Heute startet die Premier League in die neue Saison. Da ein neuer TV-Kontrakt im heimischen Markt in Kraft tritt, gibt es einige Neuerungen, z.B.... Der Saisonstart 2016/17 in England aus medialer und sportökonomischer Perspektive
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Euro Fußball Geld_abseits.atHeute startet die Premier League in die neue Saison. Da ein neuer TV-Kontrakt im heimischen Markt in Kraft tritt, gibt es einige Neuerungen, z.B. andere Anstoßzeiten und mehr Spiele als jemals zuvor im britischen Fernsehen. Infolgedessen werden natürlich auch höhere Summen an TV-Geldern ausgeschüttet. Auch in anderen Bereichen ändert sich einiges.

Nicht zuletzt durch die neuen Trainer Antonio Conte, Pep Guardiola, José Mourinho und dem Aufsehen erregenden Wechsel von Paul Pogba zu Manchester United sagen viele eine unvergleichliche Spielzeit hervor. Heute um 13:30 Uhr MESZ geht es los mit Überraschungsmeister Leicester City bei Aufsteiger Hull City. Was ändert sich 2016/17?

TV-Rechteinhaber und neue Anstoßzeiten

Zum Schutz des unterklassigen Fußballs werden bekanntlich nicht alle Spiele im heimischen Fernsehen gezeigt. Zwischen 14:45 und 17:15 Uhr Lokalzeit ist eine Übertragung verboten, sodass die Topspiele außerhalb dieses Zeitfensters stattfinden. Die Anzahl der TV-Spiele steigt mit dem neuen TV-Kontrakt, der von 2016-2019 läuft, von 154 auf 168. Übrigens steht jetzt schon fest, dass es danach sogar zu einer Erhöhung auf 190 kommt, weil die Regulierungsbehörde nach einer Beschwerde zu der Meinung gekommen ist, dass durch die relativ niedrige Anzahl die Preise in die Höhe getrieben werden. Die Premier League reagierte umgehend darauf mit der entsprechenden Ankündigung. Doch zurück zur aktuellen Situation. Es waren fünf Pakete mit je 28 und zwei Pakte mit je 14 Spielen ausgeschrieben. BT Sport, vormals Inhaber des 12:45-Uhr-Slots samstags, hat nun das Paket mit 28 Spielen samstags um 17:30 Uhr erworben. Mutmaßlich erhofft man sich dadurch mehr Zuschauer, schauen doch bekanntlich samstagmittags nicht so viele Leute Fernsehen im Vergleich zu spätnachmittags. Des Weiteren darf BT Sport in den drei englischen Wochen dienstags und mittwochs je ein Spiel um 19:45/20:00 Uhr übertragen. Weiterhin sind in diesem Paket noch acht Spiele enthalten, die entweder samstags um 12:30 Uhr, samstags 17:30 Uhr oder sonntags um 12 Uhr stattfinden können, sodass man für dieses Paket auf 14 Spiele kommt. Insgesamt hat BT Sport damit die Rechte an 42 Spielen. Im Zeitraum davor waren es 38.

Sky, die die restlichen fünf Pakete gewonnen haben, dürfen 126 Spielen zeigen. Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen war es ihnen nicht erlaubt, noch mehr Pakete mit mehr Spielen zu erwerben. Eines der Pakete umfasst 28 Spiele samstags um 12:30 Uhr. Hier wurde die Anstoßzeit um 15 Minuten vorgezogen. Dazu kommen 28 Spiele sonntags um 13:30 Uhr oder 14:15 Uhr (vorher (14:05) und 28 Spiele sonntags um 16:00 Uhr oder 16:30 Uhr (vorher 16:10). Durch die leichten Entzerrungen ist eine längere Vor-und Nachberichterstattung möglich. Die Anstoßzeiten in Klammern kommen überhaupt nur dann vor, wenn es einen Tripleheader gibt, also BT Sport sich für ein Spiel sonntags um 12:00 Uhr vorher entscheidet. Das vierte Paket beinhaltet weitere sechs Spiele sonntags um 13:30 Uhr oder 14:15 Uhr (vorher 14:05) oder sonntags um 16:00 Uhr oder 16:30 Uhr (vorher 16:10) und acht Spiele an Bankfeiertagen. Eine neue Anstoßzeit stellt der Freitagabendtermin um 19:30/20:00 Uhr dar, der maximal zehnmal erlaubt ist. Zusätzlich ist sind in diesem letzten Paket mindestens 18 Montagsspiele um 20:00 Uhr enthalten. Sky kann also flexibel wählen, ob sie lieber mehr Montags- oder Freitagsspiele haben möchte, um auf die 28 Spiele für dieses Paket zu kommen.

Sky hat 26 First-Picks, darf sich nun also 26 Mal (vorher 20) zuerst ein Spiel pro Spieltag aussuchen, BT dagegen nur 12 Mal (vorher 18). Jeder Klub muss mindestens fünfmal ausgewählt werden, maximal sind 29 Selektionen erlaubt.

TV-Geld aus UK

Einige bisherige Transfers machten schon die Möglichkeiten deutlich, die die Klubs aufgrund des enormen Anstiegs der Fernsehgelder jetzt haben. Sky bezahlt unglaubliche 83 Prozent (nun £4,2 Mrd.) mehr, BT 18 Prozent (nun £960 Mio.) für den Zeitraum von drei Jahren. Insgesamt ergibt sich eine Steigerung um 70 Prozent. Damit resultieren runtergerechnet pro Spiel Kosten von £10,19 Mio. Analysten hatten derweil £330 Mio. weniger erwartet, die Sky zahlen werden würde. Da sie aber vorher schon die Champions und Europa League an BT Sport verloren hatten, mussten sie hohe Summen bieten, um sicher sein zu können, die Rechte auch wirklich zu erhalten. Die Zahlen wirken vor dem Hintergrund, dass es schon im der Rechteperiode vorher eine Steigerung um rund 70 Prozent gab, nochmals erstaunlicher. 95 Prozent dieser Summe geht direkt an die Klubs. Mit dem Rest will die Premier League den Nachwuchsfußball fördern, z.B. mit 50 Kunstrasenplätzen. Derzeit zahlen die Klubs übrigens 70 Prozent ihres Einkommens für Gehälter und Agenten. Aufgrund dessen ist es auch verständlich, wenn plötzlich Spieler z.B. aus französischen Topklubs bei englischen Klubs aus dem unteren Drittel unterschreiben, denn die Premier League hat im Vergleich mit den anderen vier europäischen Topligen die ausgeglichenste TV-Geldverteilung. Das Verhältnis zwischen Meister und Letztem beträgt nur 1 zu 1,5. 50 Prozent wird gleichmäßig an alle verteilt, 25 Prozent anhand des Tabellenplatzes aus der Vorsaison und 25 Prozent abhängig von der Anzahl an Übertragungen im heimischen Fernsehen. Ferner kommt noch eine weitere große Geldquelle hinzu, die ebenfalls gleichmäßig ausgeschüttet wird: TV-Gelder aus dem Ausland.

TV-Geld aus dem Ausland

$1,732 Mrd. pro Saison erhält die Liga fortan für die nächsten drei Jahre aus der ganzen Welt. Das sind 47 Prozent mehr als 2013-2016. Damit ist das Wachstum etwas zurückgegangen, waren es vormals sogar rund 60 Prozent. Der größte Teil kommt aus Asien ($577,5 Mio.). Dabei betrug die Steigerung nur 14 Prozent, aber vorher waren es bereits 68 Prozent, sodass langsam eine Sättigung erkennbar ist. Dagegen explodierte das Wachstum in Europa auf $542,5 Mio. pro Saison. In Lateinamerika und der Karibik wird $106 Mio. gezahlt, was auch mehr als eine Verdoppelung darstellt.

Viele Telekommunikationsanbieter trieben dabei die Preise in die Höhe und stachen die vorherigen Rechteinhaber aus, um in Zeiten großer Konkurrenz auf dem Markt Anreize zu schaffen, bei ihnen Festnetz- und Mobilfunkverträge abzuschließen.

Alle 20 Klubs der Premier League sind nun automatisch nur aufgrund der TV-Gelder unter den 30 reichsten Klubs der Welt.

Übertragungsqualität und Sponsoring

BT wird jedes der 42 und Sky 124 der 126 der Spiele in Ultra HD ausstrahlen. In keiner anderen europäischen Liga finden sich derart viele Spiele in dieser Qualitätsstufe. Damit zeigt die Premier League in diesem Bereich die Vorreiterschaft.

Die Liga hat sich für ein komplettes Rebranding inklusive neuem Logo entschlossen. Darunter fällt auch der Verzicht auf einen Namenssponsor erstmals seit 1994. Man ist der Meinung, dass man durch das Fernsehgeld ausreichend finanziell ausgestattet ist und orientiert sich als Marke an den US-Profiligen NFL, NBA, MLB und NHL, die bekanntlich keinen Sponsor im Namen tragen. Für die letzten drei Jahre wurden £120 Mio. gezahlt. Dafür hat man mehr Premiumsponsoren als bevor in unterschiedlichen Bereichen. Nichtsdestotrotz sollen die Klubs in ihrer Sponsorenwahl nicht eingeschränkt werden.

Zuschauerzahlen

In der letzten Saison betrug das durchschnittliche Zuschaueraufkommen 36.452. Durch die Abstiege von Newcastle (49.754), Aston Villa (33.690) und Norwich (26.972) verließen Klubs mit sehr hohen Zuschauerzahlen die Liga, die durch die Aufsteiger Middlesbrough (Durchschnitt letzte Saison: 24.627), Hull City (17.199) und Burnley (16.823) selbst bei dauerhaft ausverkauften Stadien nicht kompensiert werden können. Weil jedoch Liverpool die Anfield Road fertig umgebaut hat und West Ham in das Olympiastadion umzieht, steigt die Gesamtkapazität leicht. Es bleibt abzuwarten, ob sich das dann auch im Gesamtzuschauerschnitt niederschlägt. Aus dieser Perspektive ist besonders der Abstieg von Newcastle schmerzlich, standen sie doch auf Platz vier der Zuschauertabelle.

FA Cup und League Cup

Ab dem Viertelfinale des FA Cups ist nach Ende der regulären Spielzeit ein vierter Wechsel möglich. Zudem wird bei einem Unentschieden nicht mehr ein Wiederholungsspiel beim vorherigen Gastteam ausgetragen, sondern das Spiel geht in die Verlängerung. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass es nur sehr schwer gelingt, freie Termine für Wiederholungsspiele zu finden. Aufgrund der Vorschrift der UEFA, dass nationale Spiele nicht parallel zu europäischen Wettbewerben stattfinden dürfen, wenn sie im heimischen Fernsehen gezeigt werden wollen, kam es schon in der Vergangenheit zu Unstimmigkeiten mit der UEFA. Die TV-Rechteinhaber BT Sport und die BBC dürften darüber nicht erfreut sind, bringt doch ein Wiederholungsspiel an zwei Tagen hohe Quoten.

Der League Cup, der vorher einen Namenssponsor hatte, firmiert nun unter der Bezeichnung EFL Cup. Der Ausrichter, die English Football League (EFL), unterzog sich auch einem Rebranding mit neuem Logo und neuem Namen. Vorher trug die für die Profiligen zwei bis vier zuständige Organisation den Namen The Football League. Mit einem Namenskürzel orientiert man sich hier gleichermaßen an den US-Ligen. Somit soll man besser in sozialen Netzwerken darüber reden können. Zusätzlich betont man das „English“ mit dem E, weil vorher mit The Football League nicht weltweit nicht jedem klar war, worum es sich handelt und man trotz der Unterklassigkeit ein globales Wachstum anstrebt. Damit entgehen dem Ausrichter rund £6 Mio. pro Saison, die für den letzten Vierjahreskontrakt entrichtet wurden. Obwohl die Klubs der Premier League häufig nur B-Teams auf den Platz schicken, wird der Wettbewerb mittlerweile in über 190 Länder übertragen.

Christoph Trompeter, abseits.at

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