Mit Wales und der Slowakei trafen am Samstagabend zwei Teams aufeinander, die zum ersten Mal an einer EM-Runde teilnehmen. Die frühe Führung durch Gareth... Hartumkämpft: Auf das slowakische Comeback folgte das walisische
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_Flagge WalesMit Wales und der Slowakei trafen am Samstagabend zwei Teams aufeinander, die zum ersten Mal an einer EM-Runde teilnehmen. Die frühe Führung durch Gareth Bales Freistoßtreffer spielte der kompakten, gut organisierten Mannschaft von Chris Coleman in die Karten und so entwickelte sich eine chancenarme Partie, die durch viele Mittelfeldzweikämpfe geprägt wurde. Eine taktische Umstellung nach der Halbzeitpause änderte kurzfristig die Gegebenheiten des Spiels und sorgte für einen offenen Schlagabtausch in Halbzeit Zwei.

Grundformationen

Die Slowaken, welche im 4-1-4-1-System mit Duris als einziger Spitze und Hamsik und Kucka als Achter begannen, mussten nun öfters gegen die defensiv extrem gut gestaffelten Waliser in der ersten Linie aufbauen und konnten nicht ausschließlich auf Konter lauern. Die beiden Innenverteidiger Skrtel und Durica ließen den Ball häufig horizontal zirkulieren, fanden allerdings danach keine adäquate Anspielstation nach vorne. Mit Kucka und Hamsik verfügen die Slowaken zwar über zwei vertikal ausgerichtete Spieler, welche in der Lage sind, Bälle nach vorne zu tragen, beide konnten allerdings nur sehr tief im Halbraum angespielt werden. Erhielten sie dort den Ball wurden sie konsequent durch herausrückende Waliser an der Ballannahme gestört, die dadurch  dynamische Folgeaktionen verhinderten. So entwickelte sich eine zerfahrene erste Hälfte, welche immer wieder durch kleine Foulspiele und Nickligkeiten unterbrochen werden musste.

Wales fehlte es im Laufe der ersten Hälfte an offensiver Präsenz um wirklich nachhaltig gefährlich zu werden. Balleroberungen im Mittelfeld konnten auf Grund mangelnder Offensivpräsenz nicht sauber ausgespielt werden. Dies lag vor allem an der sehr auf Kompaktheit und Stabilität ausgerichteten taktischen Formation. Sie agierten weitgehend in einem 5-2-2-1-System. Die beiden Außenspieler Gunter und Taylor hielten nicht permanent die gleiche Höhe mit der Dreierkette, sondern stellten bei eigenem Ballbesitz situativ ein 3-4-1-2-System her.

In dieser Grundformation formierten sich die Waliser meist in der eigenen Hälfte, mit der ersten Pressinglinie etwa auf Höhe der Mittellinie. Die beiden Doppelsechser Allen und Edwards stellten zusammen mit den Zehnern Ramsey und Williams das Zentrum und die diagonalen Passwege auf die Außen zu. Bale versperrte den vertikalen Weg in das Zentrum. Konnten die Slowaken doch einmal ins Mittelfeldzentrum eindringen, zog sich das Vierermittelfeld eng zusammen und zwang Hamsik und Kucka zu Rückpässen auf die Innenverteidiger. Bei eigenem Ballbesitz spielten die Waliser geduldig, ließen den Ball lange in der ersten Linie laufen und versuchten dadurch die Slowaken etwas herauszulocken, um dann mit Hilfe von diagonalen Bällen auf die aufrückenden Wingbacks für Gefahr zu sorgen. Auf Grund der 3-4-1-2-Ordnung verfügt die erste Linie im Aufbauspiel über viele Passoptionen in das Mittelfeld. Allen und Ramsey ließen sich häufig in die Halbräume fallen und kurbelten das Spiel aus der eigenen Hälfte an.

Slowakei fokussiert rechten Halbraum

Der slowakische Trainer Kozak verzichtete zur Halbzeitpause auf Wechsel, stellte sein Team dennoch leicht verändert ein. Die letzte Linie wurde nun konsequenter besetzt und die Außenverteidiger schoben weit nach vorne um dem Spiel Breite zu geben, sowie die walisischen Wingbacks hinten zu binden. Gerade der rechte Außenverteidiger und Bundesliga-Legionär Pekarik beteiligte sich oftmals an Offensivaktionen.  Dadurch entstand mehr Raum für Robert Mak, welcher immer häufiger aus dem rechten Halbraum diagonal die walisische Fünferkette attackieren konnte. Nach einer Stunde wechselte Kozak den Sechser Hrosovsky aus und brachte mit Duda einen offensiven Mittelfeldspieler, der eine relativ freie Rolle hinter Stoßstürmer Nemec einnahm. Es entstand eine Art 4-2-3-1-System. Duda erzielte dann prompt mit seinem zweiten Ballkontakt den Ausgleich. Wieder konnte Mak vom rechten Halbraum diagonal in den Strafraum ziehen und Duda bedienen, der keine Mühe hatte aus rund elf Metern einzuschieben.

Wales war angeschlagen und büßte bis zur 70 Minute an vertikaler Kompaktheit ein. Die Slowaken rannten zwar weiter verbissen an, konnten aber auf Grund von Unsauberkeiten in der Positionsfindung sowie Ungenauigkeiten im Passspiel keine weiteren Chancen herausspielen. Im Laufe der zweiten Hälfte fand Wales zunehmend zur Stabilität der ersten 45 Minuten zurück und streute wieder längere Ballbesitzphasen ein. Eine längere Ballstafette ebnete dann auch den Weg für den siegbringenden Treffer des eingewechselten Robson-Kanu. Ramsey positionierte sich geschickt, im nach der Auswechslung von Hrosovsky häufig verwaisten Sechserraum, und steckte auf den eingewechselten Robson-Kanu durch.

Fazit

Die Waliser zeigten eine taktisch ansprechende Leistung und unterstrichen einmal mehr, dass sie nicht ausschließlich von Gareth Bale abhängig sind. Defensiv agierten sie sehr diszipliniert und verschlossen über weite Strecken das Zentrum. Durch ihre sehr tiefe Fünferabwehrreihe fehlten ihnen allerdings die Verbindungen nach vorne, um auch nach Ballgewinnen offensiv gefährlich zu werden. Die Slowaken legten ein starkes Comeback hin und konnten in der zweiten Halbzeit durch Halbraumüberladungen die vertikale Kompaktheit der Waliser erfolgreich bearbeiten. Letztendlich wirkten sie aber taktisch und spielerisch zu limitiert um das Spielfeld als Sieger verlassen zu können.

Marius Kaltwasser, abseits.at

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Marius Kaltwasser