Der 31. Spieltag konnte in Sachen Meisterrennen noch keine Entscheidung bringen. Dafür steht mit Hannover 96 der erste Absteiger fest. Kurz und knackig die... Meisterschaftsentscheidung vertagt: Gewinner und Verlierer des 31. Spieltags der deutschen Bundesliga

BundesligaDer 31. Spieltag konnte in Sachen Meisterrennen noch keine Entscheidung bringen. Dafür steht mit Hannover 96 der erste Absteiger fest. Kurz und knackig die Zusammenfassung dieses Spieltags: Was fiel auf? Wer sind die Gewinner und Verlierer?

Meisterrennen weiter „offen“

Bei einem Sieg in Berlin und einer gleichzeitigen Niederlage von Borussia Dortmund hätte der FC Bayern München den Gewinn der Meisterschaft bereits perfekt machen können. Die Borussen konnten den VfB Stuttgart aber mit 3:0 abfertigen. Somit reichte der 2:0–Sieg der Bayern nicht aus, um den vierten Titel in Folge zu gewinnen –  und damit einen neuen Bundesligarekord aufzustellen.

Trotz dieses schlussendlich ungefährdeten Erfolges über die Hertha entfesselte sich wieder eine Debatte über die angeblich fehlende Souveränität des Rekordmeisters. Die Münchner stehen zwar im DFB-Pokalfinale, die Meisterschaft ist nur noch Formsache (der FCB hat zu diesem Zeitpunkt die zweithöchste Punktzahl der Bundesliga–Geschichte auf seinem Konto) und ist zum fünften Mal in Folge in das Champions–League–Halbfinale eingezogen. Und trotzdem scheint dieses Resultat von konstant gezeigten Spitzenleistungen den Kritikern nicht zu genügen, da in jedem Spiel ein Spektakel erwartet wird.

Auch dem BVB versuchte die Presse nach der Niederlage gegen Liverpool eine beginnende Krise anzudichten, beziehungsweise vermeinten die Medien bereits einen Leistungseinbruch am Dortmunder Firmament zu erspähen. Die verbleibenden Bundesligaspiele und das Halbfinale im DFB-Pokal machten im Blätterwald kurzzeitig den Eindruck unlösbarer Aufgaben. Die Dortmunder Antwort: drei souveräne 3:0–Siege gegen Hamburg, Berlin und Stuttgart. Die Westfalen zogen ungefährdet in Pokalfinale ein und spielen die beste Saison ihrer Vereinsgeschichte. Dass aus dieser historischen Leistung wohl nicht der Gewinn der Meisterschaft resultiert, sagt auch einiges über die Leistung der Bayern in dieser Spielzeit aus.

Der Einbruch von Schalke 04

Wenn man am Samstagabend einen Contest im „lange Gesichter ziehen“ veranstalten wollte, führte kein Weg an den Verantwortlichen, Spielern und Fans des FC Schalke 04 vorbei. Die „Knappen“ spielten in der ersten Halbzeit gegen Bayer Leverkusen wie entfesselt und führten verdient mit 2:0. Plötzlich waren die „Königsblauen“ wieder mittendrin im Kampf um die direkte Qualifikation für die Champions League. Doch dieses Spiel sollte zum Spiegelbild der bisherigen Schalker Saison mutieren. Eine gute bis großartige Leistung konterkarierte das Team von Andre Breitenreiter auch dieses Mal mit einem unerklärlichen Leistungseinbruch. Innerhalb von sechs Minuten (!) drehte Leverkusen das Spiel und gewann am Ende verdient mit 3:2. Schalke verlor nach dem Anschlusstreffer vollkommen die Ordnung, was die wiedermal überragende Offensivabteilung von Bayer um Karim Bellarabi, Julian Brandt und „Chicharito“ eiskalt ausnutzte. Vor allem beim 2:3 zeigte sich das ganze Schalker Chaos: Beim Stande von 2:2 in der 60. Minute versammelte sich der S04 bei eigenem Eckball mit acht Leuten am gegnerischen Strafraum und kassierte fast folgerichtig nach einem Konter den entscheidenden Treffer. Feelgood–Story des Wochenendes: der Ex-Rekonvaleszent  Charles Aranguiz zeigte, warum Bayer ihm im Sommer unbedingt verpflichten wollte. Der „Königstransfer“ aus Chile konnte sogar das erste Mal 90 Minuten durchspielen.

Neues von der „Abstiegsfront“

Der erste Absteiger steht fest. Der 2:1–Erfolg von Eintracht Frankfurt gegen Mainz schickt Hannover 96 endgültig in 2. Liga. Besonders überraschend kommt der Abstieg der 96er nicht mehr, trotzdem wird die Enttäuschung in Niedersachsen naturgemäß groß sein. Gerade nach drei ungeschlagenen Spielen in Folge wird wohl immer wieder die Frage  „was wäre wenn?“ in Dauerschleife in den Köpfen laufen.

Den Abstieg endgültig abgewendet hat nach menschlichem Ermessen der Hamburger SV. Der 2:1– Befreiungsschlag im Nordderby gegen den SV Werder Bremen sollte reichen, um das Relegationstriple zu vermeiden. Wohingegen die Bremer durch diese Niederlage ganz tief im Abstiegssumpf feststecken. Zwar standen die Werderaner durch eine Pizarro–Chance in der Nachspielzeit ganz dicht vor dem Ausgleich, jedoch reichten die spielerischen Mittel nicht aus, um die Aufholjagd zu krönen. Die bisherige Bremer Lebensversicherung verschoss zudem noch einen Elfmeter.

Dank der Niederlage des VfB Stuttgarts gegen Dortmund und dem Gladbacher 3:1–Sieg über Hoffenheim, riss der Kontakt von Bremen zu einem Nichtabstiegsplatz nicht vollends ab. Ganz im Gegenteil: Stuttgart steckt in einer handfesten Negativspirale fest. Den VfB trennen nur zwei Punkte von Bremen, wobei die Leistung gegen den BVB über weite Strecken nicht schlecht anmutete. Trotzdem fehlten auch dem Team von Jürgen Kramny die spielerischen Mittel, die guten Ansätze in Tore umzumünzen.

Der FC Augsburg hingegen scheint sich nach dem 2:0 in Wolfsburg, gegen einen wiederholt erschreckend schwachen VfL, aus den Fängen des Abstiegsgespensts befreit zu haben.

Gewinner des 31. Spieltages

Bis sechs Minuten vor dem Ende der Partie gegen den FSV Mainz lief es für Eintracht Frankfurt wie immer in den letzten Spielen. Trotz kämpferisch starker Leistung waren die Hessen nicht in der Lage, dem Spiel eine positive Wendung zu geben, in dem sie den erlösenden 2:1–Siegtreffer erzielen. Mit einem Unentschieden wäre es für die Frankfurter sehr schwierig geworden den drohenden direkten Abstieg noch zu vermeiden. Dann aber kam Änis Ben-Hatira und erweckt die Hoffnungen der Eintracht wieder zum Leben! Durch den 2:1–Sieg im Derby gegen Mainz verkürzte die Mannschaft von Niko Kovac den Abstand auf das rettende Ufer und kann in den direkten Abstiegsduellen gegen Darmstadt und Bremen den Klassenerhalt noch aus eigener Kraft schaffen.

Verlierer des 31. Spieltages

Der nächste Spieltag wird für Bremen und Stuttgart richtungsweisend sein. Beide Teams treffen am nächsten Montag im direkten Duell aufeinander. Die Norddeutschen tun sich in dieser Saison sehr schwer gegen direkte Konkurrenten und der VfB strotzt derzeit gelinde gesagt nicht gerade vor Selbstvertrauen. Zudem werden die Stuttgarter Ultras das Spiel boykottieren, um  auf die Problematik „Montagsspiel“ aufmerksam zu machen. Diese Maßnahme könnte sich jedoch in dieser Situation für ihre Mannschaft wohl eher als kontraproduktiv erweisen. Jedoch ist das Weserstadion in dieser Saison in ähnlicher Weise eine Festung, wie Troja nach dem Hereinlassen eines ominösen Holzpferdes.

Beide Teams stehen nach den verlorenen Spielen am Wochenende mit dem Rücken zur Wand. Bei einer Niederlage müsste sich eine Mannschaft wohl an den Montagstermin gewöhnen – der ist nämlich in der nächsten Saison noch der 2. Liga vorbehalten.

Mann des Spieltages

Pierre–Michel Lasogga war bis zum Freitag exakt 666 Minuten torlos geblieben und wurde zwecks Vermarktung von seiner Mutter/Managerin „PML10–Maschine“ getauft. Wie viel kann ein Stürmer ertragen, fragt man sich da? Die zwei Tore im Nordderby gegen Werder Bremen dürften seinen Schmerz etwas lindern.

Ral, abseits.at