Nach dem „Vorgeplänkel“ Gruppenphase und dem Achtelfinale biegt die UEFA Champions League geradewegs von den Nebenstraßen auf den Highway Richtung Mailand ab. Um es... Road To Milan – ab heute wird’s so richtig ernst!
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Champions League Pokal_abseits.atNach dem „Vorgeplänkel“ Gruppenphase und dem Achtelfinale biegt die UEFA Champions League geradewegs von den Nebenstraßen auf den Highway Richtung Mailand ab. Um es anders zu formulieren: Jetzt geht’s erst richtig los! Mit den heute beginnenden Viertelfinalspielen ist der wohl stärkste Vereinswettbewerb der Welt nun in der entscheidenden Phase angekommen. Die gelosten Paarungen versprechen interessante Spiele und einiges an Spannung. In diesem Power Ranking werden die acht verbliebenen Teams anhand ihrer derzeitigen Form eingeordnet, beginnend mit den Teams für die im Viertelfinale höchstwahrscheinlich der Weg nach Mailand zu Ende ist.

8. – VfL Wolfsburg

Die deutliche und auch in dieser Höhe verdiente 0:3-Niederlage gegen Bayer Leverkusen am vergangenen Freitag bedeutete wohl das Ende aller Champions-League-Ambitionen der Niedersachsen. Das Team von Trainer Dieter Hecking konnte den Abgang von Superstar Kevin de Bruyne nie auch nur annähernd kompensieren. Die erfolgreiche letzte Saison stand und fiel mit dem belgischen Nationalspieler. Natürlich ist ein Spieler dieser Klasse schwer zu ersetzen, doch Hecking muss sich den Vorwurf gefallen lassen, seine drei neuen Offensivspieler Andre Schürrle, Max Kruse und Julian Draxler bis zu diesem Zeitpunkt in kein effektives System eingebunden zu haben. Für keinen der Drei hat der Trainer die jeweils richtige Position gefunden, sodass das Offensivspiel in dieser Saison die Effizienz des letzten Jahres vermissen lässt.

Zudem fiel im Spiel gegen Leverkusen auf, dass die Wölfe sich mit einem konstruktiven Spielaufbau schwer tun und Verteidiger Dante seinen Zenit überschritten hat. Dieser Transfer muss Manager Klaus Allofs als Fehleinkauf angelastet werden. Der Brasilianer sollte der international unerfahrenen Mannschaft Stabilität und Sicherheit geben, wozu er jedoch in der gesamten Saison praktisch nie der Lage war. Auch müssen sich Trainer und Manager in der Sturm – Causa Kritik gefallen lassen, da es fast schon an Fahrlässigkeit grenzte nach dem Ausfall von Bas Dost in der Winterpause keinen adäquaten Ersatz zu verpflichten sondern sich auf Niklas „Lord“ Bendtner und mit Bruno Henrique auf einen brasilianischen Zweitligaspieler zu verlassen.

Mit Real Madrid wartet nun ein Gegner, der, zieht man die Form der letzten Bundesligaspiele heran, wohl mindestens zwei Nummern zu groß ist. Der Verein sollte diese 180 Minuten Champions League genießen, werden sie doch für mindestens eine Saison die Letzten bleiben.

7. – Benfica Lissabon

Der portugiesische Rekordmeister spielt eine mehr als zufriedenstellende Saison. Man ist Tabellenführer in der heimischen Liga vor Erzrivale Sporting und steht das erste Mal seit 2012 wieder im Viertelfinale der Champions League. In der Liga gewann die Mannschaft von Trainer Rui Vitoria zuletzt mit 5:1 gegen Sporting Braga und bestätigte damit die gute Form der letzten Wochen.

Im Achtelfinale schaltete der Gewinner des Europapokals der Landesmeister von 1961 und 1962, damals unter Trainer-Legende Bela Guttmann und mit Eusebio, den russischen Vertreter Zenit St. Petersburg aus. Jedoch sind die russischen Teams zu diesem Zeitpunkt der Saison immer durch die Tatsache gehandicapt, dass sich der Spielbetrieb der heimischen Liga nach dem Kalenderjahr richtet und somit die Wettkampfpraxis fehlt. Im Viertelfinale wartet mit Bayern München sowieso ein ganz anderes Kaliber. Sicherlich ist eine Mannschaft mit der Qualität von Benfica auch in diesem Vergleich nicht komplett chancenlos, auf ein Weiterkommen würden aber wohl nur die Verwegenen setzen.

Der Star der Mannschaft ist der Brasilianer Jonas, der bereits 30 Ligatore erzielen konnte und damit die Torjägerliste in Portugal anführt. Dieser fühlt sich besonders wohl als hängende Spitze hinter dem griechischen Stoßstürmer Kostas Mitroglou. Die Leihgabe vom FC Fulham hat die Erwartungen mit 17 Ligatoren bisher mehr als erfüllt. Des Weiteren ist hier natürlich der argentinische Mittelfeld-Star Nicolas Gaitan zu erwähnen, der sich trotz vieler Millionenangebote  der großen Clubs in den letzten Jahren immer wieder für einen Verbleib in Lissabon entschied. Die brasilianische Torhüterlegende Julio Cesar fällt zum Leidwesen Vitorias im Hinspiel verletzt aus.

Bayern München ist in diesem Vergleich zwar klarer Favorit, aber sie sollten gerade durch das letztjährige Viertelfinalhinspiel gegen den FC Porto vor den Konsequenzen gewarnt sein, die drohen, falls man eine portugiesische Mannschaft unterschätzt.

6. – Manchester City

Trotz des 4:0-Siegs am Wochenende gegen Bournemouth und dem Gewinn des Ligapokals gegen den FC Liverpool spielt City eine Saison zum Vergessen. Vor allem in den letzten Wochen nach der Bekanntgabe der Verpflichtung Pep Guardiolas hatte man das Gefühl, dass sich der gesamte Verein in Gedanken schon in der neuen Saison befindet und sich mit zukünftigen Ruhmestaten beschäftigt. In der Liga stehen die Citizens mit 54 Punkten auf einem enttäuschenden vierten Platz, mit bereits zwölf Punkten Rückstand auf Sensationstabellenführer Leicester City. Vor allem die Heimniederlage gegen den Stadtrivalen United vor zwei Wochen schmerzt die Fans gewaltig.

Die Rückkehr von Rekordtransfer Kevin de Bruyne gegen Bournemouth, der sich gleich mit einem  spektakulären Tor zurückmeldete, ist zwar ein Lichtblick, kann jedoch über die fundamentalen Probleme dieses Teams nicht hinwegtäuschen. Vor allem die Abwehr, von Torhüter Joe Hart abgesehen, genügt höchsten Ansprüchen bei weitem nicht. Um es polemisch auszudrücken: Jeder Abwehrverbund, in dem ein 35-jähriger Martin Demichelis noch eine tragende Rolle spielt, hat per se ein Problem. Auch der argentinische Nationalspieler Nicolas Otamendi konnte der Defensive bis dato keine Stabilität verleihen. Eine weitere Ursache der Defensivprobleme ist die Verletzungsanfälligkeit von Kapitän Vincent Kompany, der aktuell wieder ausfällt.

Die beiden Sechser Fernando und Fernandinho sind besten Falls gehobener Durchschnitt und im Angriff vertraut man darauf, dass den Individualisten, wie Kun Agüero oder Kevin de Bruyne, schon irgendwas einfallen wird. Dieser antiquierte „Heroball“ stößt vor allem in der Champions League an seine Grenzen. Es kommt also viel Arbeit auf Guardiola zu.

Gegen Dynamo Kiew setzte sich im Achtelfinale noch die individuelle Klasse von City durch, wobei vor allem das Rückspiel schwere Kost bereithielt. Paris St. Germain wird sich im Viertelfinale so sicher nicht bezwingen lassen. Die Briten gehen aufgrund der bereits geschilderten Probleme als Außenseiter in diese Partie. An guten Tagen kann die Mannschaft von Manuel Pellegrini aber jedem Gegner gefährlich werden – doch diese Tage waren 2015/16 rar gesät.

5. – Atlético Madrid

Die Kampfmaschine aus der spanischen Hauptstadt biss sich nun schon zum dritten Mal in Folge  in das Viertelfinale der Champions League durch. Die Spielweise hat sich in dieser Periode nicht wesentlich geändert. Angeführt von „Gangster“-Trainer Diego Simeone versuchen die „Colchoneros“ weiterhin den Gegner mit Kampf und schierer Physis zu überrennen. Im Achtelfinale gegen die PSV Eindhoven wirkte Atlético spielerisch arg limitiert. Ähnlich wie Manchester City verlässt man sich in der Offensive auf fußballerische Heldentaten des Franzosen Antoine Griezmann. Nach dem Verkauf von Jackson Martinez, dessen Weggang angesichts der gebotenen Summe aus China wohl wirtschaftlich alternativlos war, steht im Angriff nur noch Fernando Torres zu Verfügung, der seine besten Tage bereits hinter sich hat.

Trotzdem spielt die Simeone-Elf wieder ein sehr gute Saison. In „La Liga“ belegt Atlético den zweiten Platz und wird sich wieder direkt für die Champions League qualifizieren. Sechs Punkte Rückstand auf den FC Barcelona sind jedoch eine vermeintlich zu hohe Hypothek, um den Meisterschaftskampf noch einmal spannend zu gestalten.

Die große Stärke der Mannschaft ist auch in dieser Saison die Abwehr um Diego Godin. Nur 15 (!) Gegentore in 31 Liga-Spielen ist ein phänomenaler Wert. Es wird sich zeigen, ob diese Defensive auch den „Dreizack“ Neymar – Suarez – Messi im Viertelfinale gegen Barcelona kalt stellen kann. Wenn dies gelingt kann man Barca, wie bereits im Viertelfinale 2014, gefährlich werden.

4. – Real Madrid

Auch der 2:1-Sieg im „Clasico“ kann  über die vielen Probleme von Real Madrid in dieser Saison nicht hinwegtäuschen. Auch Zinedine Zidane hat es bisher nicht geschafft, die ideale Aufstellung  bzw. die passende Rolle für seine vielen Stars zu finden. Bedenkt man jedoch die Kürze seiner bisherigen Amtszeit, wäre es dem Franzosen gegenüber unfair, dies einzufordern.

Nach dem Abgang von Xabi Alonso wurde es in Madrid versäumt, einen zweikampfstarken Mittelfeldstrategen zu finden, wobei Casemiro  neben Toni Kroos, der eine durchwachsene Saison spielt, und Luca Modric immer besser in diese Rolle hinein findet.

Die beiden offensiven Alternativen James und Isco sind seit Wochen neben der Spur und der Transfer von Gareth Bale hat sich in dieser Saison wohl endgültig als Fehler herausgestellt. Anfangs blühte der Waliser unter Zidane noch auf, mittlerweile verschwindet er während der 90 Minuten wieder sehr oft in der Versenkung. Auch der sonst so zuverlässige Cristiano Ronaldo hat sich in dieser Saison immer mal wieder schöpferische Pausen gegönnt und wirkt in Interviews durchgehend gereizt. Die anhaltenden Spekulationen um seine Zukunft tun ihr übriges.

Positiv festzuhalten ist, dass die Querelen um seine Person dem französischen Stürmer Karim Benzema nichts auszumachen scheinen. In der Liga hat Benzema bereits 21 Tore erzielt, auch in der Königsklasse trifft er regelmäßig.

Nach dem peinlichen Aus im spanischen Pokal aufgrund der Einwechslung eines nicht gemeldeten Spielers, konnten die Königlichen auch in der Liga keine Konstanz in ihre Leistungen bringen. Folgerichtig belegt Real in der Primera Division nur den dritten Platz, mit bereits sieben Punkten Rückstand auf den designierten Meister Barcelona. Die neuerliche Trainer-Posse um Rafa Benitez sorgte wieder für einige Unruhe und ist ein weiteres Indiz dafür, dass der Verein unter Präsident Florentino Perez wohl nicht mehr zu einem seriösen Arbeitsumfeld finden wird. Wahrscheinlich will man das auch gar nicht. Dass der mit so vielen Vorschusslorbeeren gestartete Zidane ebenfalls bereits in der Kritik steht, spricht Bände.

Die Saison von Real Madrid ist nur noch mit dem Gewinn der Champions League zu retten. Dies scheint mit dieser Mannschaft und Verfassung unrealistisch zu sein. Aufgrund von Losglück haben die Madrilenen ihren Platz im Halbfinale wohl sicher. In einem Duell mit Barcelona oder Bayern München wird man aber die Segel streichen müssen.

3. – Paris St. Germain

Ibrahimovic, Ibrahimovic, Ibrahimovic. So lautete mal wieder die Torschützenliste beim 4:1-Sieg gegen Nizza am Wochenende. Dies drückt auch das Dilemma des Scheichs-Klub aus: Ohne Zlatan läuft weiterhin nicht viel zusammen. Trotz dieser Tatsache ist eine Weiterentwicklung im Spiel der Franzosen zu erkennen. Vor allem Trainer Laurent Blanc hat sich mittlerweile freigeschwommen. Ganz unumstritten wird ein Trainer bei einem Verein wie PSG wahrscheinlich nie sein. Jedoch muss der Mannschaft um ihren schwedischen Superstar eine taktische Evolution hin zu mehr Variabilität bescheinigt werden.

Vor allem die Abwehr hat sich im Vergleich zu den letzten Jahren stabilisiert. Aus David Luiz wird zwar kein „seriöser“ Verteidiger mehr werden, im Verbund mit Thiago Silva macht er seine Sache jedoch mehr als ordentlich. Der wichtigste Transfer neben Angel di Maria, der die Offensive auf ein höheres Niveau gehoben hat, ist der deutsche Torhüter Kevin Trapp. Mit ca. zehn Millionen Euro Ablöse war er ein regelrechtes Schnäppchen. Er verleiht der Defensive von PSG um einiges mehr Sicherheit und hat, z.B. im Achtelfinale gegen Chelsea, der Mannschaft schon Spiele gewonnen.

Paris ist der einzige Klub unter den letzten Acht, der die Meisterschaft bereits sicher hat. Wenn man an den FC Bayern der letzten zwei Jahre denkt, muss dies nicht unbedingt zum Vorteil gereichen. Dennoch kann der französische Hauptstadtclub seinen Fokus voll auf die Königsklasse richten. Gerade in diesem Wettbewerb wollen die Pariser ja endlich reüssieren.

Das Duell mit Manchester City ist auf dem Papier die ausgeglichenste Paarung des Viertelfinales. Taktisch, wie individuell ist man den Engländern überlegen und geht somit als leichter Favorit ins Rennen – und wenn gar nichts mehr geht, gibt es ja noch Zlatan.

2. – Bayern München

So paradox es klingen mag, aber aufgrund der Spiele gegen Juventus stehen die Bayern nicht auf Platz eins dieses Rankings, obwohl man aufgestiegen ist. Natürlich braucht man auf diesem Niveau auch Glück, aber vor allem die erste Halbzeit im Rückspiel gegen Juve hat eine Seite der Münchner präsentiert, die in dieser Saison bis dato im Verborgenen blieb. Die Bayern waren gegen das aggressive Pressing von Juventus machtlos und wirkten fast chancenlos. Diese Verwundbarkeit und Ohnmacht gegenüber der Stärke des Gegners erinnerte den deutschen Rekordmeister wahrscheinlich schmerzlich an die beiden Halbfinale der letzten Jahre gegen Barca und Real Madrid. Beunruhigend aus Münchner Sicht sollte auch die Tatsache sein, dass Juve-Trainer Allegri mit seiner Taktik im Rückspiel Guardiola klassisch auscoachte.

Jedoch haben sich die Bayern nicht dem Fatalismus ergeben, sondern am eigenen Schopf aus dem Leistungssumpf gezogen. Bis auf die ersten 60 Minuten in Turin und der zweiten Halbzeit der Verlängerung wird diese Leistung für den ganz großen Wurf aber nicht ausreichen.

Für das Viertelfinale war den Bayern das Losglück mit Benfica Lissabon holt. Dieser sollte neben Wolfsburg der Gegner sein, gegen den die Münchner noch am Ehesten auf die Dienste von Abwehrchef Jerome Boateng und Arjen Robben verzichten können. Robbens Verletzung ist mal wieder ein kleines Mysterium, er sollte aber zu einem möglichen Halbfinale wieder fit sein. Eine noch wichtigere Personalie ist für die Bayern der Gesundheitszustand von Boateng. Er wird wohl aller Voraussicht nach Mitte April wieder zur Verfügung stehen. Ohne ihn wäre es ganz schwer geworden, das weiß auch Pep Guardiola, der, so traurig und bezeichnend diese Tatsache für die deutsche Medienlandschaft ist, die Champions League wohl gewinnen muss, damit sein Wirken positiv in die Vereinsannalen eingeht.

1. – FC Barcelona

Die Niederlage gegen Real Madrid hat eines deutlich gemacht: Auch die Katalanen sind nur Menschen. Aufgrund von 39 ungeschlagenen Spielen in Serie ergaben sich daran doch temporär erhebliche Zweifel. Und noch etwas wurde in diesem Spiel deutlich: Das Defensivverhalten Barcelonas lässt weiterhin zu wünschen übrig. Gerade Javier Mascherano und Gerard Pique neigen immer wieder zu taktischen Undiszipliniertheiten. Dahinter hat Barca keine wirklichen Alternativen auf der Bank. Auch Außenverteidiger Dani Alves hat seine besten Zeiten wohl hinter sich. Das Mittelfeld mit Ivan Rakitic und vor allem Sergio Busquets kann aber in dieser Beziehung einiges auffangen.

In der Offensive ist der FC Barcelona jedoch über jeden Zweifel erhaben. Es gibt drei Gründe warum die Katalanen in diesem Ranking auf Platz eins stehen, obwohl bisher noch keine Mannschaft den Champions League – Titel verteidigen konnte: Neymar – Suarez – Messi. Allein in dieser Saison hat der sogenannte „Dreizack“ wettbewerbsübergreifend 106 Tore erzielt und greift damit seinen eigenen Fabelrekord aus der letzten Saison (122 Tore) an.

Die Frage klingt abgedroschen, aber welche Mannschaft kann dieser unglaublichen individuellen Klasse etwas entgegensetzen? Die Behauptung klingt verwegen, aber wenn diese Drei in Bestform agieren sind sie in der Lage, immer ein Tor mehr als der Gegner zu schießen –  und darauf kommt es im Fußball nun mal an.

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