Heute startet die Ligue 1 in die neue Saison. Da ein neuer TV-Kontrakt im heimischen Markt in Kraft tritt, gibt es einige Neuerungen, z.B.... Der Saisonstart 2016/17 in Frankreich aus medialer und sportökonomischer Perspektive
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Frankreich - Flagge_abseits.atHeute startet die Ligue 1 in die neue Saison. Da ein neuer TV-Kontrakt im heimischen Markt in Kraft tritt, gibt es einige Neuerungen, z.B. andere Anstoßzeiten und eine Aufstiegsrelegation. Infolgedessen werden natürlich auch höhere Summen an TV-Geldern ausgeschüttet. Auch in anderen Bereichen ändert sich einiges.

Nach dem bitteren sportlichen Ausgang des Finals der EM, die allerdings organisatorisch und finanziell ein Erfolg war, und dem Zuschauerflop des Supercups (Trophée des Champions) in Klagenfurt beginnt die französische Liga um 20 Uhr traditionell mit einem Auswärtsspiel des Meisters. PSG tritt auf Korsika bei Bastia an. Was ändert sich 2016/17?

Neue Anstoßzeiten und TV-Rechteinhaber

Im Großen und Ganzen unterscheiden sich die Anstoßzeiten nicht so sehr von den vorherigen. Am Regelspieltag rückt der Freitagstermin von 20:30 Uhr auf 20:45 Uhr, der Samstag bleibt mit einem Spiel um 17 Uhr und fünf Spielen um 20 Uhr unverändert genauso wie das Sonntagsspiel um 17 Uhr. Das Sonntagsspiel von vormals 14 Uhr findet nun um 15 Uhr statt und der Sonntagabendtermin wird um 15 Minuten auf 20:45 Uhr vorgezogen. Letztgenannter Termin ist der, an dem die Topspiele ausgetragen werden, denn dieser war in dem Toppaket in der Rechteausschreibung, die die Spielzeiten 2016-2020 umfasst. Canal+ bekam hier den Zuschlag und wollte, dass der Termin weiterhin bei 21 Uhr bleibt, vermutlich, weil die Primetime in Frankreich erst gegen 21 Uhr anfängt und die Zuschauer jahrelang an den Topspieltermin um 21 Uhr gewöhnt waren. Die französische Liga LFP berief sich jedoch auf die klaren Fakten der Ausschreibung und lehnte es ab. Man wollte zudem eine Vereinheitlichung schaffen, denn am Freitag spielt man ja nun auch um 20:45 Uhr. Außerdem zeigt Canal+ das Freitagsspiel und das Samstagsspiel um 17 Uhr. Diese drei Anstoßzeiten setzen sich aus dem beiden Toppaketen zusammen. Darunter hat Canal+ 28 Mal den First Pick, zehnmal den Second Pick und 38 Mal den Third Pick. Das lässt erkennen, dass man die Topteams auch weiterhin zu diesen Anstoßzeiten zu sehen bekommt. Die anderen sieben Spiele werden von beIN Sports, eine Marke vom katarischen Fernsehsender Al-Jazeera, gezeigt. Hier wird deutlich, dass mit dieser Form der Unterstützung PSG, bekanntlich in Besitz von Tamim bin Hamad Al-Thani, dem Kronprinzen von Katar, und die Liga wettbewerbsfähiger gemacht werden sollen.

TV-Gelder und Übertragungen

Canal+ zahlt 540 Mio. € und beIn Sports 186,5 Mio. € pro Saison, was insgesamt 726,5 Mio. € ergibt. Das ist eine Steigerung um rund 20 Prozent, wurden bisher doch nur 607 Mio. € erzielt. Die Verteilung geschieht wie folgt: 50 Prozent werden gleichmäßig an alle Klubs ausgeschüttet, 30 Prozent durch Ergebnisse in der Liga und 20 Prozent anhand der Einschaltquoten.

Für diese Summen müssen die Klubs einige Zugeständnisse machen. Alle Klubs sind verpflichtet, in der Woche vor dem Spiel einen Spieler für Interviews abzustellen. Am Spieltag selbst hat ein Spieler oder der Trainer 45 bis 90 Minuten vor dem Anstoß dem übertragenden Sender ein Interview zu geben. Für die Highlightshows der beiden Sender am Sonntagabend ist es jedem Klub auferlegt, zwei Angestellte aus dem Klub zu entsenden.

Durch die Erfahrungen bei der EM soll die Produktionsqualität der Fernsehübertragungen verbessert werden, z.B. durch andere Kamerapositionen. Zusätzlich wird beim Sonntagabendspiel eine Man-of-the-Match-Trophäe eingeführt, über die Zuschauer abstimmen können. Der Gewinner muss dann nach dem Spiel für ein Interview zur Verfügung stehen. Des Weiteren gibt es im Herbst bei jedem Klub einen Media Day, um der Liga und den TV-Partnern Content bereitstellen zu können.

Zuschauerzahlen

Mit Stade Reims (Zuschauerschnitt 11.559), GFC Ajaccio (7.836) und ESTAC Troyes (3.719) verliert die Liga durchschnittlich 23.114 Zuschauer pro Spieltag. Da die Aufsteiger AS Nancy (15.108), Dijon FCO (8.094) und FC Metz (13.271) zusammen schon in der Ligue 2 36.473 Besucher anlockten und eine Etage höher noch höhere Zahlen erwarten werden können, wird der Gesamtzuschauerschnitt der Vorsaison von 20.976 vermutlich übertroffen. Übrigens lag Topklub Monaco mit durchschnittlich 7.836 Zuschauern an vorletzter Stelle und dürfte nun an letzte Stelle fallen.

Relegation, Ligacup und Supercup

Nach einer 24-jährigen Pause gibt es wieder Relegationsspiele. Der Dritte der Ligue 1 hat im Hinspiel gegen den 16. Der Ligue 2 Heimrecht. Hauptgrund dafür ist die Planungssicherheit für Investoren.

Während es beim klassischen Cupwettbewerb (Coupe de France) keine Änderungen gibt, wird im Ligacup (Coupe de la Ligue) erstmals in diesem Jahrtausend das Finale nicht im Stade de France stattfinden. Um die für die EM neu oder umgebauten Stadien auszunutzen und diesen mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, entscheidet der Ligaverband im Herbst zwischen dem Matmut Atlantique (Bordeaux), dem Stade Pierre-Mauroy (Lille) und dem Parc OL (Lyon). Überdies steigt das Preisgeld um 87 Prozent auf 21,5 Mio. € pro Saison.

Wie bereits kurz erwähnt war der Supercup in Österreich zuschauertechnisch ein Flop. Seit 2009 trägt man die Begegnung im Ausland aus. Kanada, Tunesien, Marokko, USA, Gabun, China und erneut Kanada waren die vorherigen Destinationen. Man sieht daran, dass viele französischsprachige Länder dabei waren, weil man wohl dort die Möglichkeit sieht, die Beliebtheit zu steigern, was in anderen Ländern angesichts der Übermacht von Premier League und Primera Divisón nicht so leicht sein ist. Für 2017 steht noch kein Austragungsort fest.

Rasen, E-Sport und ein All-Star Game

In den letzten Jahren war die Liga erbost über die Rasenqualität in einigen Stadien. Als Anreiz für eine Verbesserung dieser Situation werden die drei besten Klubs in dieser Kategorie fortan finanziell entlohnt. Darüber hinaus profitiert hier der innovativste Klub.

Zusammen mit dem Partner EA Sports gibt es Überlegungen, einen neuen Wettbewerb mit allen 20 Klubs im virtuellen Raum einzuführen. Auch ein All-Star-Game steht im Raum, ist aber noch nicht beschlossen.

Christoph Trompeter, abseits.at

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