Zur Vorbereitung auf die Europameisterschaft 2016 analysieren die Experten und Autoren von abseits.at die sechs EM-Gruppen. In je zwei Artikeln pro Gruppe werden die... Men To Watch, Gruppe D: Das kroatische Wundermittelfeld und die tschechischen Superflügel
Pin It

Ivan Rakitic - FC Barcelona, Kroatien_abseits.atZur Vorbereitung auf die Europameisterschaft 2016 analysieren die Experten und Autoren von abseits.at die sechs EM-Gruppen. In je zwei Artikeln pro Gruppe werden die Aufsteigertipps und die interessantesten Spieler beleuchtet.

In Gruppe D spielen Spanien, Tschechien, die Türkei und Kroatien.

Daniel Mandl

Bei Spanien freue ich mich auf die Neuordnung in der Offensive mit Spielern wie Nolito oder Morata. Dass Spieler mit dem Atlético-Gen, wie Koke oder CL-Final-Pechvogel Juanfran, auch ein wenig das Kämpferische in der sonst meist filigranen spanischen Auswahl verkörpern, wird dieser Truppe die richtige Würze verleihen. Zudem denke ich, dass Sergio Ramos nun am Höhepunkt seiner ohnehin großen Karriere angekommen und mehr Leader denn je ist. Dass mit Iniesta, Busquets oder Silva auch ein wenig vom „alten Gold“ dabei ist, kann nicht schaden. Die Mischung des dreifachen Europameisters und doppelten (!) Titelverteidigers gefällt mir derzeit ausgesprochen gut.

Bei Tschechien freue ich mich speziell auf die beiden Flügelstürmer: Rechts Borek Dockal, links Ladislav Krejci – beide von Sparta Prag. Denkbar ist auch, dass Tomás Rosicky – ausgerechnet zwischen den beiden Erstgenannten – zu seinem verdienten Abschied im Nationalteam kommt. Allerdings nicht als Good-Will-Einwechsler, sondern durchaus als Stammspieler. Die Routine, die der 35-Jährige mitbringt, taugt Teamchef Pavel Vrba und ein Platz in der ersten Elf ist nicht unwahrscheinlich. Die Stars der Kroaten – Modric, Rakitic, Kovacic, Perisic oder Mandzukic – sind hinreichend bekannt, aber mindestens ebenso interessant sind die vielen Jungen, die bei der EURO einen großen Schritt machen können. Jede Wette, dass einer aus dem jungen Dinamo-Zagreb-Trio Ante Coric (19), Marko Rog (20) und Marko Pjaca (21) noch die eine oder andere Zunge zum Schnalzen bringen wird. Müsste ich wetten, würde ich nicht auf den hochgelobten Coric, sondern den polyvalenteren Rog tippen. Bei den Türken fehlen momentan ein wenig die „Typen“, weshalb man speziell Galatasarays Selcuk Inan und Barca-Star Arda Turan beobachten sollte. Auffällig ist zudem, dass der pragmatischere Besiktas-Reservist Cenk Tosun mittlerweile bessere Karten im Sturmzentrum haben dürfte, als der wuchtige, frischgebackene China-Legionär Burak Yilmaz.

Stefan Karger

Busquets, Iniesta, Thiago Alcantara, David Silva, Koke – was soll man zu diesem Mittelfeld noch sagen? Im Sturm zeigte sich Nolito in den letzten Tagen in hervorragender Form und seine Doppelpacks gegen Bosnien und Südkorea sollten ihm wohl einen Startplatz neben Morata einbringen, der gegen das südkoreanische Nationalteam ebenfalls zweimal traf. Aritz Aduriz ist natürlich ebenfalls eine interessante Option im Angriff. David de Gea dürfte im Tor den Vorzug gegenüber Iker Casillas erhalten.

Zwischen Tschechien und Kroatien erwarte ich einen heißen Tanz um den zweiten Platz. Würde Kroatien die Stärken des Traummittelfelds bestehend aus Modric, Rakitic und Kovacic effizienter unter einen Hut bringen und dazu einen Stürmer haben, der zu dieser hochkarätigen Mittelfeldreihe passt, dann würden sie wohl um den Gruppensieg mitspielen. In der Vergangenheit war dies jedoch nicht immer der Fall und Mandžukić wirkte oft wie ein Fremdkörper. Im Gegensatz dazu verfügen die Tschechen bis auf Goalie Petr Cech über keine absoluten Weltstars, auch wenn der mittlerweile bereits 35-jährige Tomáš Rosický noch immer aus dem Kollektiv herausragt. Trainer Pavel Vrba holt mit seinem 4-2-3-1-System jedoch das absolute Maximum aus der Mannschaft heraus. Vrbas Mannschaft kann sowohl hohes Pressing praktizieren, als auch gegen starke Gegner tief hinten drin stehen, um nach einem Ballgewinn gefährliche Konteraktionen starten.

Auch die Türkei verfügt über ein hochinteressantes Mittelfeld und darüber hinaus mit Calhanoglu über einen Spezialisten, der mit seinen Standards Partien entscheiden kann. Lediglich die Abwehr, speziell die Innenverteidigung, machte nicht immer einen sattelfesten Eindruck. Fatih Terim ist ein alter Trainerfuchs, der sich auch angesichts der starken Konkurrenz in der Gruppe D sicherlich etwas einfallen lassen wird.

Alexander Semeliker

Nachdem bei Spanien die Barca-Mittelfeldachse abgeschwächt wurde, wird es interessant werden, wer neben Sergio Busquets und Andres Iniesta das Spiel diktieren wird. Die Kandidatenliste liest sich außerordentlich gut: Cesc Fabregas, Thiago Alcantara und Koke. Gerade letzterer beweist bei Atletico seit Jahren, dass er sowohl physisch und technisch als auch taktisch ein sehr kompletter Spieler ist. Im Sturm haben die Spanier mit Alvaro Morata und Spätstarter Aritz Aduriz zwei gefährliche Waffen. Auch auf Celta-Flügelstürmer Nolito darf man gespannt sein.

Nachdem die Kroaten in der Defensive Probleme haben wird es umso wichtiger werden, dass sie Spielkontrolle an sich reißen. Mit Ivan Rakitic, Mateo Kovacic und natürlich dem strategisch überragenden Luka Modric haben sie sehr gute Voraussetzungen dafür. Hinzu kommen die beiden sehr talentierten Marko Rog und Ante Coric, die wertvolle Erfahrung sammeln werden. Dass es Alen Halilovic, der in Spanien vor allem zu Saisonbeginn stark spielte, nicht den endgültigen Kader schaffte, spricht eine deutliche Sprache. Im Angriff konnte Andrej Kramaric bei Hoffenheim im Frühjahr aufzeigen und Mario Mandzukic ergänzen oder sogar verdrängen. Bei den Tschechen imponiert Borek Dockal am Flügel. Die Türken bauen ihre Spielweise um Kapitän Arda Turan auf. Mit Ozan Tufan haben sie des Weiteren einen jungen, talentierten Mittelfeldstrategen.

Fabian Schaipp

Bei den Spaniern sind die meisten Spieler sowieso aus der spanischen Liga und den internationalen Klubwettbewerben gut bekannt. Hoffnungen auf einen Platz in der Startelf darf sich Nolito von Celta Vigo machen, der in den Testspielen überzeugte.
Bei Kroatien darf man sich auf ein hochklassiges Mittelfeld freuen: neben Modric und Rakitic, ist Milan Badelj vom AC Florenz zwar weniger bekannt, allerdings sind seine strategischen Fähigkeiten und seine Pressingresistenz im Aufbauspiel nicht zu verachten. Badelj könnte somit die Verbindung zwischen Modric und Rakitic in den Halbräumen bilden. Eine weitere Stärke sind seine gut getimten und präzisen Pässe hinter die Abwehr. Zudem stehen mit Kovacic und Ante Coric sowie Marko Rog (beide Dinamo Zagreb) talentierte Alternativen bereit.

Marius Kaltwasser

Hakan Calhanoglu hätte sicherlich das Potenzial zu einem der  Shootingstars der EM zu werden. Leider wartet man bei ihm seit einiger Zeit auf den ganz großen Durchbruch. Der herausragende Freistoßschütze bringt zwar auf verschiedenen Positionen Qualität mit, bei Bayer Leverkusen wirkte es allerdings so als gäbe es keine Idealposition für ihn. In der Nationalmannschaft wird er vorrangig auf dem rechten Flügel eingesetzt. Arda Turan verzichtete extra auf ein halbes Jahr Spielpraxis um beim FC Barcelona zu spielen. Dort absolvierte er eher selten Spiele über die volle Distanz. Es bleibt abzuwarten, ob man dem offensiven Mittelfeldspieler den fehlenden Spielrhythmus ansehen wird. Der Kroate Luka Modric gilt als ausgesprochen intelligenter Fußballer. Er verfügt über ein herausragendes Ballgefühl und trifft auf dem Platz fast immer die richtigen Entscheidungen. Sergio Busquets ist womöglich einer der am meisten unterschätzten Spieler der letzten Jahre. Allerdings verfügte er über eine hohe Pressingresistenz und würgt gegnerische Angriffe durch sein balanciertes Stellungsspiel oftmals schon sehr schnell ab. Kurios ist sicherlich die Nominierung von Aritz Aduriz. Der 35-Jährige hat bisher erst vier Länderspiele bestritten, die letzten Jahre aber konstant in der Primera Division getroffen.

Pin It

abseits.at Redaktion