Ein Mangel an Urlaubstagen macht erfinderisch, so wurde  – beziehungsweise wird – in kurzer Zeit hintereinander dreimal (oder gar öfters?) Frankreich angesteuert.  Dank der... EM-Tagebuch aus Paris (11): Une „Eineken“, s’il vous plait
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Freunde im PubEin Mangel an Urlaubstagen macht erfinderisch, so wurde  – beziehungsweise wird – in kurzer Zeit hintereinander dreimal (oder gar öfters?) Frankreich angesteuert.  Dank der gleich nach der Auslosung gebuchten Flüge war dies ein vergleichsweise billiges Unterfangen und nach verspäteter Anreise, kam man dann Freitagabend endlich in der Unterkunft an, klein aber für das Wochenende absolut ausreichend. Der Besuch in der Fanzone beim Eiffelturm wurde kurzfristig abgesagt, zu groß war die Müdigkeit.

Nachdem dies bereits der sechste Besuch in Paris ist, hat die Stadt nur noch wenige unbekannte Sehenswürdigkeiten zu bieten und man beschloss am Matchtag dem etwa eine Stunde entfernt gelegenen Schloss „Chambord“ einen Besuch abzustatten. Nachdem die Zeit schnell verstrichen war, wurde noch vor der Zugabfahrt ein “Eineken“ geordert, nachdem das Wort „Heineken“ offenbar der Kellnerin nicht bekannt war.

Nach kurzem Aufenthalt in Orleans wurde einer der kleineren der Pariser Bahnhöfe – Austerlitz – angesteuert, danach ging es noch kurz in die Unterkunft, um sich für das so wichtige Spiel in Schale zu werfen.  Ein kurzer monsunartiger Regenguss ließ die geplante Abfahrt zum Spiel etwas nach hinten verschieben und die aus dem Fenster gehängte rot-weiß-rote Fahne wollte auch noch eingeholt und ausgewunden werden. Nun gut, also dann halt Jacke an, Kapuze auf und raus in die Weltuntergangsstimmung.

Nach und nach füllte sich die Metro bei jeder Station, wie im ersten Gruppenspiel schien es ein Heimspiel zu werden, nur wenige Portugiesen wurden gesichtet. Bei der Station „Trocadero“ kam es dann zu einem größeren Stau, der Bahnsteig wurde offenbar kurzfristig von der Polizei geräumt. Nach etwa zehn Minuten ging es weiter und wir näherten uns langsam der Station „Porte de Saint-Cloud“ im 16. Arrondissement, wo sich nur einen Sesselwurf entfernt das Prinzenparkstadion befindet, Heimat von Paris Saint Germain, Spielzeug vom katarischen Geschäftsmann Nasser Ghanim Al-Khelaifi.

Man bemerkte recht bald, dass man sich in Paris befand, mehr Polizeipräsenz, mehr Sicherheitskontrollen, aber alles unkompliziert und freundlich. Ein Polizist ließ es sich nicht nehmen, den leicht übergewichtigen älteren Herrn vor mir zu fragen, ob er „la bombe“ unter seinem Shirt habe, Gelächter auf beiden Seiten, auch so kann Polizeiarbeit aussehen.

Etwa 20 Minuten vor Spielbeginn erreichte man seinen Platz, diesmal im zweiten Rang, etwas rechts vom Fansektor gelegen, jedoch ebenfalls komplett in rot-weiß-rot getaucht. Nachdem kurze Differenzen bezüglich des Sitzplatzes bereinigt waren, begann also das Spiel, rechts von mir Sympathisanten von Red Bull, die sich wunderten warum ich nicht „Auf geht’s Salzburg kämpfen und siegen“ mitsingen wollte, links von mir ein älterer Herr mit Hemd und Sonnenhut, mehr an seinem Handy als am Spiel interessiert. Nun gut, jeder wie er mag.

Bei fantastischer Stimmung der österreichischen Kurve gegen einen auf den Rängen praktisch inexistenten Gegner wurde der unbelohnte Sturmlauf von Portugal beobachtet, mit der österreichischen Defensive mitgezittert und bei Ronaldos verschossenem Elfer gejubelt – Ergebnis bekannt, Laune gut.

Man beschloss also diesen einen, vielleicht nicht ganz verdienten Punkt, bei einem Bier zu feiern.

Nun aus dem einen Bier wurden ein paar mehr und der Abend wurde später und später, es wurde über Aufstellung, Taktik und kommende Gegner philosophiert und gegen halb 4 kam man dann doch in der Unterkunft an, sah sich außerstande den Koffer zu packen und verschob dies auf den (viel zu frühen) Morgen. Topfit – naja die Kopfschmerzen mal ausgeblendet – wurden die Sachen gepackt und sich zum Flughafen begeben, das altbekannte Problem der mangelnden Urlaubstage eben.

Nun haben wir also unser Endspiel am kommenden Mittwoch gegen Island im Stade de France, man wird sich vor allem in der Offensive steigern müssen, um der noch recht kurzen österreichischen EM-Geschichte ein weiteres Kapitel hinzufügen zu können. Ich kann´s kaum erwarten…

Martin Bartos, abseits.at

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Martin Bartos