste Saisonviertel in der Bundesliga lief für Red Bull Salzburg alles andere als geschmiert. Nach neun Runden liegt der Titelverteidiger nur auf Rang... Vertikaldribbler und Dynamikgeber: Naby Keitas Rolle unter Peter Zeidler
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Naby Keita - Red Bull Salzburg_abseits.atDas erste Saisonviertel in der Bundesliga lief für Red Bull Salzburg alles andere als geschmiert. Nach neun Runden liegt der Titelverteidiger nur auf Rang fünf, vier Punkte hinter Tabellenführer Rapid. Die Abläufe der Mannschaft von Peter Zeidler wirkten in vielen Phasen nicht stimmig, was vor allem auf eine große personelle Fluktuation zurückzuführen ist. Einige Spieler kamen neu dazu, andere übernehmen andere Aufgaben. Einer dieser Spieler ist Naby Keita.

Der 20-Jährige entwickelte sich letzte Saison zum wohl besten defensiven Mittelfeldspieler der Bundesliga. Besonders beachtlich war dabei die Geschwindigkeit, mit der er sich entwickelte. Auch in der laufenden Saison zeigte er bisher neue Elemente, die wir in diesem Artikel beleuchten wollen.

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Was bei der Betrachtung der Leistungsdaten von Keita als erstes ins Auge springt ist die Tatsache, dass er bereits vier Tore erzielt hat. Damit ist er hinter Takumi Minamino der beste Torschütze bei den roten Bullen. Ein erster Hinweis darauf, dass er aktuell offensiver spielt als noch letzte Saison unter Adi Hütter, die er mit sieben Scorerpunkten allerdings alles andere schlecht beendete.

Während er letzte Saison jedoch hauptsächlich als Balancespieler eingesetzt wurde, der hie und da mit Vorstößen für Dynamik sorgte, übernimmt Keita mittlerweile jedoch dauerhaft eine aktivere Rolle. Er ist bisher die einzige Konstante im zentralen Mittelfeld. In den ersten beiden Saisonspielen bildete Konrad Laimer mit ihm die Doppelsechs. Der 18-Jährige, der an und für sich sehr gut zu Keita passen würde, agierte jedoch sehr zaghaft und wurde jeweils in der Halbzeit ausgewechselt.

Außerdem spielten neben dem Guineer mit Yasin Pehlivan und Benno Schmitz zwei Akteure, die von Haus ebenfalls keine Spieler sind, die verbindend agieren können. Keita war in diesen Fällen also alleine aufgrund der Passivität seines jeweiligen Nebenmanns zu mehr Aktivität gezwungen. Christoph Leitgeb, der im Frühjahr hauptsächlich an der Seite von Keita spielte, brachte es bisher erst auf drei Einsätze und wird in den nächsten Monaten verletzungsbedingt fehlen.

In der achten Runde gegen Grödig begann schließlich Valon Berisha neben Keita, was sehr unpassend war. Der Norweger ist nämlich ein offensivdenkender Spieler, der selbst die Vorstöße sucht und bei solchen seines Nebenmanns eher selbst mitgeht als abzusichern bzw. sich in den Fällen, in denen er dies versucht, schlecht positioniert. So geschehen zum Beispiel beim zwischenzeitlichen 0:2, als Keita beim versuchten Doppelpass ein Fehler unterlief und die Grödiger im Gegenzug trafen.

Die Wichtigkeit des vertikalen Sechsers

Derartige Vorstöße zeigte Keita in der laufenden Saison auffällig oft. In der erwähnten Partie spielte er einen Doppelpass mit dem zurückfallenden Stürmer und traf zum 2:2. Ebenfalls zu einem Torerfolg führte eine ähnliche Kombination im ersten Spiel gegen Mattersburg. Sein Solo zum dritten Saisontor gegen Altach war nicht nur schön anzusehen, sondern ist das Paradebeispiel dafür, in welche Richtung sich Keita entwickelte: mit geradlinigen Dribblings schnell nach vorne.

Keitas Dribblings gegen Altach

Diese Facette gab es zwar schon letzte Saison, war aber nicht dermaßen stark ausgeprägt. Interessant ist folgende Statistik: Keita bestritt bisher 50 Dribblings und ging dabei 31-mal als Sieger vom Platz. Das entspricht einer Erfolgsquote von starken 62%. Zählt man erlittene Fouls zusätzlich als erfolgreiches Dribbling, dann erhöht sich diese Zahl sogar auf 71%. Beachtlich ist dabei, dass Keita die meisten seiner Dribblings in der gegnerischen Hälfte führte (44) und dabei eine höhere Erfolgsquote aufweist (64%) als in der eigenen (50%).

Es ist aber weniger die Anzahl und die Erfolgsquote der Dribblings, die ihn zu einem enorm wichtigen Spieler machen. Vielmehr ist es die Richtung, denn sie sind meist nach vorne gerichtet (siehe Grafik rechts). Keita führt den Ball sehr eng, hat einen tiefen Schwerpunkt und ist daher potenziell sehr schwer vom Ball zu trennen. Er zieht somit die Gegenspieler auf sich, lockt sie gegebenenfalls aus ihrer passiven Position und erhöht damit die Spieldynamik bzw. schafft Räume für seine Mitspieler.

Dadurch werden die Räume zwar um den Ball schnell eng, Salzburg hat aber einerseits technisch sehr starke Spieler, die in diesen Aktionen die Kontrolle behalten und selbst durchbrechen oder auf freie Mitspieler passen können. Andererseits sind sie dadurch in einer guten Ausgangsposition fürs Gegenpressing falls sie den Ball verlieren. Das ist ein Mittel, das Zeidler letzte Saison auch bei Liefering einsetzte und beinahe zum Meistertitel in der Sky Go Erste Liga verhalf. Auch die Salzburger nutzten das Andribbeln der gegnerischen Formation und in enge Räume – vor allem in Person von Kevin Kampl – in der Vergangenheit häufig.

Aufeinandertreffen mit „Nachfolger“ Jano

Der verstärkte Fokus auf die Offensive hat auf der anderen Seite scheinbar negative Auswirkungen auf die defensiven Leistungsdaten. Während Keita in der letzten Saison nämlich pro 90 Minuten neun Balleroberungen verzeichnen konnte und damit ligaweit top war, kommt er aktuell „nur“ auf 6,27. Unter allen Mittelfeldspielern liegt er damit aber immer noch im Spitzenfeld, nämlich auf Platz fünf, wenn man nur jene Spieler berücksichtigt, die mindestens 200 Minuten am Rasen standen.

Angeführt wird die Liste von drei Mattersburgern: Sven Sprangler, Manuel Prietl und Jano. Der Spanier ist mit 10,56 Balleroberungen der herausragende Spieler in dieser Kategorie, was insbesondere an seinen starken antizipativen Fähigkeiten liegt. Pro 90 Minuten fängt er nämlich 7,44 Pässe ab. Am Samstag kommt es zum direkten Duell mit Keita. Gegen diesen kommt es jedoch aufgrund seiner neuen Spielanlage mehr auf die Fähigkeiten im Zweikampf an.

Alexander Semeliker, abseits.at

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Alexander Semeliker

@axlsem