Im ersten Bundesligaspiel nach der Winterpause traf Tabellenführer Red Bull Salzburg auswärts auf den Letzten aus Wiener Neustadt. Die Rollen waren vor dem Spiel... Wiener Neustadt presst gut mit, verliert aber trotzdem – Soriano erneut Salzburgs Matchwinner
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Jonathan Soriano (Red Bull Salzburg)Im ersten Bundesligaspiel nach der Winterpause traf Tabellenführer Red Bull Salzburg auswärts auf den Letzten aus Wiener Neustadt. Die Rollen waren vor dem Spiel klar verteilt, auch weil der Titelverteidiger in den letzten Jahren kaum Probleme mit den Nachzüglern hatten. In diesem Spiel mussten die Salzburger aber hart arbeiten.

Der SC Wiener Neustadt musste in den letzten Spielen gegen Red Bull Salzburg schon einige herbe Niederlagen hinnehmen. Zum Auftakt der Frühjahrssaison zeigten sich die Wiener Neustädter aber taktisch sehr gut, hielten das Spiel die gesamte erste Halbzeit offen. Erst ein Freistoßtor von Jonatan Soriano brach den Bann zugunsten des amtierenden Doublesiegers. Am Ende gewann er mit 2:0.

4-4-2-Duell mit zwei Winterneuzugängen

Bei den Salzburgern stellte sich nach den Abgängen von Alan und Kevin Kampl in der Winterpause die Frage, wie sie darauf reagieren würden – sowohl personell, als auch formativ. Nachdem die Bullen im Herbst mit einem 4-3-1-2 zurück in die Spur fanden, wurde im Winter wieder das 4-2-2-2, das man davor praktizierte, forciert. Winterneuzugang Takumi Minamino rückte dafür in die Startformation und begann auf der rechten Seite. Im Laufe des Spiels kam es aber immer wieder zu Rochaden mit Massimo Bruno, der links spielte. Im Sturm bekam Marcel Sabitzer den Vorzug gegenüber Marco Djuricin.

Die Wiener Neustädter hielten sich am Wintertransfermarkt eher zurück und holten nur drei neue Spieler. Einer von ihnen stand in der Startelf: der Schwede Philip Hellquist. Er begann im Angriff neben Herbert Rauter. Die beiden Stürmer lauerten immer wieder gut auf lange Befreiungspässe. Zudem gab es eine weitere interessante Umstellung von Helgi Kolvidsson: Tobias Kainz, im Herbst noch im Mittelfeld kaum zum Zug gekommen, spielte als Rechtsverteidiger.

Salzburg mit gewohnten Pressing- und Angriffsmustern

Spieler kommen und gehen, die Spielphilosophie bleibt bei Red Bull Salzburg hingegen gleich – und auch die taktischen Abläufe. In einzelnen Aspekten unterschieden sie sich in diesem Spiel jedoch. Die beiden Flügelspieler rückten wieder oft ein, jedoch übernahmen Bruno und Minamino anders als Kampl und Sadio Mane weniger spielerische Aufgaben, gingen weniger Dribblings ein. Sie positionierten sich im Kombinationsspiel situativ höher und stellten so entweder eine 3-3-4- oder eine asymmetrische 3-4-3-Staffelungen her. Die Außenverteidiger rückten ins zweite Drittel auf und Stefan Ilsanker kippte in gewohnter Weise vor die Innenverteidiger ab.

Durch das diagonale Einrücken der Flügelspieler wollten die Salzburger damit vermutlich die Viererkette der Wiener Neustädter nach hinten drängen und den Zwischenlinienraum vergrößern, womit diese im Herbst oft Probleme hatten. In diesem Spiel reagierten sie aber gut darauf. Die Mittelfeldspieler standen positionstreuer, was aufgrund des trägen Aufbauspiels der Salzburger selten ein Problem war. Die Innenverteidiger standen nämlich relativ tief, sodass die beiden Wiener Neustädter Stürmer das Spiel nach außen leiten konnten, wo die Außenspieler kaum konstruktiv in Tiefe spielen konnte.

Gute Konteransätze von Innenverteidigern erstickt

In solchen Fällen diente den Salzburgern in der Vergangenheit oft ihr starkes Gegenpressing als Dosenöffner. Unter Adi Hütter wirkt dieses jedoch weniger strukturiert als unter seinem Vorgänger, was man auch in diesem Spiel sah. Es wurde zwar kollektiv ballseitig verschoben, jedoch fehlten teilweise die Absicherungsmechanismen, sodass Wiener Neustadt seine Stürmer mit Steilpässen einsetzen konnte. Diese wichen dafür auf die Seiten hinter die aufgerückten Außenverteidiger aus und versuchten so ihren Körper zwischen Ball und Gegenspieler zu bekommen. Da die Salzburger Innenverteidiger jedoch sehr gut antizipierten blieben diese guten Ansätze ohne Erfolg.

Auch Wiener Neustadt kann Gegenpressing

Dass das Gegenpressing der Salzburger zuweilen weniger durchschlagskräftig wirkte, lag aber auch an den Gastgebern, die überraschend mutig auftraten. In der Vergangenheit wurde ihnen das – ebenso wie ein ängstliches Zurückziehen – zwar schon einmal zum Verhängnis, in diesem Duell war ihr Spiel gegen den Ball jedoch strukturierter. Zuweilen ließ man den Salzburgern zwischen Mittelfeld- und Angriffslinie viel Platz, sodass diese schlechte Befreiungsversuche stoppen und prompt retournieren konnten. Dieses Defizit machten sie aber durch ein gut abgestimmtes und leidenschaftliches Gegenpressing wieder wett.

Im obigen Video sieht man ein Beispiel für die oben erwähnten Abläufe. Die Wiener Neustädter ziehen sich zunächst weit zurück, Salzburg will über die Seiten in den Zwischenlinienraum kommen. Das Mittelfeld der Gastgeber verschiebt ballorientiert, wodurch der Pass ins Zentrum verhindert wird, aber der Abpraller landet wieder bei den Gästen. Anschließend ordnen sich die Wiener Neustädter wieder und verhindern erneut den Pass in die Tiefe. Über den zurückfallenden Stürmer können sie sich befreien und hätten die Chance auf der Seite durchzubrechen, werden aber von Salzburg mit einem Foul gestoppt.

Sorianos Freistoßtor zerstört Struktur

Auch wenn die Statistiken zur Halbzeitpause vernichtend wirkten (3:11 Schüsse, 1:6 Schüsse auf das Tor oder nur 41% Passgenauigkeit) so konnten die Wiener Neustädter ihren Gegner weitestgehend in Schach halten. Auch zu Beginn der zweiten Hälften war dies der Fall, ehe Soriano mit seiner außergewöhnlichen Freistoßtechnik den Führungstreffer erzielte. Mit diesem waren auch die guten Strukturen aufseiten des SCWN dahin und sie fielen in alte Muster zurück. Die Abstände wurden größer, was die Salzburger gerne annahmen und viele Torchancen kreierten. Soriano erzielte später noch das 2:0 und hält nun nach 13 Spielen gegen Wiener Neustadt bei 21 Toren – eine unglaubliche Quote.

Alexander Semeliker, abseits.at

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Alexander Semeliker

@axlsem