Otto Fodrek musste in seinem Leben viel ertragen: Die Armut und Inflation nach 1918, den zweiten Weltkrieg, die darauffolgende Besatzungszeit, den anschließenden gesellschafspolitischen Umbruch.... Anekdote zum Sonntag (48) –  Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr…
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Retro FußballOtto Fodrek musste in seinem Leben viel ertragen: Die Armut und Inflation nach 1918, den zweiten Weltkrieg, die darauffolgende Besatzungszeit, den anschließenden gesellschafspolitischen Umbruch. Doch österreichische Sportjournalisten ins Ausland zu begleiten gehörte zu den unangenehmsten Erfahrungen seines Lebens.

Spaß beiseite. In Wahrheit konnte Fodrek gut damit leben, dass ihn die vermeintlichen Experten gelegentlich auf dem Kieker hatten. Immer wenn es seine Zeit zuließ fuhr Stopperl mit den rot-weiß-roten Fußballreportern zu internationalen Spielen. Dabei machten sich die Schreiberlinge oft einen Spaß daraus den Ex-Profi zu sekkieren: Fodrek, das Opferlamm von Koryphäen, wie dem Multitalent Pepi Argauer, dem 2013 verstorbenen Ferry Wimmer, Josef Strabl, der Rapids Sieg über Schalke 1941 live mitkommentiert hatte oder Sport-Schau-Leiter Franz Fahrensteiner. Die WAC-Legende war als fachmännische Unterstützung an Bord und als Einziger, der sich „wirklich“ auskannte, wurde keine Gelegenheit ausgelassen ihn auf den Arm zu nehmen. Fodrek, der genug Herz und Hirn hatte, ertrug jede Blödelei mit einer gehörigen Portion Stoizismus.

Einmal fuhren die versammelten Österreicher mit dem Zug nach Basel. Dort musste der gesamte Tross umsteigen und der selbsternannte Reiseleiter Stecewics – seines Zeichens ÖFB-Pressereferent und Sportressortchef bei sämtlichen Blättern – fragte in die Runde: „Wer war schon einmal in Basel?“. Fodrek meldete sich erwartungsvoll, hoffte er doch als kleiner-großer Zampano von nun an die Gruppe durch die Stadt zu führen. Stecewics machte seine Träume jedoch postwendend zunichte: „Sehr gut! Du bleibst da und passt aufs Gepäck auf, unser Anschlusszug kommt nämlich erst in zwei Stunden!“ Schallendes Gelächter.

Es war nicht das einzige Mal, dass der arme Stopperl unwissend in einen Fettnapf stolperte: Eine andere Begebenheit trug sich in Luxemburg zu, wo ein Auswärtsmatch am Programm stand. Die Journalisten reisten an und übernachteten im Großherzogtum. So mancher teilte sein Bett diese Nacht mit einem Clown, denn in aller Herrgottsfrüh saß einigen Reportern bereits der Schalk im Nacken. Als Stopperl verspätet beim Frühstück erschien, bekam er im wahrsten Sinne des Wortes sein Fett weg: In sein volles Kaffeehäferl rührten ihm die witzigen Brüder statt des üblichen Schlagobers eine heimische Streichkäsespezialität. Geschmacksrichtung: Pikant-feurig. Nach den ersten Schlucken fragten sie herausfordernd: „Und wie schmeckt‘s?“ Fodrek ließ sich nicht lumpen. Er verzog keine Miene: „Gar nicht so schlecht.“ Schleckerbatzl! Ein Fodrek lässt sich eben nicht so leicht unterkriegen und nicht nur für ihn – der genug Spaß versteht – wurden diese Reisen im Rückblick zu wunderschönen Erinnerungen.

Marie Samstag, abseits.at

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Marie Samstag