Nur noch neun Runden stehen auf der Insel am Spielplan und irgendwie will heuer alles nicht so recht nach dem üblichen Drehbuch laufen. Die... Der Blick auf den Zielsprint in der verrücktesten Premier-League-Saison
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_Leicester City - Wappen, LogoNur noch neun Runden stehen auf der Insel am Spielplan und irgendwie will heuer alles nicht so recht nach dem üblichen Drehbuch laufen. Die Foxes erleiden – weiterhin – nicht den prognostizierten Einbruch und wollen Historisches erreichen. Dazu gleich dahinter als erster Verfolger die Spurs, die so weit vorne dann auch keiner auf der Rechnung hatte. Das Arsenal sich in den Champions-League-Plätzen einfindet ist dann weniger eine Überraschung. Dass das Starensemble von Manchester City dagegen so hinterherhinkt, hingegen schon. Meister Chelsea, sowie die selbsternannte Titelfavoriten von Manchester United und Liverpool haben sich dagegen schon längst aus dem Titelrennen verabschiedet. Es bleibt an der Tabellenspitze spannend, doch wie schaut das verrückte Titelrennen in der stressigen Zielgeraden der Premier League Saison 2015/16 nun aus. Wir fassen zusammen.

Leicester City – Der Sensationstabellenführer

Die Ausgangslage:

Über den sentimentalen Liebling aller Fußballromantiker wurde schon viel gesprochen. Der von Experten prognostizierte Einbruch will und will einfach nicht passieren. Seit Mitte November ist die Ranieri-Elf (ausgenommen von drei Spieltagen) Tabellenführer. Mit 60 Punkten beträgt der Vorsprung aktuell fünf Zähler auf Tottenham und acht auf Arsenal. Dazu ist der mit den Einzelspielern wohl am besten bestückte Titelkandidat bei einem Spiel weniger schon 10 Punkte zurück: Manchester City. Mit 52:31 hat man aber die doch deutlich schlechtere Tordifferenz als Tottenham. Andererseits sind die Foxes die Einzigen ohne Mehrfachbelastung und so gab es zuletzt sogar eine Woche Urlaub für Christian Fuchs und Co. Hält der vor der Saison als Top-Abstiegskandidat gehandelte Außenseiter die letzten Wochen auch noch durch, wird dies die verrückteste Geschichte der Premier League sein. Wenn nicht sogar eines der größten Fußballmärchen seit 1992, dem EM-Sieg der aus dem Urlaub geholten Dänen. Unabhängig vom Endstand, die milliardenschwere Konkurrenz wird sich jetzt schon hinterfragen müssen, wie ein Underdog den Stars der Branche so lange auf der Nase herumtanzen konnte.

Das Restprogramm
Newcastle Utd. (19 Platz momentan – Heimspiel)
Crystal Palace (15 / a)
FC Southampton (9 / h)
AFC Sunderland (17 / a)
West Ham Utd. (5 / h)
Swansea City (16 / h)
Manchester Utd. (6 / a)
FC Everton (12 / h)
FC Chelsea (10 / a)

Tottenham Hotspur – Der erste Verfolger

Die Ausgangslage:

Auch die Spurs hatte heuer keiner auf dem Zettel für den Titelgewinn. Der jetzt schon in greifbare Nähe gerückte Top-Four-Platz schien vor der Saison eher ein schwer erreichbarer Wunschtraum. Nun rockt die Pochettino-Elf mit nur fünf Punkten Rückstand auf Leicester die Liga. Bitter schmerzen vor allem die beiden direkte Duelle, die gegen den Leader verloren gingen. Dazu nur ein Punkt im direkten Nordlondon-Derby am vergangenen Samstag. Neben dem Restprogramm in der Meisterschaft tanzt man auch noch auf zwei weiteren Hochzeiten: durch FA-Cup und Europa-League wird sich der Terminplan etwas dichter gestalten, wobei die gestrige 3:0-Niederlage gegen Dortmund wohl ein absehbares Ausscheiden aus dem Europacup bedeutet. Auch beim Tabellenzweiten verstärkt ein Österreicher die Defensive. Kevin Wimmer sicherte sich in den letzten Wochen mit starken Leitungen seinen Platz in der Innenverteidigung, die mit nur 24 Gegentoren das „Fort Knox“ der Premier League ist.

Das Restprogramm
Aston Villa (20 / a)
AFC Bournemouth (14 / h)
FC Liverpool (7 / a)
Manchester Utd. (6 / h)
Stoke City (8 / a)
West Brom (11 / h)
FC Chelsea (10 / a)
FC Southampton (9 / h)
Newcastle Utd. (19 / a)

Arsenal – Wie immer auf CL-Kurs

Die Ausgangslage:

Acht Punkte beträgt der Rückstand schon auf Leicester City. Die Ausgangslage könnte deutlich besser sein, doch mit Niederlagen gegen Chelsea, Manchester United und zuletzt Swansea verloren die Gunners wieder etwas an Boden. Auch das glückliche Unentschieden zuletzt gegen Tottenham bedeuteten schlussendlich eher zwei verlorene Punkte. Dass die Wenger-Elf weiterhin erstmals seit zwölf Jahren wieder nach dem Meisterpokal greifen könnte, verdankt man vor allem dem Last-Minute-Sieg zuletzt gegen Leicester. Die internationale „Belastung“ ist wohl bald vorüber, dafür ist man im FA-Cup noch vertreten. Zuletzt präsentierte sich die Hintermannschaft weniger sattelfest, die schlechteste Tordifferenz von den Top vier ist auch ein weiterer Minuspunkt für den Schlusssprint. Zumindest am Papier sieht das Restprogramm vom Favoritenquartett am Machbarsten aus.

Das Restprogramm
West Brom (11 / h)
FC Everton (12 / a)
FC Watford (13 / h)
West Ham Utd. (5 / a)
Crystal Palace (15 / h)
AFC Sunderland (17 / a)
Norwich City (18 / h)
Manchester City (4 / a)
Aston Villa (20 / h)

Manchester City – wenig überzeugend in der Liga zuletzt

Die Ausgangslage:

Zehn Punkte (bzw. sieben nach Verlustpunkten) beträgt der Rückstand auf Leicester. Der direkte Champions-League-Quali-Platz drei wäre schon das absolute Pflicht-Minimum. Mit Rang vier wäre zumindest die Champions-League-Qualifikation für die kommende Saison unter Pep Guardiola gerettet! In dieser sind die Sky-Blues heuer noch bestens vertreten und mit einem Bein im Viertelfinale. Soweit schafften es City noch nie, deshalb liegt die Priorität wohl in erster Linie an der Mission „Champions-League-Titel“. Nach dem für Sommer bereits fixierten Trainerwechsel, zeigt die Tendenz in der Meisterschaft klar nach unten. Dazu fühlen sich die Blauen auswärts sehr unwohl, nur 19 Punkte konnten aus 13 Spielen geholt werden, ein dürftiger Wert angesichts der hochgesteckten Erwartungen.

Das Restprogramm
Newcastle Utd. (19 / a)
Norwich City (18 / a)
Manchester Utd. (6 / h)
AFC Bournemouth (14 / a)
West Brom (11 / h)
FC Chelsea (10 / a)
Stoke City (8 / h)
FC Southampton (9 / a)
FC Arsenal (3 / h)
Swansea City (16 / a)

Das Fazit

Es bleibt – wenig überraschend – weiterhin spannend und unberechenbar. Keiner der Titel-Kandidaten fiel bislang mit gewaltiger Konstanz auf. So wie auch Mitte der Vorwoche als Leicester patzte und die Verfolger tags darauf alle mit Niederlagen den Abstand sogar noch vergrößerten. Ähnliches Bild auch am letzten Wochenende, als Tottenham und Arsenal mit einem Remis den Rückstand auf Leicester weiter vergrößerten.

Alle Teams haben regulär noch neun Spiele. Manchester City dazu noch ein zehntes, das Nachtragsspiel bei Newcastle. Arsenal und Manchester City treffen noch im direkten Duell aufeinander. Leicester stehen am Papier etwas leichtere Wochen bevor, ehe es beim Grande Finale gegen Manchester United, Everton und Chelsea ums Eingemachte geht. Doch wenn uns diese Saison bislang etwas gelehrt hat, dann das man getrost alle Statistiken und Favoritenrollen in den Wind schießen darf. Spannende Woche sind im Titel-Thriller der Premier League garantiert. Und mittendrin statt nur dabei sogar zwei österreichische Teamspieler! Die Chance lebt, dass es pünktlich zur Euro auch erstmals einen rot-weiß-roten Premier-League-Sieger geben könnte.

Werner Sonnleitner, abseits.at

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Werner Sonnleitner