Red Bull Salzburg tätigte im Sommer bisher einige potenzielle Top-Transfers, die wir bereits ausführlich analysiert haben. Dabei fokussierten sich die Verantwortlichen fast ausschließlich auf... Vier junge Optionen: Wer besetzt die Sechserposition bei Red Bull Salzburg?
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_Oscar Garcia - Red Bull SalzburgRed Bull Salzburg tätigte im Sommer bisher einige potenzielle Top-Transfers, die wir bereits ausführlich analysiert haben. Dabei fokussierten sich die Verantwortlichen fast ausschließlich auf Spieler für die Offensive. Unter anderem wurde kein Spieler fürs defensive Mittelfeld geholt – eine Schlüsselposition im modernen Fußball.

Die Rolle des defensiven Mittelfeldspieler ist wohl die anspruchsvollste im Fußball, denn als solcher ist man sowohl für die spielerische Entlastung der Verteidiger, als auch für die Rückendeckung sowie Unterstützung der offensiven Spieler zuständig. Viel Erfahrung und Routine kann daher als Sechser extrem hilfreich sein. Umso bemerkenswerter ist, dass Red Bull Salzburg für diese Rolle quasi nur sehr junge und unerfahrene Optionen hat. Wir nehmen die vier Kandidaten unter die Lupe.

Bernardo – 21 Jahre, 749 Bundesligaminuten

Im Frühjahr unter Oscar Garcia bekleidete Bernardo die Sechserposition am häufigsten. Der Brasilianer kam ebenso wie sein Trainer im Winter neu nach Salzburg und etablierte sich sofort im Zentrum. Zwischenzeitlich agierte der 21-Jährige sogar als nomineller Zehner, wodurch die Salzburger im Pressing sehr stark waren. Im Ballbesitzspiel war er hingegen stets sehr zurückhaltend und zuweilen auch unsauber beim Passen sowie Freilaufen. Gerade im Umschaltspiel war das für sein Team etwas hemmend. Die nachstehende Radargrafik verdeutlicht nochmal, wo seine Stärken liegen.

Die erwähnten Mängel im Spiel mit dem Ball erkennt man hier an der vergleichsweise niedrigen Anzahl an Pässen, was bedeutet, dass er trotz seiner tiefen Position relativ selten die erste Instanz im Spielaufbau war. Dies wird durch den relativ flachen Passwinkel, der ein Maß dafür ist, wie häufig jemand in die Tiefe spielt, unterstrichen. Auch seine Passquote spricht ihm keine besonders hohe Kompetenz am Ball aus.

Betrachtet man hingegen die defensiven Disziplinen, dann war in der abgelaufenen Saison kein anderer defensiver Mittelfeld so ausgeglichen und stark wie Bernardo. Gerade weil die Salzburger sehr kombinationsstarke Neuzugänge präsentierten – etwa Wanderson für den Flügel oder Marc Rzatkowski fürs Zentrum – scheint der Brasilianer die wahrscheinlichste Option zu sein. Mit seiner Defensivstärke könnte er die vermutlich sehr offensive Besetzung etwas balancieren. Allerdings hatte er in der Vorbereitung von allen hier vorgestellten Spielern die kürzeste Einsatzzeit.

Konrad Laimer – 19 Jahre, 1.558 Bundesligaminuten

Ein Spieler, von dem Garcia offenbar ebenfalls sehr viel hält und der in den Plänen des Spaniers eine große Rolle spielen dürfte, ist Konrad Laimer. Dem ÖFB-Nachwuchsteamspieler wurde trotz des personellen Überangebots im Salzburger Kader sogar die Freigabe für die U19-EM verweigert. Der 19-Jährige ist unter den vier Sechser-Kandidaten auch derjenige mit den meisten Einsatzminuten in der Bundesliga. Allerdings ist Laimer als Sechser nur für bestimmte Ausrichtungen geeignet.

Wie man anhand seiner Radargrafik erkennt und wie wir vor einiger Zeit bereits erläutert haben ist Laimer ein sehr dynamischer Spieler, der ständig den Weg nach vorne sucht. Sein Bewegungsspiel wirkt trotz seines jungen Alters sehr ausgereift und überlegt, sodass er oft in den richtigen Zonen auftaucht. Allerdings wirkt er vor allem im technischen Bereich am Ball meist ungestüm und neigt zu überhasteten Aktionen, sodass seine Fehlpassquote sehr hoch ist.

Gerade als Sechser sind meist Spieler gefragt, die gegebenenfalls auch einmal das Tempo aus dem Spiel nehmen können und vor allem in der eigenen Hälfte sehr sichere Zuspiele liefern. Insbesondere bei den Salzburgern, die mit einer sehr hohen Abwehrlinie spielen, ist das eine wichtige Komponente. Kommt in dem Moment, wenn die Mitspieler aufrücken wollen, ein Fehlpass, hat der Gegner eine sehr gute Möglichkeit zum Kontern. Als alleiniger Stabilisator ist Laimer aktuell also nicht geeignet, doch er hat bereits gezeigt, dass er auf der Doppelsechs gemeinsam mit einem ebenfalls dynamischen Nebenmann wirkungsvoll sein kann.

Diadie Samassekou – 20 Jahre, 0 Bundesligaminuten

Die meiste Einsatzzeit in der Vorbereitung unter den hier angeführten Spielern kann überraschenderweise derjenige vorweisen, der für die erste Mannschaft der roten Bullen bisher noch keine einzige Minute am Rasen stand: Diadie Samassekou. Er kam im letzten Sommer aus seinem Heimatland Mali und wurde in der abgelaufenen Saison beim FC Liefering in der Sky Go Erste Liga eingesetzt.

Was für ein Spielertyp der 20-Jährige ist, lässt sich wiederrum anhand der nachstehenden Grafik ableiten. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass sich die angegebenen Daten nicht auf die jeweils höchsten bzw. niedrigsten Werten der Bundesliga beziehen, sondern auf jene der Sky Go Erste Liga.

Auf den ersten Blick scheint Samassekou gewissermaßen ein hybrider Spielertyp aus Bernardo und Laimer zu sein. Weder bei der Anzahl an Pässen, noch bei den Erfolgsquoten und der Passrichtung schneidet er schlechter als seine beiden Mitspieler ab. Die Häufigkeit und Verteilung seiner Defensivaktionen zeigt zudem, dass er den Ball sowohl kontrolliert erobern kann, als auch in brenzligen Situationen einschreitet und „ausputzt“ wenn es sein muss.

Inwiefern und wie konstant er dies auch in der höchsten Spielklasse zeigen kann wird sich weisen. Ob er es kurzfristig – also schon in den nächsten Wochen –  in die Startelf schafft ist zweifelhaft, für die kommende Saison sollte man den Youngster aber auf jeden Fall im Auge behalten.

Dayot Upamecano – 17 Jahre, 180 Bundesligaminuten

Der letzte Spieler, der aufgrund der Testspiele als Kandidat für die Sechserposition gilt, ist mit Dayot Upamecano das wohl größte Talent im Kader der Salzburger. Beim Kampf um den französischen Nachwuchsteamspieler stachen die Salzburger letztes Jahr namhafte Mitbewerber aus. In der der letzten Saison durfte er in zwei Bundesligaspielen in der Innenverteidigung mitwirken und zeigte dabei sehr solide Leistungen. Wurde er nicht für die erste Mannschaft gebraucht, so spielte er für Liefering eine Liga tiefer – allerdings in der Innenverteidigung, was den Vergleich seiner Leistungsdaten mit jenen der anderen schwierig gestaltet.

Upamecano hat aufgrund seiner Rolle als Innenverteidiger naturgemäß eine sehr hohe Anzahl an klärenden Aktionen im Vergleich zu defensiven Mittelfeldspielern. Auch sein Passwinkel ist mit Vorsicht zu genießen, denn aus dem Abwehrzentrum spielt man nun mal häufiger nach vorne als aus dem defensiven Mittelfeld. Dennoch lassen sich zwei sehr markante Punkte aus dem Diagramm ablesen. Einerseits erkennt man den sehr proaktiven Spielstil des 17-Jährigen darin, dass er den Großteil seiner Balleroberungen durch abgefangene Bälle erreicht. Das ermöglicht ein aussichtsreicheres Umschalten, da er sofort Kontrolle über den Ball hat.

Auf der anderen Seite sticht seine hohe Fehlpassquote ins Auge. Auch hier haben Innenverteidiger in aller Regel niedrigere Werte als defensive Mittelfeldspieler, weil sie weniger Gegnerdruck und daher mehr Zeit am Ball haben. Upamecano ist einerseits ein Spieler, der das Selbstvertrauen und die Anlagen dazu hat, die Linien des Gegners mit Vertikalpässen zu brechen. Dabei unterlaufen gerade einem jungen Spieler öfter mal Fehlpässe. Allerdings neigte in der letzten Saison auch immer wieder zu katastrophalen und leicht zu vermeidenden Fehlern, die teilweise in Toren mündeten. Erst wenn er diese Nachlässigkeiten abgestellt hat, wird Garcia wohl dauerhaft auf das Juwel zurückgreifen.

Alexander Semeliker, abseits.at

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Alexander Semeliker

@axlsem