Die Nachricht des gestrigen Tages: Jürgen Klopp hört auf. Er hat beim BVB um seine Vertragsauflösung gebeten. Für manche waren die Anzeichen schon da:... Borussia Dortmunds und Jürgen Klopps Optionen nach der Vertagsauflösung
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Jürgen Klopp (Borussia Dortmund)Die Nachricht des gestrigen Tages: Jürgen Klopp hört auf. Er hat beim BVB um seine Vertragsauflösung gebeten. Für manche waren die Anzeichen schon da: Klopp schien angespannt und häufig schlecht gelaunt zu sein. Böse Zungen würden natürlich behaupten, dass er das schon immer und nach jeder Niederlage war. Dieses Mal kam aber noch die Spielweise der Mannschaft hinzu; sie war zwar nach wie vor aggressiv und aktiv, doch die Erfolge der letzten Jahre blieben aus. Das könnte Klopp durchaus enttäuscht haben.

Der richtige Zeitpunkt?

Wie die Kausalität ist oder ob überhaupt eine vorherrscht, kann natürlich keiner sagen. War es eine abnehmende Arbeitswut Klopps, welche den BVB in diese kleine Krise stürzte? War es die Krise des BVB, welche Klopp zu diesem Schritt bewog? Oder hängt das überhaupt nicht kausal zusammen?

Dazu möchte ich nur kurz anmerken: Der BVB war in dieser Saison nicht so schlecht, wie er gemacht wird. Nur einzelne Partien, insbesondere Ende der Hinrunde, waren wirklich katastrophal. In den anderen Spielern war viel Zufall und Pech ausschlaggebend, was die eigentlich soliden bis guten Leistungen überschattete. In der Rückrundentabelle befindet sich der BVB nicht umsonst wieder auf dem respektablen fünften Platz, obwohl sie bereits gegen drei der vier Mannschaften vor ihnen spielen mussten (Gladbach, Bayern und Leverkusen, einzig Wolfsburg fehlt noch).

Insofern dürfte Klopps Entscheidung (auch) aufgrund anderer Faktoren zustande gekommen sein. Er ist seit 1987 ununterbrochen im Fußball tätig, als Spieler oder Trainer. Seit 1990 übt er einen Fußballjob als Profi aus. Den Trainerjob hat er seit 2001 inne, also seit nun 14 Jahren. Beim BVB ist er seit 2008 tätig. Alleine dadurch ist es durchaus verständlich, dass Klopp sich zur Trennung entschieden hat.

Weder im Verein noch in den Medien genießt er den enorm positiven Stand der letzten Jahre, desweiteren ist es durchaus möglich, dass Klopp selbst glaubt, seine Spieler hätten einen neuen Impuls mit einem neuen Trainer nötig. Auf letzteres deuteten die Aussagen in der Pressekonferenz hin. Dieser Aspekt soll für ihn der entscheidende gewesen sein.

Darum ist verständlich, wieso Klopp einen Tapetenwechsel möchte – nämlich für sich und für den BVB. Die Frage ist, wie dieser aussehen wird.

Kommt das freie Jahr?

Zu Beginn dieses ganzen medialen Dramas wurde berichtet, Klopp sei ausgebrannt und habe sich entschlossen ein freies Jahr einzulegen; ganz nach Vorbild seines Rivalen Pep Guardiola und seines möglichen Nachfolgers Thomas Tuchel. Wie Klopp in der Pressekonferenz sagte, ist dies aber nicht richtig.

Er plant kein Sabbatical, aber kann eines einlegen, wenn er nicht das richtige Angebot erhält. Sogar ein halbes Sabbatical wäre laut Klopp möglich. Ein freies Jahr oder Halbjahr wäre natürlich eine willkommene Alternative, um sich vom Fußballgeschäft zu erholen, sich zu revitalisieren und natürlich sich fortzubilden, eventuell Fremdsprachen zu lernen und auch die letzten Jahre in Ruhe distanziert zu analysieren.

Dieser Schritt würde Klopp gut tun und wäre sicherlich auch geplant, wenn er denn wirklich ein sogenanntes Sabattical nehmen muss. Doch die Gerüchte um eine neue Anstellung direkt ab diesem Sommer mehren sich. Unter anderem schrieb Raphael Honigstein im Guardian über zahlreiche Angebote an Klopp, die es in den letzten Wochen und Monaten gab. Besonders in England ist der gute Ruf Klopps weiterhin unbeschädigt. Und es gibt ein paar Vereine, die Klopp gerne auf der Trainerbank sehen würden.

Welche Optionen hat Klopp?

In diesem Sommer ist Manchester City natürlich der heißeste Tipp als neuer Arbeitgeber Klopps. Aus der Champions League sind sie relativ chancenlos gegen den FC Barcelona ausgeschieden, in der Liga haben sie keine Chance auf den Titel und könnten womöglich sogar aus den Top Four rutschen, was einer mittleren Katastrophe gleich käme. So oder so: Pellegrinis Zeit scheint am Ablaufen zu sein.

Klopp wäre der nahezu perfekte Nachfolger. City fehlt es am Umschaltspiel, im Pressing und an der Kompaktheit; Dinge, in denen Klopp als Trainer seine Stärken ausspielen kann. Für das Ballbesitzspiel stehen hervorragende Spieler zur Verfügung, obgleich wie in unserem vorherigen Artikel anzumerken ist, eine Verjüngung des Kaders längst überfällig ist.

Eine andere Möglichkeit für Klopp stellt Arsenal dar. Wenger ist schon sehr lange im Amt und könnte das Ruder eventuell abgeben wollen, zumindest wenn ein guter Nachfolger bereit stehen würde. Klopp wäre ein solcher. Für Arsenal gelten ähnliche Punkte wie für City, doch der Kader ist jünger, obgleich die finanziellen Mittel natürlich etwas geringer sind.

Ansonsten sind die möglichen neuen Arbeitgeber in diesem Sommer überschaubar. Spanien erscheint für Klopp unwahrscheinlich, einzig Real Madrid könnte bei schlechtem Saisonverlauf auf Klopp zukommen. In Deutschland gäbe es mit Bayern nach Guardiola eine interessante, aber unwahrscheinliche Option. Oder wird es doch noch etwas mit der Nachfolge Löws?

Was Klopp macht – und wann – wird also eine spannende Geschichte in den nächsten Monaten, vielleicht sogar bis zum Frühjahr 2016. Die Nachfolgerfrage in Dortmund hingegen sollte sich früher erledigen.

Wer wird Nachfolger?

Schon einige Namen machten in den Medien die Runde. Der heißeste Tipp bisher: Thomas Tuchel. Er hat dem HSV abgesagt und für viele ist das bereits ein kleiner Beweis, dass er beim BVB kurz vor einer Einigung steht. Die Bild berichtete gar von einem Vierjahresvertrag mit 5 Millionen € pro Jahr. Doch Tuchel ist noch nicht fix – Sky Sport News schrieb sogar, er sei nicht Kandidat Nummer Eins.

Das ist zwar zu bezweifeln, dennoch gibt es ein paar andere interessante Namen. Michael Laudrups Vertrag bei Lekhwiya in Katar läuft im Sommer aus und er ist ein herausragender Trainer, der dem BVB mit seiner herausragenden Spielphilosophie in eigenem Ballbesitz enorm weiterhelfen könnte. Der ehemalige Dortmunder Paul Lambert ist hingegen nach seinem Scheitern bei Aston Villa unwahrscheinlich.

Ein anderer ehemaliger CL-Sieger mit dem BVB von 1997, Paulo Sousa, könnte durchaus eine andere Möglichkeit sein. Auch Sascha Lewandowski, der bei Bayer enorm gute Arbeit leistete und jetzt im Hintergrund tätig ist, wäre potenziell eine Alternative. Ein paar A- und B-Jugendbundesligatrainer wie Sascha Eickel oder Horst Baum dürften möglicherweise ebenfalls zur Debatte stehen.

Alles in allem deutet aber vieles darauf hin, dass Tuchel Klopp beerben wird. Tuchel ist vertragslos, gilt als der kommende deutsche Trainer und ist fachlich einer der besten im Business.

René Maric, www.abseits.at

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Rene Maric