Es sind bemerkenswerte Zeiten für den heimischen Fußball. Das Nationalteam qualifiziert sich souverän zum ersten Mal auf sportlichem Weg für eine Europameisterschaft, ein Österreicher... Drei Siege in drei Spielen: Rapid auf der internationalen Überholspur
Pin It

SK Rapid Wien Wappen Logo Europa League_abseits.atEs sind bemerkenswerte Zeiten für den heimischen Fußball. Das Nationalteam qualifiziert sich souverän zum ersten Mal auf sportlichem Weg für eine Europameisterschaft, ein Österreicher ist der wertvollste Verteidiger der Welt und Rapid hat nach drei Spieltagen in der aktuellen Europa League fast so viele Siege geholt wie davor in vier Gruppenphasen, also in 24 Begegnungen. Dieser Höhenflug bringt naturgemäß einige sehr wertvolle Begleiterscheinungen mit sich, so hat man sich auf Jahre hinaus die Setzung in wichtigen Playoff-Runden erspielt und wird sich eher noch weiter steigern können. Finanziell hat sich das Abenteuer Europacup bereits mehr als bezahlt gemacht. 5,4 Millionen Euro konnten aus dem Champions League Playoff und der Teilnahme an der Europa League lukriert werden, die drei Siegprämien spülten etwas mehr als eine weitere Million in die Klubkasse.

Rapid ebnet den Weg für eine erfolgreiche Zukunft

Mussten die Grün-Weißen in den letzten Jahren stets um die Setzung bangen, dürfte dieser Umstand auf unbestimmte Zeit der Vergangenheit angehören. Heuer benötigte man zu Beginn des Wettbewerbs rund 16 Punkte, der SK Rapid hält mittlerweile bei 19,360 Punkten und hat damit bereits jetzt die höchste Punkteanzahl seit Beginn dieses Wertungssystems erreicht. Zudem profitieren die Hütteldorfer heuer nicht von den Erfolgen der Salzburger, welche das eigene Punktekonto stets zusätzlich aufgefettet haben.

Wie man der unteren Tabelle entnehmen kann, hat Rapid vor zwei Jahren fünf Punkte eigenständig erspielt, heuer sind es bereits sechs Punkte. Von den 19,360 Punkten sind 4,860 Punkte auf die Länderwertung und die Ergebnisse anderer österreichischer Vertreter zurückzuführen. Diese Punkte bekommt jeder Vertreter (zu den gegebenenfalls eigenen erspielten Punkten) dazugerechnet. Bei der Topnation Spanien liegt dieser Wert bei 17,828 Punkten und sorgt damit nur durch die Länderwertung bereits für eine Setzung im Playoff.

Eine weitere, äußert erfreuliche Begleiterscheinung: Man wird die Saison zum ersten Mal vor dem Länderkoeffizienten der Engländer und Deutschen beenden. Damit vermeidet man, dass sämtliche Teilnehmer aus diesen Ländern automatisch vor Rapid gesetzt werden. In der aktuellen Saison platzierten sich Augsburg, Southampton und West Ham vor Rapid, obwohl sie in den letzten fünf Jahren keine eigenen Punkte erspielen konnten. Damit war sowohl die Setzung im Europa League Playoff massiv gefährdet, als auch der dritte Topf in der Auslosung. Diese Gefahr bleibt den Hütteldorfern nun bis auf weiteres erspart. Gelingt noch ein weiterer Sieg, lässt man die Spanier ebenfalls hinter sich. Dieser Vorteil wird natürlich nur schlagend, wenn sich ein Außenseiter für das europäische Geschäft qualifiziert.

Als Konsequenz daraus befindet man sich mittlerweile auf Platz 92, die Chancen stehen also recht gut, bereits heuer unter den 90 besten Mannschaften Europas zu landen. In den nächsten zwei Jahren fallen zudem sehr schwache Ergebnisse aus der Wertung, die 1,4250 Punkte erspielt man bereits mit einer Teilnahme an der dritten Qualifikationsrunde.

In der folgenden Tabelle sind nun sämtliche Gegner der Hütteldorfer, sowie Meilensteine der Rangliste und die nationale Konkurrenz aufgelistet.

   11/1212/1313/1414/1515/16Ges.
23.DonezkUKR9,550018,90012,56619,0004,840064,856
30.AjaxNED14,7209,84211,18315,2162,550053,512
39.PilsenCZE10,05015,70012,6001,77502,820042,945
40.SalzburgAUT8,42501,450018,56011,8252,100042,360
49.VillarrealESP8,17143,54284,600016,0425,471437,828
60.BateBLS6,62509,90001,35007,10006,825031,800
70.TwenteNED17,7204,84281,18322,71660,550027,012
80.BordeauxFRA2,100014,3503,70002,18323,116625,449
92.RapidAUT1,42502,45006,56002,32506,600019,360
96.AustriaAUT7,42500,45009,56000,82500,600018,860
(100.)Spanien 4,17143,54284,60004,04281,471417,828
162.MinskBLS0,62500,90001,35004,10002,825009,800
(269.)Österreich 1,42500,45001,56000,82500,600004,860

Zusätzlich ist es nach mehr als eineinhalb Jahrzehnten gelungen, den Stadtrivalen zu überflügeln, dieser liegt mittlerweile „nur“ mehr auf Position 96.

Sämtlichen Fans der Hütteldorfer liegt noch die Zielsetzung von Präsident Krammer, dass man in die Top-50 Europas vorstoßen will, im Ohr. Nun, bis dorthin ist es noch ein weiter Weg, aber zumindest in der ewigen Europa League Tabelle befindet man sich aktuell auf Position 52 und in der heurigen Europacupsaison liegt man auf Rang 28 und hat damit bereits sieben Champions League Teilnehmer, die alle den Startvorteil von vier Bonuspunkten hatten, überflügelt.

Ein Punkt in Pilsen fixiert die erste internationale Überwinterung seit 20 Jahren

Mit dem gestrigen Sieg ist Rapid dem großen Ziel einen großen Schritt näher gekommen. Seit der Finalteilnahme Mitte der 90er Jahre warten die Hütteldorfer vergeblich auf einen Europacupauftritt im Frühjahr. Kann man die aktuelle Form und Konzentration konservieren, darf man in der heurigen Saison auch noch im Februar um Punkte kämpfen.

Die Ausgangsposition zur Halbzeit ist sehr gut, hält allerdings auch trügerische Tücken bereit. Alle Spekulationen erledigen sich mit einem Punktegewinn am nächsten Spieltag, wenn es zum Retourspiel in Pilsen kommt. Vermeidet Rapid eine Niederlage, steht man bereits nach dem vierten Spieltag als Aufsteiger fest.

Bei einer Niederlage könnte es noch einmal spannend werden. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Minsk die Gruppe mit 0 Punkten beendet. Verliert Rapid nun die nächsten beiden Spiele, sieht vor dem letzten Spieltag die Konstellation folgendermaßen aus.

Villarreal 12 Punkte – Pilsen 9 Punkte – Rapid 9 Punkte – Minsk 0 Punkte

Dann hat Rapid zwar noch das Heimspiel gegen Minsk, allerdings kann Pilsen zu Hause gegen die wahrscheinlich fix qualifizierten Spanier ebenfalls mit einem Heimsieg spekulieren.

Aus diesem Grund ist der gestrige Sieg auch mit einem Schönheitsfleck versehen. Statt dem durchaus möglichen 4:1, fängt man sich noch das 3:2 und darf sich somit in Pilsen keine Niederlage erlauben. Mit jedem Sieg bis zu einem 4:3 geht das direkte Duell an die Tschechen. Auch wenn es aktuell noch ein theoretisches Konstrukt mit einigen Variablen ist, besteht durchaus die Möglichkeit, dass 12 Punkte nicht zum Aufstieg reichen.

Als kleiner Trost: In den bisherigen sechs Europa League Saisonen sind Mannschaften mit maximal 10 Punkten nach der Gruppenphase ausgeschieden.

Der Rückstand auf Platz 15 schmilzt kontinuierlich, drei Siege fehlen zum großen Glück

Zu Beginn der Gruppenphase waren die Chancen für eine Rückeroberung von Platz 15 und dem damit verbundenen zweiten Champions League Platz praktisch nicht existent.

Rumänien brachte zwar kein Team in die Gruppenphase, verfügte jedoch über einen beträchtlichen Vorsprung auf Österreich. Der letzte heimische Vertreter hat damit die Vorgabe, sechs Siege in der aktuellen Saison zu feiern.

In der Gruppenphase wird sich das wahrscheinlich nicht ausgehen, allerdings hat Rapid mit einer erfolgreichen Qualifikation im Frühjahr noch mindestens zwei weitere Spiele. Aktuell darf man auf diese so wichtige Rückeroberung also zumindest hoffen.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass Dinamo Zagreb in der Champions League auf dem letzten Platz bleibt und keine drei Siege mehr feiert. Aktuell liegen die Kroaten mit ihrem einzig verbliebenen Team einen Sieg hinter Österreich und eben drei Siege hinter den Rumänen. Dinamo hat noch zwei Auswärtsspiele bei Olympiakos und Arsenal, sowie am letzten Spieltag ein Heimspiel gegen die Bayern zu bestreiten. Die Gefahr auf drei Siege in der Gruppenphase hält sich also sehr in Grenzen, der dritte Platz ist allerdings – wenn auch mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit – noch möglich.

Daniel Walter, abseits.at

Pin It

Daniel Walter