Zum Ende des 5. Spieltags der Bundesliga standen sich in der zweiten Sonntagspartie die Überraschungsteams aus Leipzig und Köln gegenüber. Während Köln durch eine... 1:1 – Kein Sieger im österreichischen Trainerduell in der deutschen Bundesliga
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_Ralph Hasenhüttl - FC Ingolstadt

Zum Ende des 5. Spieltags der Bundesliga standen sich in der zweiten Sonntagspartie die Überraschungsteams aus Leipzig und Köln gegenüber. Während Köln durch eine solide Defensive und gute Konter besticht, hat sich Leipzig mit seinem Pressingfußball nun auch in der höchsten deutschen Spielklasse nach oben katapultiert, sogar der Vizemeister aus Dortmund hatte gegen die Roten Bullen das Nachsehen. Dadurch wurde dieses Spiel im Vorfeld zu einer Spitzenpartie und hielt zu großen Teilen das, was sie versprach.

Leipzig lockt die Kölner

Beide Mannschaften begannen die Partie im 4-4-2, Leipzig wie gewohnt in einer 4-2-2-2-Ausprägung mit zwei Zehnern und dem jungen Schotten Burke neben Selke im Sturm. Das bedeutete, dass Hasenhüttl auch in Leipzigs fünfter Bundesligapartie sein erfolgreiches 4-3-3 aus Ingolstadt nicht auf den Rasen brachte.

Der Spielrhythmus an sich war relativ dynamisch, beide Mannschaften boten zunächst mit dem Ball bis zum Überbrücken des Mittelfelds eine gewisse Statik, bis dann mit einem raumöffnenden Pass mehr Tempo aufgenommen wurde. Oft zu sehen waren Pässe von außen oder aus dem Halbraum in die Mitte. Gegen den Ball zogen die Aufsteiger aus dem Osten wieder ihr aggressives Offensivpressing auf, während bei den Kölnern vorne Osako und Modeste versuchten, Pässe ins Mittelfeld zu verhindern.

Einer der auffälligsten Spieler der Partie war Leipzigs Neuzugang Naby Keita, der im Aufbau meist eine zusätzliche Anspielstation bot und mit Ball am Fuß scharfe und tiefe Pässe auf die einrückenden Außenspieler gab. Ein solcher führte auch früh in der Partie zum 0:1. Abnehmer war Sabitzer, der dann die Mannorientierungen der Kölner Innenverteidiger mit einem guten Ball hinter die Abwehr durchbrach, wo der durchstartende Burke einnetzte.

Gegen den Ball hatte Keita einen großen Zugriffsradius und rückte bei Flügelangriffen oft bis nach außen heraus und zeigte sich hierbei zweikampf- und antizipationsstark. Schon bei Keitas Vorvorlage fiel auf, dass er einen potenziellen Ballverlust bewusst in Kauf genommen hatte, da sich eine günstige Position sowie Dynamik zum Gegenpressing bot.

Denn auch sonst war das der Matchplan der Aufsteiger: Den Kölnern scharfe und schwer kontrollierbare Bälle überlassen, um dann gegenzupressen. Gelegentlich lockten sie die Heimmannschaft auch heraus, indem sie durch Rückpässe ein Aufrücken der Kölner provozierten, um somit Raum hinter ihrer Abwehrkette zu schaffen, den man dann nach den langen Bällen nutzbar machen konnte. Doch zeitnah bekam die Überraschungsmannschaft aus der Domstadt Zugriff auf das Spiel.

Kölner Dominanz nach dem Ausgleich

Nach einer Fehlstaffelung der Leipziger Innenverteidiger Compper und Orban kam Osako durch Vorlage von Konstantin Rausch zum Ausgleichstreffer. Hierbei nutzten die Kölner das enorm wilde, mannorientierte Herausrücken der Leipziger Außenverteidiger aus, wodurch sich sehr oft eine Lücke neben den Innenverteidigern bot. Gerade auf diese Weise und durch schnelle Verlagerungen im letzten Drittel kamen die Kölner sehr oft zu Chancen.

Mit dem Ausgleich war die Heimmannschaft nun überlegen und konnte auch öfter aus der Abwehr flach nach vorne kombinieren. Oft ließ sich im Spielaufbau dazu der nominelle Rechtsverteidiger Sörensen neben die Innenverteidigung fallen und Risse übernahm dafür seine Position. Dadurch wurde zeitweise eine 3-1-4-2-ähnliche Struktur erzeugt und erschwerte Leipzig das Pressing, da Burke und Selke nun auch den zurückfallenden Mittelfeldspieler der Kölner bewachen mussten. Außerdem kam es so zu keinen Pässen auf die Außenverteidiger der Kölner, was in der Regel ein klarer Trigger für das Leipziger Angriffspressing wäre. Möglicherweise hat Leipzig bewusst auf höheres Pressing verzichtet, um nicht allzu hoch mit den Außenverteidigern aufzurücken, ein anderer Faktor wäre natürlich auch Ermüdung – wahrscheinlich war es letzten Endes ein Mix aus allem.

Unabhängig davon hatte RBL in der zweiten Halbzeit im Spielaufbau zu flache Staffelungen im Mittelfeld, was ihrem auf Gegenpressing ausgelegten System nicht entgegenkommt.

Spiel trudelt aus – man einigt sich auf Unentschieden

Mitte der zweiten Hälfte wurde Leipzig dann allmählich etwas dominanter, da auch die Kölner ermüdet waren und nun wesentlich tiefer verteidigten, um das Ergebnis abzusichern und höchstens noch auf eine Kontermöglichkeit zu hoffen. Dadurch kam RBL immer häufiger zu tiefen Aufbausituationen, allerdings fehlte dann die Durchschlagskraft. Die Wechsel von Poulsen und Werner änderten so schnell nichts daran, wodurch der Spielrhythmus dann zunehmend verflachte und keine Torchancen mehr entstanden.

Fazit

Leipzigs Stärken und Schwächen wurden in dieser Partie offengelegt und von den Kölnern solide bespielt. Zu großen Torchancen kam es in dieser Partie nicht sehr häufig, da mit zunehmender Dauer des Spiels keine Mannschaft in der Lage war Durchschlagskraft zu generieren – die Fehler der beiden Systeme haben sich selbst behoben, gerade die Kölner haben sich die letzten 20 Minuten enorm zurückgezogen. Somit können vorerst beide Teams Höhenluft schnappen und mehr oder weniger leise von Europa träumen.

Shahin Bazani, abseits.at

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Shahin Bazani