Wie schon in der vergangenen Winterpausen gehen wir in dieser Rubrik auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, wo die Hintergründe und Motive... Transfers erklärt: Darum wechselte Matija Nastasic zum FC Schalke 04
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FC Schalke 04 - Logo, WappenWie schon in der vergangenen Winterpausen gehen wir in dieser Rubrik auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, wo die Hintergründe und Motive beleuchtet werden. Wieso holt eine Mannschaft diesen Spieler? Wer ist dieser Spieler überhaupt? Was erwartet sich sein neuer Verein von ihm? Kann er die Erwartungen in seinem neuen Verein erfüllen? Diese Fragen sollen hauptsächlich beantwortet werden. Auch die taktische Perspektive soll nicht zu kurz kommen, immerhin ermöglicht ein neuer Spieler oftmals eine Vielzahl neuer Kombinationen und Synergien, die ebenfalls kurz erläutert werden sollen.

In dieser Ausgabe blicken wir auf die Leihe mit Kaufoption vom Innenverteidigertalent Matija Nastasic, welcher überraschend von Manchester City zu Schalke verliehen wurde. Bei den Knappen könnte Nastasic sein Potenzial abrufen und ein Schlüsselspieler im neuen System Roberto di Matteos werden.

Roberto di Matteos Fünferkette und ihre Möglichkeiten

An sich besitzen die Schalker schon eine Vielzahl überdurchschnittlicher und starker Innenverteidiger. Benedikt Höwedes, Joel Matip und Jungstar Kaan Ayhan werden in der öffentlichen Wahrnehmung häufig unterschätzt, gehören aber sicherlich zu den zehn besten Innenverteidigern der deutschen Liga. Mit Felipe Santana, Jan Kirchhoff und Sead Kolasinac sowie aushilfsweise Roman Neustädter und Nachwuchsspieler Marvin Friedrich gesellen sich weitere passable Optionen als Ersatz- und Rotationsmöglichkeiten hinzu.

Deswegen – und aus Gründen der erhöhten defensiven Stabilität, sowie einzelnen Vorteilen im Aufbauspiel – dürfte di Matteo bald nach seinem Amtsantritt auch von der bis dahin üblichen Viererkette und dem 4-2-3-1 der Schalker abgewichen sein. Fortan wurden verstärkt ein 5-3-2 und ein 5-2-3 genutzt, in welchem die Flügelverteidiger natürlich bei Ballbesitz aufrückten und das Mittelfeld sowie die Stürmer unterstützten.

Meistens wurde dies mit dem sehr dribbelstarken und ausweichenden Eric-Maxim Choupo-Moting und Mittelstürmer Klaas-Jan Huntelaar als Stürmer gespielt, die Mittelfeldbesetzung variierte. Was konstant blieb, war die durchgehende Nutzung von drei Innenverteidigern. Die perfekte Mischung konnte di Matteo hier allerdings noch nicht finden. Jeder Partner für Höwedes und Matip oder Ayhan brachte direkte oder indirekte Probleme mit. So ist Santana zu schwach im Aufbauspiel, Aogo geht als Option für die Position des Flügelverteidigers und des zentralen Mittelfeldspielers verloren, Neustädter ist mit seinen Fähigkeiten für die Mitte zu wichtig.

Aktuell sind außerdem Kolasinac, Aogo und Matip noch verletzt. Insofern macht der Nastasic-Transfer trotz der vielen nominellen Optionen für die Innenverteidiger-Position Sinn.

Nastasic als kompletter und hochtalentierter Innenverteidiger

Der serbische Nationalverteidiger ist das Produkt der Jugendschmiede von Partizan Belgrad, welche in den letzten sechzig Jahren eine Vielzahl großer Fußballer herausgebracht hatte. Bereits mit 17 Jahren wurde er Stammspieler in der serbischen Liga, als ihn Partizan zu Teleoptik verlieh. Zu einem Einsatz bei Heimatverein Partizan kam es allerdings nie: Nach diesem einen Jahr bei den Profis holte ihn die Fiorentina für 2,5 Millionen Euro.

Bei den Italienern blieb er allerdings ebenfalls nur ein Jahr; und kam auch hier überraschend zu Einsätzen in der ersten Liga. Wegen Verletzungsproblemen rückte Nastasic unter seinem Landsmann Sinisa Mihajlovic als Trainer in den Kader der ersten Mannschaft und zeigte bei seinen ersten Einsätzen sofort gute Leistungen. Der damals 18-Jährige eroberte sich einen Stammplatz und machte sich für andere Mannschaften interessant.

Für 15 Millionen Euro und Stevan Savic holte ihn Manchester City ins Etihad, eine stattliche Ablösesumme für einen Teenager. Auch in der folgenden Saison 2012/13 schien es, als stehe dem kometenhaften Aufstieg Nastasics nichts im Weg. Er wurde beim englischen Meister Stammspieler und am Ende der Saison zum „Young Player of the Season“ gewählt. Doch zur kommenden Spielzeit war es plötzlich vorbei. Seit 2013/14 laboriert Nastasic an einigen kleineren Verletzungen und konnte sich nicht mehr weiterentwickeln, wodurch auch der Stammplatz Geschichte war.

Aktuell ist mit Demichelis, Kompany, Mangala und Boyata die Konkurrenz zu groß, weswegen eine Leihe wahrscheinlich die beste Option war. Zumindest für Schalke ist somit das Risiko gering, die Chancen aber enorm.

Zwischen Defensivmaschine und konstruktivem Aufbauspiel

Schalke könnte sich mit Nastasic zu einem in allen Spielphasen sehr starken und stabilen Gebilde entwickeln. Höwedes, Nastasic und Ayhan wären beispielsweise eine der besten Abwehrreihen der Bundesliga, direkt hinter den Bayern auf Augenhöhe mit einigen wenigen anderen Mannschaften. Alle drei verfügen über ein sehr stabiles Aufbauspiel, sind defensiv gut, nicht allzu langsam und können den Ball intelligent zirkulieren lassen oder gar mit Ball am Fuß etwas aufrücken.

Desweiteren ist Nastasic ein Linksfuß. Er könnte den linken Halbverteidiger geben und in einer Reihe mit den Rechtsfüßen Höwedes und Ayhan agieren. Diese Dreierreihe dürfte auch am besten zu den Aufgaben passen, welche di Matteo bislang bei seinen drei Verteidigern im 5-3-2/5-2-3 hatte. Sie sollen nicht weit aufrücken – was wohl nur Ayhan von ihnen halbwegs passabel könnte –, aber situativ das Mittelfeld unterstützen und durch ein intelligentes wie technisch sauberes Passspiel die Offensivspieler entlasten.

Bei langen Bällen können die Verteidiger außerdem dynamisch aus der Position rücken und in den Zweikampf gehen, weil die anderen beiden sie immer absichern und weiterhin die Mitte besetzen. Im Verbund mit einem Mittelfeld aus beispielsweise Marco Höger neben Roman Neustädter hinter Zehner Max Meyer wäre das eine extrem gute Mischung aus flexibler Zonenbesetzung mit viel Aggressivität und gleichzeitig vorhandener Stabilität.

Es wird also interessant, was genau Roberto di Matteo plant. Der Kader ist nämlich enorm groß. Mit Tranquillo Barnetta, Sidney Sam, Leon Goretzka und Jefferson Farfán stehen beispielsweise sehr offensive und somit interessante Optionen für die Position der Flügelverteidiger bereit, welche eine gute Absicherung und passstarke Anspielstationen im defensiven Zentrum benötigen. Auch Julian Draxler als Zehner und Meyer dann als Achter wären sehr spielstarke Optionen, welche eine gute Abwehrreihe benötigen.

Diese besitzen die Knappen nun; und wenn die Verletzten zurückkehren (Draxler, Obasi, Goretzka, Boateng, etc.), so haben sie rein von den Spielern her womöglich den drittbesten Kader der Bundesliga, sowie den wohl sogar zweitgrößten Konkurrenzkampf. Di Matteos Aufgabe wird es sein, dass er seine Spieler fit und bei Laune hält sowie das taktische und spielerische Potenzial nutzt. Matija Nastasic ist hier vielleicht nur einer von vielen weiteren Bausteinen, aber womöglich ein sehr wichtiger.

René Maric, www.abseits.at

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Rene Maric