80 Millionen Bundestrainer in Deutschland haben ab sofort wieder mehr als genug Gesprächsstoff. Joachim Löw hat seinen vorläufigen Kader für die EM in Frankreich... Joachim Löws vorläufiger EM-Kader
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Joachim Löw_abseits.at80 Millionen Bundestrainer in Deutschland haben ab sofort wieder mehr als genug Gesprächsstoff. Joachim Löw hat seinen vorläufigen Kader für die EM in Frankreich bekannt gegeben. 27 Spieler fahren mit in das Trainingslager im schweizerischen Ascona.  Große Überraschungen sind nicht dabei.

Die Achse

Mit alten Fußball-Weisheiten soll ja eher vorsichtig verfahren werden; sind sie doch zum größten Teil nicht auf das heutige Geschäft anwendbar oder entbehrten schon immer einem gewissen Wahrheitsgehalt. Dass eine erfolgreiche Mannschaft über eine funktionierende Achse von drei bis vier Spielern verfügen sollte, ist aber wohl auch heutzutage noch als gültig zu erachten.

Auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft verfügt mit Manuel Neuer, Jerome Boateng, Bastian Schweinsteiger (wenn fit) und Thomas Müller über einen Kern an Spielern, der unverzichtbar zu sein scheint. Wobei Schweinsteiger hier eine Sonderrolle einnimmt, da er sich bisher bei Manchester United noch keinen endgültigen Stammplatz erkämpfen konnte und schon seit Wochen verletzt ist. Trotzdem gehört er weiterhin, nicht nur wegen seiner Funktion als Kapitän und Leader, zu diesem „erlauchten“ Kreis.

Die Etablierten

Neben dieser Achse aus vier Spielern, gibt es eine Gruppe von Akteuren, die für Löw ebenfalls unverzichtbar ist. Zu dieser gehören der Bayern-Neuzugang Mats Hummels, Real Madrids Toni Kroos, Sami Khedira von Juventus Turin, Arsenals Mesut Özil und mittlerweile auch Außenverteidiger Jonas Hector vom 1. FC Köln.

Letzterer hat sich mit konstant guten Leistungen im Verein und DFB–Dress ein hohes Standing erspielt. An seiner Person lässt sich aber auch das Dilemma auf der Position des Außenverteidigers im deutschen Team ausmachen, da er bei Köln in dieser Saison ebenso oft im defensiven Mittelfeld, wie außen agierte. Seit Philipp Lahms Abgang nach der WM 2014, sind Spezialisten auf dieser Position ein rares Gut.

Ebenfalls Seltenheitswert im deutschen Fußball hat die Position des klassischen Strafraumstürmers. Zwecks der taktischen Flexibilität, beziehungsweise der eventuell gefragten Anpassungen während des Spiels, könnte auch Mario Gomez von Besiktas Istanbul noch wichtig werden. Der Ex-Münchner ist ein Torjäger wie er im Buche steht, der Besiktas mit 24 Toren zur Meisterschaft schoss und bester Torschütze in der Türkei wurde.

Viel Potenzial – nicht immer ausgeschöpft

Natürlich hat der Dortmunder Marco Reus alles andere als eine schlechte Saison gespielt. Aufgrund seines großen Potenzials wird von ihm aber vor allem eine konstantere Leistung erwartet. Die fehlende Konstanz ist aber auch den immer wieder auftauchenden Blessuren bei Reus geschuldet.

Mario Götze beutelten ebenfalls immer wieder Verletzungen; zudem fand er in Guardiolas System einfach keinen Platz. Der Siegtorschütze des WM-Finals 2014 kann in Topform und mit Spielpraxis ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche EM werden.

Das Talent von Julian Draxler ist unbestritten, aber mit seinen immer noch erst 21 Jahren, schafft es der Wolfsburger weiterhin nicht, sein Potenzial konstant auf den Platz zu bringen. Dennoch gehörte Draxler in einer schwachen Wolfsburger Mannschaft zu den wenigen Lichtblicken –  wobei auch er immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde.

Die zweite Reihe

In diese Kategorie gehören die Abwehrspieler Benedikt Höwedes, Shkodran Mustafi und Antonio Rüdiger. Letzterer hat sich nach Startschwierigkeiten bei der AS Roma durchsetzen können. Mustafi erlebte eine mehr als durchwachsene Saison beim FC Valencia, war aber immer noch einer der Besseren. Höwedes fehlte dem FC Schalke über weite Teile der Saison, ist für Löw dennoch eine wichtige Alternative, nicht nur auf der Position des Innenverteidigers, sondern auch als Rechtsverteidiger. Auch Emre Can vom FC Liverpool kann auf dieser Position eingesetzt werden, wobei er im defensiven Mittelfeld stärker einzuschätzen ist.

Lukas Podolski ist nach zwei sportlich schweren Jahren bei Arsenal und Inter in der Türkei wieder auf die Beine gekommen. Zwar belegte er mit Galatasaray Istanbul nur den 6. Platz, erzielte aber 12 Saisontore und war durchwegs einer der Leistungsträger. Inwieweit der 30-Jährige aber, beispielsweise auf dem Niveau eines EM-Halbfinals, sportlich noch helfen kann, wird sich zeigen. Seinen Platz im Kader dürfte er aber sicher haben.

Die Torhüter

Dass Marc-Andre ter Stegen für diese EM einen fixen Kaderplatz inne hat, war bereits nach den Länderspielen gegen England und Italien klar. Gegen Letztere durfte der Mann vom FC Barcelona über 90 Minuten ran, was einem deutlichen Fingerzeig des Bundestrainers gleichkam.

Die Nominierung von Bernd Leno ist nach einem starken letzten Saisondrittel keine große Überraschung; viele Experten hatten aber Ron-Robert Zieler von Hannover 96 vor ihm gesehen.

Die Streichkandidaten

Der Hoffenheimer Sebastian Rudy kann sich über die verwaiste linke Seite in der deutschen Nationalmannschaft glücklich schätzen, ist er doch einer der wenigen Back-Up–Kandidaten für Jonas Hector. Von den Stammtischen der Republik wird gerade in Bezug auf diese Personalie ein Raunen ausgehen: Warum nominiert Löw einen Spieler, der noch nicht mal in seinem Verein Stammspieler ist und lässt den Dortmunder Marcel Schmelzer, nach dessen starken Saison, daheim?

Auch der Wolfsburger Andre Schürrle und Karim Bellarabi von Leverkusen müssen im Trainingslager überzeugen, um am Ende nicht doch in die nicht mehr vorhandene Röhre des heimischen Fernsehers schauen zu müssen. Der Wolfsburger dürfte aber, wenn es zu einer Entscheidungsfindung zwischen den beiden Flügelspielern kommen sollte, der bevorzugte Kandidat sein, gehörte er in der EM-Qualifikation doch zum Fixpersonal, während Bellarabi eine Zeitlang nicht berücksichtigt wurde.

Die Jungspunde

Ein Grund für die Nichtnominierung der beiden Obengenannten könnte die Unbekümmertheit der Talente Leroy Sane von Schalke 04 und Leverkusens Julian Brandt sein. Beide hatten während der Saison einige Dellen in ihrer Formkurve, was in diesem Alter aber normal ist. Beide haben absolut nichts zu verlieren und können im Trainingslager wichtige Erfahrungen sammeln und befreit aufspielen. Es wäre keine riesige Überraschung, falls einer der beiden im endgültigen Kader dabei wäre.

Dies gilt ebenso für die beiden defensiven Mittelfeldspieler Julian Weigl vom BVB und Joshua Kimmich. Der Münchner konnte in dieser Saison international überzeugen, was genauso für sein Pendant Weigl gilt. Die Arrivierten auf dieser Position werden sich ordentlich strecken müssen, aufgrund des Drucks der Jungspunde.

Ral, abseits.at

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