Genau 98 Tage ruhte in der englischen Premier League der Ball. Seit Samstagmittag rollt die Kugel wieder, die für so viele Fußballfans die Welt... ­Premier League – Erste Erkenntnisse zum Auftakt
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_England Premier LeagueGenau 98 Tage ruhte in der englischen Premier League der Ball. Seit Samstagmittag rollt die Kugel wieder, die für so viele Fußballfans die Welt bedeutet. Viel wurde zum Starauflauf am und neben dem Feld in den englischen Stadien berichtet. Seit gestern Abend ist der erste Spieltag Geschichte und wir sind schon ein bisschen schlauer als zuvor.

Dem Meister steht ein hartes Jahr bevor

Wenig überraschend: Auf Christian Fuchs und dem Leicester FC wartet eine ganz schwierige Saison. Die unglaubliche Geschichte ist nun im Bücherregal archiviert, die neue Saison 2016/17 startet bei null los. Ein prüder Abstiegskandidat aus Hull kaschierte die spielerische Unterlegenheit mit ganz viel Einsatz. Ein Vorgeschmack was auf die „Foxes“ zukommen wird, gegen den Meister haut jeder noch ein paar Prozent mehr Einsatz raus. Noch ist es zu früh Schlüsse zu ziehen, aber wenn der Lauf aus der Vorsaison erst einmal weg ist, muss sich die Ranieri-Elf wohl oder übel wieder auf die alten Tugenden (Kampf, Einsatz, Leidenschaft) zurück besinnen. Wohl keine so leichte Aufgabe nach den abgelaufenen Monaten.

Kein Premier League reifes Umfeld in Hull

Was bitte ist in Hull los? Vor wenigen Wochen noch das letzte Premier League Ticket im Play-Off gesichert, zerfällt der Aufsteiger schon bevor es richtig losgeht! Nur mehr 13 fitte Kaderspieler, keine getätigten Transfers, mit Steve Bruce ein Erfolgstrainer der schon vor dem Saisonstart die Reisleine zog und den Notausgang nahm, dazu ein zerworfenes Verhältnis zwischen Fans und Vorstand. Kaum zu glauben, dass man unter diesen miesen Vorzeichen gleich den Meister besiegte! Fun Fact: erstmals seit 2012 feierte eine Mannschaft einen Premier League Erfolg, die in den neunzig Minuten auf Spielerwechsel gänzlich verzichtete.

Zweifelsohne, nachdem die ägyptischen Besitzer um ‎Assem Allam den Verein auf den Kopf stellten und sogar vor dem Vereinsnamen nicht Halt machten („Tigers“), dürften die Investoren nun die Lust am Spielzeug verloren haben. Chinesische Übernahme-Interessenten wurden im Stadion bereits gesichtet. Ob verkauft wird bleibt unwahrscheinlich, zu viele Einnahmen sprudeln nach dem Aufstieg in die Kassen.

Leistungsdichte weiterhin hoch

Die durchwegs knappen Ergebnisse des ersten Spieltags drückten schon aus, was uns auch heuer wieder erwarten wird: Die Liga ist ausgeglichen, an einem guten Tag kann wieder jeder Außenseiter einen mäßig eingestellten Favoriten schlagen. Die Favoritenrollen sind zwar klar an die beiden Klubs aus Manchester vergeben, doch ein Spaziergang wird es für die beiden Startrainer nicht werden. Insgesamt gab es zum Auftakt drei Unentschieden und bei sechs Spielen machte nur ein Treffer den Unterschied aus. Die ersten drei der Vorsaison blieben allesamt sieglos, die Aufsteiger schlugen sich wacker.

Bei Arsenal gegen Liverpool ist weiterhin Spektakel garantiert

1:0, 1:4, 3:4 und dann wurde dem Schlusspfiff entgegen gezittert. Kaum ein Spiel versprach in den letzten Jahren so viel Unterhaltung wie die Duelle zwischen den Gunners und den Reds. Nach dem emotionalen 3:3-Torfestival im Jänner an der Anfield Road, wurde auch dieses Mal auf beiden Seiten auf eine funktionierende Defensive verzichtet. Somit reiht sich dieses Duell nahtlos an die Serie spektakulärer Aufeinandertreffen der beiden Konkurrenten ein. Dazu hielt Simon Mignolet bereits seinen achten Elfmeter in der Premier League.

Routiniers und Rekordhalter

Gareth Barry vom FC Everton feiert dieses Wochenende ein Jubiläum: Der 35-Jährige Mittelfeldmann von den Toffees geht in seine 20. Premier League Saison. Nur Ryan Giggs hält als Rekordhalter mit deren 22 bei mehr Saisonen. Jermain Defoes zwischenzeitlicher Ausgleich für Sunderland gegen Manchester City bedeutet, dass er in 16 verschiedenen Saisonen erfolgreich war.

Serien und andere Statistiken

Seit Tony Pulis im Jänner 2015 bei West Brom anheuerte, stand bei den „Baggies“ 22-mal die Null hinten – ein Topwert in der Liga. Mit dem 1:0-Sieg gegen Crystal Palace wurde eine weitere Serie verlängert: Wenn man gewinnt, dann immer nur mit einem Tor Unterschied – dies nun schon zum elften Mal! Doch immerhin wurde mit diesem Erfolg die schon neun Spiele dauernde sieglose Serie beendet.

Aufsteiger Burnley zog nach 23 ungeschlagenen Spielen bei Swansea erstmals wieder mit 0:1 den Kürzeren. Nach neun torlosen Spielen in der Abstiegssaison, verlängerten die „Clarets“ dagegen die Negativserie in der Premier League auf zehn Spiele ohne Treffer.

Alvaro Negredo traf für den anderen Aufsteiger Middlesbrough wieder mit seinem ersten Torschuss für den neuen Verein ins Schwarze, ebenso wie schon damals für Manchester City.

Die Österreicher mit gemischten Eindrücken

Marko Arnautovic spielte bei Stoke durch, nach einem durchschnittlichen Auftritt sah er in der Nachspielzeit Gelb wegen Kritik. Christian Fuchs lieferte offensiv eine solide Leistung ab und war bei einer der besten Torchancen beteiligt. Defensiv wirkte er dagegen mehrmals nicht sattelfest und kassierte zudem die erste Verwarnung der Saison. Solide und zweikampfstark präsentiert sich Sebastian Prödl als zentraler Innenverteidiger in der Dreierkette beim Unentschieden mit Watford. Alexander Manninger sah Liverpools Auftaktsieg von der Bank aus. Bei Tottenham stand Kevin Wimmer als Innenverteidiger Nummer vier nicht im Kader, ebenso wie Tormann Daniel Bachmann bei Stoke.

Werner Sonnleitner, abseits.at

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Werner Sonnleitner