Der am 6. September 1892 geborene englische Sportsmann Maxwell “Max“ Woosnam sagte einmal über sich: „ Wenn ich in irgendetwas gut war, dann Fußball.“... Der Alleskönner Max Woosnam | Das Porträt einer fast vergessenen Legende
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Spielszene Pass_abseits.atDer am 6. September 1892 geborene englische Sportsmann Maxwell “Max“ Woosnam sagte einmal über sich: „ Wenn ich in irgendetwas gut war, dann Fußball.“ Glaubt dem Mann kein Wort, denn Mister Woosnam war nicht nur eine absolute Ausnahmeerscheinung, er war auch äußerst bescheiden. Der ehemalige Kapitän von Manchester City und dem englischen Nationalteam gewann nebenbei eine Gold- und Silbermedaille bei den olympischen Spielen im Tennis und schaffte ein “Century“ beim Cricket – also hundert oder mehr Runs als Schlagmann während eines Spieldurchgangs. Daneben gelang ihm ein Maximum Break beim Snooker, er gewann den Doppel-Bewerb in Wimbledon, führte das englische Davis-Cup-Team als Kapitän an und schlug den legendären Charlie Chaplin im Tischtennis – wobei er statt einem Schläger ein Buttermesser verwendete.

Maxwell “Max“ Woosnam kam im Jahr 1892 als Sohn eines Pfarrers in Liverpool zur Welt und studierte an der University of Cambridge, nachdem er seine Ausbildung am Winchester College mit Erfolg abschloss. Für die Universität nahm er so gut wie an jeder angebotenen Sportveranstaltung teil, er spielte Fußball, Cricket, Golf, Tennis und Squash.

Schon auf dem College war er aber sportlich aktiv, wobei er zu dieser Zeit neben dem Fußball sich insbesondere auf Cricket konzentrierte. Am Lord´s Cricket Ground, der heute als “Home of Cricket“ bezeichnet wird, gelang ihm in einem Spiel ein Century – hundert oder mehr Runs als Schlagmann während eines Innings.

Nachdem er die Universität abschloss, spielte er beim englischen Fußballklub Corinthian FC, der 1882 gegründet wurde, um die Vorherrschaft des schottischen Fußballs zu brechen. Der Klub stellte gegen Ende des 19. Jahrhundert die meisten Nationalspieler Englands, nahm aber nicht an der Liga teil, sondern konzentrierte sich auf Freundschaftsspiele, die auch oft auf anderen Kontinenten wie Südamerika, Nordamerika und Afrika stattfanden. 1904 schlug der Verein in einem Testspiel Manchester United mit 11:3, was bis heute die höchste Niederlage der Red Devils markiert. Max Woosnam nahm an einer Südamerika-Tournee teil und schoss das erste Tor im ersten Freundschaftsspiel gegen Rio De Janeiro. Mit weiteren Treffern machte er sich schnell einen Namen, sodass er nach seiner Ankunft in Europa auch leihweise einige Partien für den FC Chelsea absolvierte. Doch seine Karriere als Sportler sollte vom Krieg unterbrochen werden.

Der erste Weltkrieg brach aus und Woosnam, der sich freiwillig für die Armee meldete, kämpfte unter anderem in der Schlacht von Gallipolli und gegen Ende des Kriegs an der Westfront. Nach Kriegsende nahm er einen Job bei den Crossley Brothers an, die Pioniere in der Herstellung von Verbrennungsmotoren waren und 1988 von Rolly-Royce aufgekauft wurden. Woosnam verdiente nämlich mit seinen sportlichen Höchstleistungen Zeit seines Lebens kein Geld und war auf einen geregelten Beruf angewiesen, um seine Frau und die Kinder versorgen zu können.

Seine Liebe zum Sport wurde dadurch jedoch keineswegs beeinträchtigt. Er spielte bei Manchester City und zeigte so starke Leistungen, dass er als Kapitän der englischen Nationalmannschaft im Jahr 1920 für die olympischen Spiele in Antwerpen nominiert wurde. Woosnam sagte schweren Herzens ab, denn er hatte zu diesem Zeitpunkt schon etwas anderes vor. Das Multitalent hatte sich bereits für die Doppel-Bewerbe im Tennis bei der Olympiade qualifiziert und wollte seine jeweiligen Partner nicht im Stich lassen. Aus sportlicher Sicht bereute er diese Entscheidung sicherlich nicht, denn er gewann das Finale der Männer mit seinem Doppelpartner Noel Turnbull und sicherte sich so seine erste olympische Medaille, die noch dazu eine goldene war. In den Zeitungen war zu lesen, dass Woosnams Volleys und die Returns den Unterschied ausmachten. Am selben Tag trat er auch im Finale des Mixed-Doppels mit Kitty McKane an, war aber verständlicherweise schon etwas ausgelaugt, sodass am Schluss “nur“ die Silbermedaille herausschaute.

Die Kapitänsschleife des englischen Nationalteams durfte er ein wenig später dennoch tragen und führte das Team so beispielsweise zu einem 1:0-Sieg gegen Wales. Er blieb seinem Klub Manchester City treu und spielte die gesamte Saison durch. Als die Spielzeit zu Ende war schnappte er sich den Tennisschläger und gewann das Mixed-Doppel in Wimbledon. Nach diesem Triumph führte er Großbritannien als Davis-Cup-Kapitän in die USA, wo sein Team jedoch in der zweiten Runde gegen Australien scheiterte. Er musste einen Monat auf die Heimreise warten und vertrieb sich die Zeit bis das Schiff wieder aus dem Hafen fuhr mit Golf. Egal gegen wen er spielte – es fand sich kein ebenbürtiger Gegner für den Engländer.

In den USA sprach sich schnell herum, dass sich ein sportliches Ausnahmetalent im Land befand und Filmstar Charlie Chaplin lud Max zu einer Partie Tennis zu sich nach Hause ein. Woosnam war schon immer ehrgeizig und ließ dem Schauspieler keine Chance. Charlie Chaplin fand es allerdings weniger lustig, dass in der darauffolgenden Tischtennispartie der Engländer kurzerhand seinen Schläger gegen ein Buttermesser austauschte und auch mit diesem Handicap die Partie für sich entschied. Der Filmstar soll ihm diese Vorführung äußerst übel genommen haben.

Im Jahr 1922 brach sich Woosnam während einer City-Partie das Bein und benötigte fast ein Jahr, bis er wieder fit war. Er gab zwar vor 60.000 Zuschauern sein Comeback, fühlte sich aber nicht mehr so stark und athletisch wie früher, sodass er gleich nach seiner ersten Partie zum Manager ging und seinen Rücktritt verkündete.

Er spielte eine einige Zeit weiterhin Tennis, war abermals Davis-Cup-Kapitän, doch seine Leistungen waren nach der Verletzung nicht mehr so, wie er es selbst von sich erwartete. Er schloss sich einer großen britischen Chemiefirma an und arbeitete sich dort bis in die Vorstandsebene hinauf. Wenn er nicht im Büro war, betrieb er in jeder freien Minute Sport, wenn auch nicht mehr auf höchster Wettkampfebene. Er spielte Golf, Tennis, Squash und Snooker, wobei er hier ein perfektes Spiel schaffte – also den gesamten Tisch abräumte, ohne dass sein Gegner an den Tisch kam.

Im Jahr 1965 starb Max Woosnam an den Folgen seines größten Lasters. Obwohl er als einer der außergewöhnlichsten Sportler aller Zeiten in die Geschichte einging, war er Zeit seines Lebens ein schwerer Raucher.

Seine Kinder erinnerten sich an ihren Vater mit gemischten Gefühlen, da er aufgrund seiner zahlreichen Aktivitäten nur selten Zeit für sie hatte. Sein jüngster Sohn sagte beispielsweise, dass sein Vater ihn dazu ermutigte Tennis zu spielen, aber nie selbst die Zeit fand, um mit ihm zu trainieren. „Die traurige Wahrheit ist, dass ich ihn eigentlich kaum gekannt habe. Wir haben so gut wie nie ein Gespräch miteinander geführt“. Auch seine Tochter Penny meinte: „Mein Vater war größer als das Leben selbst. Es war immer lustig ihn um sich zu haben, er war sehr schlau und immer für eine Herausforderung zu begeistern. Wenn du aber mit seinem Tempo nicht mithalten konntest, dann bliebst du zurück, denn er hatte keine Zeit zu verschwenden, bei den vielen Aufgaben, die er hatte.“

Stefan Karger, www.abseits.at

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