An den vergangenen zwei Spieltagen musste Manchester City zwei herbe Rückschläge im Meisterschaftskampf hinnehmen. Bei Everton spielten sie nur Unentschieden, während Chelsea in der... Zu alt und zu teuer: Manchester Citys Kaderprobleme
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Manchester City - Logo, WappenAn den vergangenen zwei Spieltagen musste Manchester City zwei herbe Rückschläge im Meisterschaftskampf hinnehmen. Bei Everton spielten sie nur Unentschieden, während Chelsea in der Zwischenzeit gewann. Am Wochenende verloren sie sogar gegen Arsenal – Chelsea gewann erneut. War man dank der überraschenden 5:3-Niederlage Chelseas gegen Tottenham plötzlich punktgleich mit dem Meisterschafts-Topkandidaten gewesen, so sind es jetzt ebenso plötzlich fünf Punkte Rückstand.

Gegen eine Mourinho-Mannschaft im zweiten Jahr und noch 16 ausstehenden Spieltagen gleicht das Aufholen dieser Punkte einer Herkules-Aufgabe. Auch auf internationaler Bühne stehen nach abermals inkonstanten und wenig beeindruckenden Leistungen in der Gruppe schwere Spiele gegen den FC Barcelona auf dem Programm. Titelerfolge in dieser Saison sind zwar nach wie vor möglich, allerdings überaus unwahrscheinlich.

Doch City hat nicht nur kurz- und mittelfristige Probleme, sondern auch langfristige. Neben den taktischen und spielerischen Mängeln, welche man in den letzten Monaten zwar durch einzelne Anpassungen und die individuelle Stärke gegen schwächere Gegner etwas kaschierte, ist es besonders die Kaderstruktur, welche zu Kopfzerbrechen führen sollte.

Nur die gleichen bekannten Gesichter…

In der Anfangszeit der Ära Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyans seit 2009 galt Manchester City als das Paradebeispiel eines komplett überfrachteten und hochbezahlten Kaders, der jeden Sommer komplett umgetauscht wird. Dies hat sich allerdings trotz weiterer Investitionen in den letzten Transferphasen etwas verändert, insbesondere in Bezug auf die erste Elf. Diese Veränderung ist allerdings nicht nur etwas Gutes – zumindest nicht für Manchester City.

Joe Hart, Vincent Kompany, Pablo Zabaleta, Aleksandar Kolarov, Yaya Touré, David Silva, Samir Nasri und Sergio Agüero: Diese acht Spieler bilden schon seit längerem den Kern der Stammelf bei Manchester City. Das Problem? Der jüngste all dieser Spieler ist der bald 27-jährige Sergio Agüero. Auf ihn folgen Torwart Joe Hart und Samir Nasri mit bald 28 Jahren. Zabaleta, Touré und Kolarov sind sogar 30 oder älter.

Verschärft wird diese Problematik dadurch, dass die Ersatzspieler und auch die Neueinkäufe Citys in den letzten Transferphasen nicht wirklich jünger als dieser Kern sind. Langjährige Ersatzspieler (oder auch Stammspieler, wenn in Form) wie Milner (29 J.), Sagna (32 J.), Clichy (30 J.) und Dzeko (29 J.) sind langfristig keine Optionen mehr auf höchstem Niveau.

Die Transfers der letzten Jahre waren nicht besser; Fernandinho wird 30, Lampard 37, Fernando 28, Demichelis 35, Caballero 34 und Jesús Navas 30. Andere Verpflichtungen wie Bony und Jovetic sind zwar nicht ganz so alt, aber ebenfalls über 25. Nur Mangala und Boyata befinden sich unter 25 Jahren, haben sich aber ebenso wie Jovetic noch nicht in der englischen Liga etabliert. Und hier liegt auch das Problem.

Fortan muss alles perfekt ablaufen

An sich ist das natürlich kein unlösbares Dilemma. Reguläre Transfers von guten und passenden Spielern beim gleichzeitigen Abgeben von bisherigen Spielern, welche leistungs- und altersmäßig nicht in das Team passen würden einen nahtlosen Übergang ermöglichen, ohne größere Leistungseinbußen. Nur ist das nahezu unmöglich. Selbst bei hervorragendem Scouting wird es immer Fehler und Pannen geben. Die Wunschlösung wird nicht rechtzeitig verfügbar, manch sehr guter Fußballer passt taktisch nicht zu seinen Mitspielern, dazu kommen leider immer wieder einige schwere Verletzungen und Eingewöhnungsprobleme. Ergo wird man es schlichtweg nicht schaffen, dass man durchgehend Erfolge auf dem Transfermarkt verbucht, schon gar nicht unter Zeitdruck.

Dazu kommen weitere Hindernisse, nämlich die aktuelle Gehaltsstruktur und das FFP. Um vor einigen Jahren – ohne besondere internationale Historie oder größere Erfolge in den letzten Saisonen – namhafte Spieler zu verpflichten, musste Manchester City enorme Summen in die bezahlen. Meistens wird dies nur bei der Ablöse medial betrachtet, doch das wirkliche Problem ist das Gehalt.

Jeder Spieler bei City verdient enorm viel, wodurch ein großer Kader bei einer so stark besetzten Bank nicht möglich ist. Außerdem ist der Wiederverkaufswert dadurch geringer, weil schlichtweg niemand einen Spieler mit einem solchen Gehalt übernehmen möchte beziehungsweise kann. Besonders bei den älteren Spielern ist dies schwierig; keiner übernimmt einen 30-Jährigen nach seiner Bestform, der so viel Geld wie einer der Topstars bei diesem Verein verlangt.

Natürlich kann City den Vertrag auslaufen lassen, doch hier greift die FFP-Problematik. Ohne Einnahmen werden Ausgaben schwierig. Die Vielzahl an hochdotierten Verträgen auslaufen zu lassen, sorgt natürlich für geringe Einnahmen. Anderen Mannschaften Spieler abzukaufen, welche für diese wichtig sind und die natürlich auch wissen, dass City dringend neue Spieler benötigt, wird sowohl ablöse- als auch gehaltstechnisch ungemein teuer.

In gewisser Weise befindet sich City also in einer Sackgasse, welcher man nur auf vier Arten entkommen kann. Die ersten beiden verstehen sich von selbst: Kriminalität durch überteuerte Sponsorenverträge zur Umgehung des FFP und Korruption bei der UEFA, um das durchgehen zu lassen, ist der erste Weg. Trotz Gerüchten darf man so etwas natürlich nicht unterstellen. Der zweite Weg ist massives Glück, dass man günstig Spieler erhält und die überteuerten eigenen Spieler für viel Geld abgeben kann. Glück ist es deswegen, weil es schlichtweg sehr unwahrscheinlich ist.

Es bleiben also zwei theoretisch mögliche Wege: Das perfekte und somit fast unmögliche Wirtschaften und der sportliche Erfolg.

Kurzfristig muss alles passen

Sportlicher Erfolg ist auch finanziell von ungeheurer Wichtigkeit für City. Eine erfolgreiche CL-Kampagne und eine spektakuläre Aufholjagd in der englischen Liga bringen nicht nur direkten finanziellen Erfolg durch Prämien, sondern erhöhen den Wert der Marke und der einzelnen Spieler. Mithilfe sportlicher Erfolge kann man vor dem FFP erhöhte Sponsor- und Werbeeinnahmen durchbringen, welche hier einzeln kontrolliert werden.

Erfolge sorgen auch dafür, dass man eventuell einzelne Spieler wegen deren Forderungen unbedingt zum Verein wechseln zu wollen günstiger bekommt und womöglich eigene Spieler anbringt, die zuvor doch niemand wollte. Dies ist zwar enorm vom Zufall abhängig, doch eine der wenigen Optionen, um halbwegs realistisch den Kader mit etwas geringeren Investitionen verändern zu können.

Diese Erfolge werden allerdings nicht kommen. Kompaktheit, Pressing, saubere Abläufe und eine intelligente, synergetische Offensivstruktur fehlen schlichtweg. Pellegrini scheint seine Ideen in diesen Kader nicht implementieren zu können, trotz einzelner interessanter Experimente in Bezug auf Asymmetrie und guten Reaktionen auf Verletzungen (bspw. James Milner als Ersatz für Sergio Agüero in einem 4-2-3-1/4-4-2-0). Um die dringend benötigten sportlichen Erfolge einfahren zu können, dürfte deswegen im Sommer wohl ein Trainerwechsel anstehen, außer Pellegrini kann die Mannschaft doch noch etwas verstärken. Der Bony-Transfer ist zumindest ein kleiner potenzieller Hinweis darauf.

René Maric, www.abseits.at

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Rene Maric