Das erste WM-Qualifikationsspiel ist vorbei und Österreich rettete nach einer spannenden Schlussphase die wichtigen drei Punkte über die Zeit. Wir haben das Spiel für... Analyse: Österreichs Auswärtssieg in Georgien
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_Marc Janko - ÖFB, ÖsterreichDas erste WM-Qualifikationsspiel ist vorbei und Österreich rettete nach einer spannenden Schlussphase die wichtigen drei Punkte über die Zeit. Wir haben das Spiel für euch genauer analysiert.

Prinzipielle Ausrichtungen

Österreich agierte im Mittelfeldpressing im 4-4-2 und hatte als Priorität die Mitte zuzustellen und Verbindungsmöglichkeiten innerhalb der georgischen Mannschaft zu unterbrechen, was sehr gut gelang. Meist mussten die Georgier recht bald zum hohen Ball greifen. Wurde der Tormann früh angelaufen, dann tat dies einer der beiden Stürmer und es entstanden immer wieder 4-2-3-1 Staffelungen. Gegen die immer wiederkehrenden hohen Bälle der Georgier schien man gut gewappnet, das Timing der Viererkette beim Zurückfallen war stets gut, ganz abgesehen davon, dass Hinteregger und Dragovic gute Kopfballspieler sind.

Im Aufbau hatte Österreich ein paar Varianten, die den Spielvortrag übers Zentrum möglich machen sollten. Zuallererst postierten sich Baumgartlinger und Alaba als Doppelsechs vor der Abwehrkette, um so die Bälle zu empfangen. Wenn dies durch das Pressing der Georgier nicht möglich war, dann kippte Alaba oft links ab, während Markus Suttner hoch stand. Suttner hätte in diesen Situationen jedoch durchaus höher schieben können und sollen, damit die Breite besser besetzt und sich Arnautovic effektiver in den Halbraum hätte bewegen können.

Eine weitere Variante sind Martin Hintereggers Vertikalpässen in den Zwischenlinienraum. Die Georgier pressten sehr mannorientiert, was sie unkompakt werden ließ, sodass scharfe, flache Pässe ein geeignetes Mittel waren.. Hinteregger beherrscht diese Pässe im Nationalteam wie kein Zweiter, weshalb diese Variante auch oft angewandt wurde. So hatte man nämlich mehr Präsenz im Mittelfeld, als wenn Baumgartlinger und Alaba sich tief zurückfallen lassen.

Georgien verteidigte recht strikt mannorientiert im 4-4-1-1 und die Spieler verfolgten die Österreicher sehr weit. Durch die variablen Bewegungen von Alaba und Baumgartlinger, sowie den hohen Außenverteidigern, fanden sich die Georgier oft in unkompakten Staffelungen wieder, was durch die Vertikalpässen von Hinteregger und Alaba ausgenutzt wurde. Viele Löcher entstanden vor allem im georgischen Mittelfeld, zudem ließ sich die Abwehrreihe leicht von den Offensivspielern Österreichs tief binden und so entstand immer wieder ein großer Zwischenlinienraum, der einfach zu bespielen war.

Im Aufbau war Georgien nur bedingt flexibel, meist setzte man sich auf einer Seite fest und machte es Österreich recht einfach den Ball wieder zu erlangen. Schon bei den ersten Pässen fehlten die Verbindungen in die Mitte, weshalb man oft über die sich tiefer anbietenden Außenverteidiger aufbaute. Dies ermöglicht natürlich weniger Präsenz im Zentrum, wenngleich sich die Georgier in einigen wenigen Situationen durchaus ansehnlich, jedoch eher improvisiert, aus der Situation herausspielen konnten. Meist spielte man von hinten heraus jedoch sowieso hohe Bälle und versuchte sich durch Gegenpressing vorne festzusetzen und Angriffe zu starten, was jedoch nur mäßig gelang.

Österreich mit kontrollierter Direktheit

Durch die oben bereits erwähnten Aufbaumechanismen konnten die Österreicher oft in Ruhe den Ball für die ersten Pässe zirkulieren lassen und hatte erst ab der Mittellinie mit wirklicher Gegenwehr zu rechnen. Diese umspielte man einerseits mit Vertikalpässen auf den immer wieder sich im Zentrum anbietenden Arnautovic. Der England-Legionär rückte noch mehr ein als gewöhnlich, was wahrscheinlich an der Rolle von Junuzovic lag, der oft als zweiter Stürmer auf einer Höhe mit Mark Janko agierte und der Zehnerraum somit oft unbesetzt war.  Arnautovic füllte diesen Raum jedoch immer wieder dynamisch aus.

Ebenfalls viel genutzt wurden hohe Bälle von Alaba in die Spitze. Diese kamen sogar recht oft vor, man schien ein sehr direktes Spiel gegen die Georgier aufziehen zu wollen. Auch seine Mitspieler in der Offensive forderten immer wieder sichtlich diese Zuspiele.

Den Georgiern gelang über weite Strecken nichts Kollektives, weder in der Offensive, noch in der Defensive. Ihr reaktives, mannorientiertes Pressing war immer wieder leicht durch Rochaden aufzuheben, weshalb auch die Vertikalpässe der Österreicher so gut funktionierten. Immer wieder wurde das Zentrum entblößt, weil sich die zentralen Mittelfeldspieler der Georgier zu weit wegziehen ließen von dynamisch bewegenden Österreichern im Halbraum. Die georgische Abwehrkette stand ebenso zu tief und ließ sich von den recht hohen Positionierungen von Junuzovic, Janko und Harnik recht einfach binden.

Mit Führung im Rücken dominanter

In Minute 16 ging man durch einem Hinteregger-Kopfball nach einer Freistoßflanke von Alaba recht früh in Führung, Teamchef Koller signalisierte jedoch gleich, dass man weiterhin Druck machen möchte. Dies gelang auch ausreichend, Georgien behielt die Probleme im Ballbesitz bei. Ansätze von Gefährlichkeit zeigte man jedoch, wenn man sich durch Gewinn des zweiten Balles vorne für kurze Zeit festsetzen konnte. Hier zeigte sich die individuelle Qualität von Stürmer Dvalishvili und Rechtsaußen Jigauri, die durch gute Ballbehandlung immer wieder das Spielgerät halten und auf die Seiten für Hereingaben bringen konnten. Auch Kazaishvili zeigte sich immer wieder auffällig durch zurückfallende Bewegungen und half mit eine sehr unsaubere Zirkulation zumindest etwas sauberer zu machen.

Als Pluspunkt auf ihrer Seite hatten die Gastgeber ebenfalls ihre Intensität, die sie an den Tag legten. Strukturelle Probleme konnten sie durch viel Laufarbeit und Einsatz vor allem im Gegenpressing einige Male ausgleichen, obwohl die Österreicher auch im Nachsetzen nach Ballverlust noch überlegen waren. Auch in der Offensive zeigte sich diese georgische Intensität, man spielte sehr direkt und versuchte viel in einem hohen Tempo zu kreieren, Meist mit Dribblings. Wie bereits erwähnt fehlte offensiv wie defensiv jedoch die Struktur, weshalb man im Aufbau oft früh durch schlechte Körperpositionen bei der Mitnahme oder zu engen oder zu weiten Verbindungen zueinander in Probleme geriet. Es gab Pressingtrigger en masse an diesem Tag für die österreichische Nationalmannschaft. Kurz vor der Halbzeit fiel das 2:0 für die Österreicher, als Junuzovic nach einem hohen Pass den zweiten Ball gewann und Arnautovic auf der Seite anspielte. Dieser setzte sich innerhalb des Strafraums (übrigens eine der wenigen Positionen, von denen aus Flanken wirklich effektiv sein können) durch und flankte zu Janko, der frei zum 2:0 einnicken konnte.

Georgien mit Anpassung

Die Hausherren spielten statt mit einem 4-2-3-1 in der Offensive nun mit einem 4-1-3-2, wo Daushvili den alleinigen Sechser gab, wenngleich sich Kashia, der nun eher als tiefer Zehner agierte,oft auch immer wieder in den Sechserraum zurückbewegte. In Minute 55 hatte Janko die große Chance auf 3:0 zu erhöhen, alleine vor dem Torwart vergab er jedoch.

Die engere Mittelfeldreihe der Gastgeber ermöglichte bessere Verbindungen untereinander im Ballbesitz, zudem erhöhte sich die Kompaktheit im Pressing. Zuvor konnten die Österreicher noch immer wieder mit Vertikalpässen auf vereinzelt zurückfallende Spieler aus der vorderen Reihe der 4-2-4 Offensivstaffelung nach vorne kommen, so wurde dies zusehends schwieriger und man griff noch mehr auf hohe Bälle zurück, die jedoch recht einfach zu verteidigen waren. Österreich fehlte nun die flexible Bewegung sowie auch die Quantität im Mittelfeldzentrum. Im bisherigen 4-2-3-1 wurde noch viel zwischen den beiden Sechsern und dem Zehner rochiert, dies geschah nun gar nicht mehr und das Aufbauspiel wurde starr und für die Mannorientierungen der Georgier leicht zu greifen.

Der Anschlusstreffer und die Abwehrschlacht

Zwar ergab sich keine Chancenfülle für die Mannen vom slowakischen Trainer Vladimir Weiss, jedoch konnte man den Ball effektiver nach vorne bringen und hatte insgesamt mehr vom Spiel als in den ersten 45 Minuten.

Durch die Hereinnahme von Schöpf erhoffte sich Koller wahrscheinlich eine strukturelle Veränderung, Schöpf agierte nun ein Stück tiefer als Junuzovic zuvor. Wenig später kam Sabitzer für Harnik, ein weniger direkter Spieler als der  Hannover-Legionär. Schöpfs kombinative Art schien bereits früh Früchte zu tragen, er zeigte wie immer gute unterstützende Bewegungen. Da das Pressing der Georgier jedoch höher und intensiver wurde, gelang den österreichischen Aufbauspieler der Ballvortrag immer schwieriger. Auch die Einwechslung vom jungen Michael Gregoritsch sollte zu einer zunehmenden Fluidität beitragen. Schnell ließen sich leichte Ansätze der Verbesserung merken.

Doch genau in dieser Phase der Verbesserung fiel das 1:2 der Georgier, Ananidze konnte in Minute 78 aus einem Weitschuss den Anschlusstreffer erzielen. Schon zuvor agierten die Österreicher zu mannorientiert und zu passiv im Pressing, dies zeigte sich in dieser Szene, als der Spieler von Spartak Moskau freistehend aus zentraler Position abschließen konnte. Die Georgier witterten nun einen möglichen Punkt und warfen zusehends alles nach vorne, es entstand eine schmutzige Abwehrschlacht vonseiten der Österreicher, die einfach versuchten das Schlimmste zu verhindern und mit vielen Spielern das eigene Tor verteidigten. Hierbei forcierten sich die zuvor gezeigten Unsauberkeiten jedoch nur noch mehr, man hatte deutliche Orientierungsprobleme. Weshalb es diese Orientierungsprobleme gab, ist jedoch nicht ohne Einblick in die Trainingsarbeit zu sagen. Von Hektik, Unsicherheit oder dergleichen zu sprechen wäre nur Spekulation. Mit viel Einsatz und georgischem Unvermögen rettete die Nationalelf die Führung über die Zeit.

Fazit

Nichts Glorreiches, aber immerhin in der ersten Halbzeit nutzte man effektiv die Schwächen des Gegners. Als es Zeit war für eine Anpassung wechselte Koller gleich drei Spieler ein. Auf dem ersten Blick wechselte man zwar „nur“ positionsgetreu, jedoch brachten jeweils Schöpf, Gregoritsch und Sabitzer andere, vor allem kombinativere Qualitäten mit als ihre vorhin ausgewechselten Mitspieler.. Die Behauptung, Koller hätte einmal mehr nicht auf Anpassungen reagiert, möchte der Autor nicht unterstützen.

David Goigitzer, abseits.at

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David Goigitzer

  • Michael Rudolf

    Ist nicht auch Sabitzer ein sehr unkombinativer in den Mann Reinläufer? Kombinativer hätte ich mir gestern schreiend gewünscht – aber halt zb mit Schaub oder Schöpf am Flügel?