Eigentlich sollte, laut aller Prognosen im Vorfeld der neuen Saison, hier ein anderes Duell besprochen werden. Doch nicht das Revierderby zwischen Dortmund und Schalke,... Das Topspiel in Deutschland: TSG Hoffenheim vs. Hertha BSC
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zoom_hertha-bscEigentlich sollte, laut aller Prognosen im Vorfeld der neuen Saison, hier ein anderes Duell besprochen werden. Doch nicht das Revierderby zwischen Dortmund und Schalke, sondern Hoffenheim gegen Hertha BSC Berlin ist, nicht nur tabellarisch gesehen, das Spitzenspiel des 9. Spieltages.

Die Ausgangslage

Trotz der Niederlage im Pokal unter der Woche gegen Köln, zeigte sich die TSG auch in diesem Wettbewerb in bester Verfassung. Beide Teams lieferten sich eine regelrechte Pokal-Schlacht, in der es eigentlich keinen Verlierer hätte geben dürfen. Viel zu gut waren die Leistungen beider Mannschaften dafür. Letztendlich entschied eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters die Partie zu Gunsten des „Effzeh“, der ein reguläres Tor des Hoffenheimer Adam Szalai aberkannte. Die 1:2-Niederlage nach Verlängerung bedeutete nicht nur das Pokal-Aus, sondern auch gleichzeitig die erste Pflichtspiel–Pleite von Hoffenheim.

Die Mannschaft arbeite sich in der ersten Vorbereitung unter Julian Nagelsmann auf ein Leistungsniveau, auf das die Fans im Kraichgau lange warten mussten. In der Bundesliga gewann die TSG die letzten vier Spiele, zuletzt ein souveränes 3:0 bei Bayer Leverkusen und ist neben RB Leipzig, sowie Bayern München, als einziges Team noch ungeschlagen. Mit einem weiteren Erfolg gegen Berlin, würde Hoffenheim den Vereinsrekord von fünf Bundesliga-Siegen in Serie, aufgestellt noch unter Ralf Rangnick in der Aufstiegssaison 2008/09, einstellen. Dank diesem fast optimalen Saisonstarts liegt die Elf von Nagelsmann aktuell auf Platz 4 der Tabelle.

Hertha liegt mit Platz 3 sogar noch einen Rang vor dem nächsten Gegner und stellte mit 17 zu diesem Zeitpunkt geholten Punkten, einen neuen Vereinsrekord auf. Soviele waren es vor dem 9. Spieltag noch nie. Wenn man so will, hat Trainer Pal Dardai, in der Momentaufnahme, eine historisch gute Mannschaft geformt. Auschlaggebend hierfür ist vor allem die Effizienz in der Chancenverwertung, die neben der starken Defensivarbeit als bisheriges Trademark der Berliner besonders heraussticht.

Im Gegensatz zu Kontrahent Hoffenheim, gelang Hertha unter der Woche der Einzug ins Pokal-Achtelfinale, durch ein souveränes 2:0 bei Zweitligist St. Pauli. In der Bundesliga bewies Dardais Mannschaft mit einer starken Leistung gegen Köln letztes Wochenende erneut, warum man aktuell auf dem Papier zu den drei besten deutschen Mannschaften zählt.

Der Zahlenvergleich

Als einer der potenziellen Schlüssel zum Erfolg, könnten sich für Hertha am Sonntagnachmittag Standardsituationen erweisen. Die Berliner erzielten bereits fünf Tore nach ruhenden Bällen (bester Wert der Liga, gemeinsam mit zwei anderen Teams), während Hoffenheim gerne in gefährlichen Positionen Foul spielt und beim Verteidigen von Standards generell Mängel aufweist.

Einen klaren Vorteil haben die Hauptstädter zudem in Sachen Chancenverwertung. Während Hoffenheim für 16 Saisontore insgesamt 92 Chancen brauchte, benötigte Hertha für 14 Tor nur 59 Chancen. Diese Statistik ist natürlich ambivalent zu betrachten. In der Regel ist das Herausspielen von Chancen eine absolute Notwendigkeit für längerfristigen Erfolg im Fußball, zumal Berlin diese Effizienz wahrscheinlich nicht über eine gesamte Saison liefern kann. Die Kraichgauer müssen sich also dahingehend weit weniger Sorgen machen. Hoffenheim liegt dagegen in der Statistik Shot Accuracy ligaweit in der unteren Tabellenhälfte. Hertha muss sich hier nur dem BVB geschlagen geben.

In einer Liga, in der die Passquote, außer bei Dortmund und Bayern, relativ niedrig liegt, steht die TSG derzeit mit knapp 80 Prozent sogar noch auf Platz 5. Hertha gehört mit einer Quote von nur 75 Prozent, zu den schwächeren Mannschaften in dieser Hinsicht. Dies gilt noch mehr für den Wert des Ballbesitzes pro Spiel. In diesem Ranking befindet sich das Team von Dardai nämlich sogar nur auf dem vorletzten Platz.

Wie gesagt: Behält der Tabellendritte diese gnadenlose Effizienz bei, stellen diese Zahlen kein Problem da. Bleibt diese aber über einen längeren Zeitpunkt aber aus, könnte diese Spielanlage aber eventuell noch zum Bumerang werden. Auch wenn festgehalten werden muss, dass Hertha den „Nicht-Ballbesitzfußball“ aktuell sehr gut praktiziert; so fangen sie zum Beispiel ligaweit die meisten Pässe ab, was dann zu schnellem Umschalten führt.

Personal & Schlüsselspieler

Bislang überragend bei Hoffenheim agiert Neuzugang Kerem Demirbay. Der 23-Jährige hat sich in den letzten Wochen, nach dem er zu Saisonbeginn noch häufiger auf der Bank saß, zum Chef im Mittelfeld entwickelt. Demirbay erzielte bereits zwei Tore, gab einen Assist und kreiert für seine Mitspieler im Schnitt zwei Abschlüsse pro Spiel.

Toptorjäger ist derzeit Sandro Wagner, der seine Form aus der letzten Saison in diese hinüber retten konnte. Der Stoßstürmer gibt Nagelsmann mit seiner Wucht und Präsenz eine neue taktische Option und kommt dabei schon auf 4 Tore und einen Assist. Auch sein Sturmpartner Andrej Kramaric spielt aktuell eine starke Saison. Mit 5 Vorlagen führt der Koate, gemeinsam mit Franck Ribery, die Liga an. Zudem traf er bereits dreimal und nimmt ligaweit die drittmeisten Abschlüsse. Als einziger Leistungsträger fehlen, könnte gegen Hertha Stürmer Mark Uth.

Dies schaut, zum Leidwesen Dardais, bei Gegner Hertha BSC Berlin ganz anders aus. Für die Partie gegen Hoffenheim, könnten Sebastian Langkamp, Marvin Plattenhardt, Ondrej Duda, Fabian Lustenberger und Vladimir Darida ausfallen. Definitiv fehlen wird Valentin Stocker, der eine Rotsperre absitzt.

Die beiden wohl wichtigsten Spieler stehen mit Vedad Ibisevic und Mitchell Weiser aber zur Verfügung. Der Bosnier hat derzeit einen echten Lauf. In den letzten vier Spielen, schaffte Ibisevic sieben Scorerpunkte (5 Tore, 2 Vorlagen). Mitchell Weiser befindet sich im Moment ebenfalls in überragender Form. Gegen St. Pauli im Pokal, erzielte der Flügelspieler das 1:0 und bereitete das 2:0 vor. Weiser geht pro 90 Minuten fünfmal ins Dribbling, wobei er davon die Hälfte gewinnt. Besonders wertvoll für Hertha macht den 22-Jährigen die Tatsache, dass er auf der rechten Seite sowohl offensiv, als auch defensiv, praktisch ohne Qualitätsverlust, einsetzbar ist.

So könnten sie spielen:

TSG Hoffenheim: Baumann – Süle, Vogt, Hübner – Toljan, Kadarabek – Rudy –  Demirbay, Rupp – Wagner, Kramaric

Hertha BSC: Jarstein – Pekarik, Lustenberger, Brooks, Mittelstädt– Skjelbred, Stark – Esswein, Weiser, Haraguchi- Ibisevic

Ral, abseits.at

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