Das Viertelfinale der Champions League ist beendet und die Halbfinalteilnehmer stehen fest. Trotz der im Vorfeld scheinbar klaren Favoritenstellung zeigte der Fußball mal wieder... „Götterdämmerung“ – Rückblick auf das Viertelfinale der Champions League
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Champions League Pokal_abseits.atDas Viertelfinale der Champions League ist beendet und die Halbfinalteilnehmer stehen fest. Trotz der im Vorfeld scheinbar klaren Favoritenstellung zeigte der Fußball mal wieder seine Überraschungsei-Seite und trotzte somit dem drohenden Determinismus in der Königsklasse. Was fiel auf? Wer waren die entscheidenden Akteure? Ein Rück- und Ausblick.

Das fiel auf

Besonders auffällig in der Runde der letzten Acht war die Tatsache, wie schwer sich die Favoriten taten. Real Madrid stand nach einem überheblichen Auftritt im Hinspiel gegen den VfL Wolfsburg mit dem Rücken zur Wand. Dank einer überragenden Einzelleistung von Cristiano Ronaldo im Rückspiel, konnten die Königlichen doch noch das Ticket für das Halbfinale buchen. Die teilweise arroganten Reaktionen, insbesondere von Ronaldo, nach dem 3:0-Sieg sprachen jedoch nicht für die Madrilenen. Der Gegner Wolfsburg zeigte sich zu ängstlich, um im Bernabeu etwas zu reißen. Gerade in den ersten zwanzig Minuten des Rückspiels zeigte sich die auf diesem Niveau fehlende Erfahrung der Niedersachsen. Beim dritten Treffer von Ronaldo hatte der VfL zudem Pech, da der Ball wie abgemessen durch eine 22cm kleine Lücke in der Freistoßmauer ins Tor flog. „Das Glück erzwingen“ wie man so schön sagt, konnten die Wölfe zum Ende des Spiels nicht mehr, dazu waren die erfahrenen Akteure von Real Madrid zu abgezockt.

Auch der FC Bayern hatte einige Probleme mit einem taktisch und defensiv sehr disziplinierten Benfica Lissabon. Die Messlatte für die Münchner wird aber vor allem durch die deutsche Presse in irrwitzige Höhen geschraubt. Einen Gegner wie Benfica müssen die Bayern scheinbar im Vorbeigehen abfrühstücken und das am besten auch noch mit fünf Toren unterschied. Dies ist in erster Linie respektlos Benfica gegenüber. Der portugiesische Rekordmeister verlangte seinem deutschen Pendant alles ab und zeigte, dass er beileibe keine Laufkundschaft ist. Das Defensivspiel im Hin-und Rückspiel war auf allerhöchstem Niveau, wobei das Team von Rui Vitória nach dem Ausgleich im Rückspiel etwas die Ordnung verlor, was die Bayern eiskalt ausnutzten. Der Star des Rückspiel-Abends waren aber die Benfica-Fans, die das Estadio La Luz in einen Hexenkessel verwandelten und eine auch durch das TV-Gerät hörbare, unfassbare Lautstärke erzeugten.

Im so genannten „El Cashico“ zwischen Manchester City und Paris St. Germain zeigten die favorisierten Franzosen in beiden Spielen eine leblose Leistung. Der französische Hauptstadtclub scheidet somit völlig verdient zum bereits vierten Mal in Folge im Viertelfinale aus. Damit sinken natürlich die Chancen Superstar Zlatan Ibrahimovic zu einer Vertragsverlängerung zu bewegen. Dieser kritisierte nach dem Spiel auch öffentlich die Taktik von Trainer Laurent Blanc, auf den ungemütliche Zeiten zukommen werden. Überraschenderweise gab die defensive Disziplin von Man City, vom ersten Gegentor im Hinspiel einmal abgesehen, den Ausschlag für die erstmalige Halbfinalteilnahme der Engländer. Allerdings präsentierte sich die Offensive von PSG in beiden Spielen erschreckend schwach. Für die „Citizens“ gaben Torhüter Joe Hart und Kevin de Bruyne den Ausschlag für das Weiterkommen.

Die größte Überraschung bzw. das größte Mysterium im europäischen Fußball stellt das Ausscheiden des FC Barcelona da. Seit dem Clasico gegen Real Madrid erlebte Barca einen unerklärlichen Leistungsabfall gegenüber der in der bisherigen Saison gezeigten Performance. Lionel Messi ist seit fünf Spielen torlos und auch seine Sturmpartner Neymar und Luis Suarez präsentierten sich in beängstigender Verfassung. Es ist wohl nicht allzu verwegen zu behaupten, dass es bei den Katalanen bald eine Trainerdiskussion geben wird, war Luis Enrique doch nie wirklich wohlgelitten im Verein. Das Triple der vergangenen Saison überdeckte wohl einige fundamentale Probleme. Wohingegen Atletico Madrid zwei starke Auftritte hinlegte. Defensiv sind die „rojiblancos“ derzeit wohl die beste Mannschaft Europas und in Sachen Mentalität kann sich eh niemand mit dem Simeone-Team messen. Zudem hat Atletico in Person von Antoine Griezmann einen Torjäger von Weltklasseformat in bestechender Form. Alles Faktoren, warum im Halbfinale wahrscheinlich kein Team gegen die „Colchoneros“ antreten will.

Die Protagonisten des Viertelfinales

Hier ist natürlich zuerst Cristiano Ronaldo zu nennen, der mit seinen drei Toren im Rückspiel gegen den VfL Wolfsburg sein Team alleine ins Halbfinale schoss. Man kann zu dem Portugiesen stehen wie man will, Respekt verdient seine Leistung allemal.

Respekt für seine Leistung hat sich nach schwierigem Start auch mittlerweile Arturo Vidal verdient. Der Chilene ist momentan der Chef im Münchner Mittelfeld und einer der besten Box-to-Box-Spieler der Welt. Zudem hat er gegen Benfica im Hinspiel das Tor des Tages und im Rückspiel das wichtige 1:1 erzielt. Der „kleine Krieger“ ist derzeit ein „Man on a Mission“  – er will unbedingt das verpatzte letztjährige Finale mit Juventus vergessen machen und sich mit den Bayern Europas Krone aufsetzen.

Aus der Defensive von Atletico Madrid kann kein Akteur hervorgehoben werden, das wäre schlicht und ergreifend unfair. Ob der immer noch etwas unterschätzte Torhüter Jan Oblak, Diego Godin, Rückkehrer Filipe Luis, Juanfran oder das erst 20-jährige französische Talent Lucas – alle erledigten in beiden Spielen gegen Barca einen fantastischen Job. Natürlich darf in der Offensive Antoine Griezmann nicht vergessen werden.

Nach langer Verletzungspause gab Kevin de Bruyne ein erstaunliches Comeback. Der Belgier schoss im Hinspiel gegen Paris das wichtige 1:0 und in Manchester das Tor des Tages. City sollte für die Gesundheit De Bruynes täglich zig Ave Maria beten.

Ausblick auf das Halbfinale

Im Kreise der Halbfinalisten einen klaren Favoriten auszumachen ist nach den gezeigten Leistungen im Viertelfinale quasi unmöglich. Real Madrid tat sich gegen mit Abstand schwächsten Gegner extrem schwer und wird sich nicht immer auf Ronaldo verlassen können. Die Abwehr von Manchester City zeigte zwar gegen Paris eine mehr als solide Vorstellung, könnte aber im Halbfinale schnell an ihre Grenzen stoßen. Außerdem sind De Bruyne und Aguero verletzungsanfällig. Bayern München hat wohl von der Qualität her den breitesten Kader aller Halbfinalisten und wird seinem Trainer Pep Guardiola unbedingt ein Abschiedsgeschenk machen wollen. Zudem könnten Arjen Robben und Jerome Boateng für die Halbfinalbegegnungen wieder zu Verfügung stehen, was nochmals einen Qualitätsschub bedeuten würde. Atletico Madrid ist sicher die unangenehmste Aufgabe und derzeit in starker Verfassung. Das Team von Diego Simeone ist daher mehr als nur ein Geheimfavorit auf den Gesamtsieg.

Ral, abseits.at

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