Schon wieder Bosnien?! So könnte durchaus der erste Eindruck eines Lesers meiner letzten Berichte auf abseits.at sein. Doch bevor man wieder wegklickt, sollte man... Groundhopper’s Diary | Die Komplettierung der bosnischen Premijer Liga
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Bosnien-Flagge_abseits.atSchon wieder Bosnien?! So könnte durchaus der erste Eindruck eines Lesers meiner letzten Berichte auf abseits.at sein. Doch bevor man wieder wegklickt, sollte man sich das Motto, was man einmal begonnen hat, das sollte man auch ordentlich beenden, zu Herzen nehmen. Es stand nämlich die Komplettierung der Premijer Liga BiH auf dem Programm und daher kann ich auch versprechen, dass es wohl für längere Zeit der letzte Bericht aus diesem Land sein wird. Komplettiert wurden zumindest alle Spielstätten der diesjährigen Saison, denn der Aufsteiger NK Metalleghe BSI Jajce spielt all seine Heimspiele im 70 Kilometer entfernten Stadion Pirota in der Stadt Travnik. Um die Spiele in den letzten beiden fehlenden Stadien der diesjährigen Zusammensetzung der höchsten Spielklasse zu besuchen, musste man diesmal in das durch seine Industrie geprägte Mittelbosnien reisen.

NK Žepče U17 – NK Iskra Bugojno U17 2:2 (0:1)

Bevor es zu den Spielen der Premijer Liga BiH ging, wurde noch in der Stadt Žepče ein Zwischenstopp gemacht. Nach dem man auf bosnischen Gebiet rund 100 Kilometer auf der Landstraße dem Flussverlauf der Bosna folgt, erreicht man diese Kleinstadt, die das Tor nach Mittelbosnien bildet.

Im 3.000 Besucher Platz bietenden Gradski Stadion Žepče,  das zwischen 2002 und 2008 auch ein Spielort der bosnischen Premijer Liga war (mittlerweile spielt man nur mehr drittklassig), trafen die Kadeti (= U17) des NK Žepče und des NK Iskra Bugojno in einem Spiel der Omladinska Liga Centar – Grupa „B“ aufeinander. Rund 30 Zuschauer folgten dieser Partie der zweithöchsten Jugendspielklasse des Landes auf tiefem Boden. Die Gäste kamen mit den widrigen Platzverhältnissen zunächst besser zurecht und führten zur Pause mit 1:0. Mit deren zweiten Treffer kurz nach dem Seitenwechsel schien dieses Meisterschaftsspiel bereits entschieden zu sein.

Žepče gab trotz des Rückstandes nicht auf, vergab aber zahlreiche gute Möglichkeiten, unter anderem auch einen Elfmeter. Doch dieser Elfmeter sollte die Wende in diesem Spiel einleiten, denn der Schiedsrichter ließ den Strafstoß wiederholen und ermöglichte den Gastgebern im zweiten Versuch den Anschlusstreffer. Danach drängte Žepče  auf den Ausgleich und wurde für seine Mühen belohnt. In der Schlussphase war es abermals eine Standardsituation, die der Ausgangspunkt für den nächsten Treffer war. Bugojnos Tormann könnte einen gut platzierten Freistoß nur nach vorne abklatschen lassen, wo Žepčes eingewechselter Stürmer goldrichtig stand und trocken zum 2:2-Endstand abstaubte.

FK Mladost Doboj Kakanj – NK Vitez 1:2 (0:2)

Von Žepče ging es vorbei an der Stahlstadt Zenica in die Bergarbeiterstadt Kakanj. In dieser Stadt befindet sich im Ortsteil Doboj auch noch eine mächtige Zementfabrik und daher sind in Kakanj auch zwei erfolgreiche Vereine beheimatet, nämlich der FK Rudar Kakanj und der FK Mladost Doboj Kakanj. Vor zwei Jahren hat der „Zementverein“ den Verein der Bergarbeiter mit seinem Aufstieg in die höchste bosnische Spielklasse überflügelt, denn der FK Rudar kickt weiterhin in der zweitklassigen Prva Liga Federacije BiH. Auch das Stadion Doboj Kakanj wurde auf Vordermann gebracht, in dem auf dem besseren Sportplatz zwei Tribünen und ein Vereinsgebäude errichtet wurden.

Nach dem sensationellen Klassenerhalt in der Vorsaison und dem tollen Start in die diesjährige Saison strauchelt der Mladost-Express in der Liga nun ein wenig und daher sollten im Spiel gegen den NK Vitez wieder einmal drei Punkte gemacht werden, will man nach 22 Runden unter den besten sechs Vereinen sein, die sich für das danach anstehende Meister-Play-Off qualifizieren.

Vor 350 Zuschauern waren die ebenfalls aus Mittelbosnien stammenden Gäste vom NK Vitez in einer schwachen Partie eindeutig effektiver. Sie nutzten ihre wenigen Chancen eiskalt und gingen mit einer komfortablen Führung von 2:0 in die Pause. Der FK Mladost war somit zu Umstellungen gezwungen und wechselte in der Pause einen weiteren Stürmer ein. Der Trainer dürfte dabei ein goldenes Händchen gehabt haben, denn der Joker stach bereits nach wenigen Minuten. Durch diesen Anschlusstreffer keimte beim Publikum wieder Hoffnung auf, doch die Gäste lieferten eine erfolgreiche Abwehrschlacht und nahmen die drei Punkte mit nach Vitez. Nach dem Spiel kam es noch zur Aussprache zwischen der Mannschaft und der Crvena Legija, dem Fanklub des FK Mladost Doboj Kakanj. Diese dauerte einige Minuten, doch nach den anfänglichen Unmutsäußerungen wurde die Mannschaft schließlich mit Applaus in die Kabine verabschiedet.

NK Čelik Zenica – FK Radnik Bijeljina 0:1 (0:0)

Nachdem der Sonntagvormittag spielfrei war, wurden die Stadien des FK Bosna Visoko und des FK Rudar Kakanj besichtigt. Danach ging es weiter in die Hauptstadt der bosnischen Zentralregion, Zenica, wo sich auch das Zentrum der Stahlindustrie des Landes befindet. Dies spiegelt sich ebenso im Vereinsnamen des bekanntesten Fußballvereins der Stadt – dem NK Čelik Zenica – wider, denn Čelik heißt übersetzt nichts anderes als Stahl. Sportlich sind die Stahlstädter in dieser Saison unter ferner liefen. Mit sechs Punkten aus 12 Partien rangieren sie am Tabellenende der Premijer Liga.

An diesem Nachmittag kam der Cupsieger FK Radnik Bijeljina ins Stadion Bilino Polje, das aufgrund seiner tollen Atmosphäre bei vollen Rängen auch als Austragungsort für die Spiele der Nationalmannschaft dient. Zum Spiel gegen die aus dem äußerten Nordosten des Landes stammenden Gäste kamen immerhin 700 Besucher. Unterstützung von den Rängen gab es durch einen kleinen Fanblock hinter dem Tor ebenfalls. Normalerweise ist auf der Hintertortribüne etwas mehr los, aber die „Robijaši“, Zenicas Fangruppe, die sich aufgrund des bekannten Gefängnisses der Stadt „Häftlinge“ nennt, bestreikt die Spiele des NK Čelik.

Auf dem Rasen gab es relativ wenige Höhepunkte. Der FK Radnik spielte taktisch klug und kontrollierte als Auswärtsmannschaft das Geschehen ohne selbst wirklich gefährlich zu werden. Doch Bijeljinas eiskalter Ergebnisfußball trug erneut Früchte, denn 15 Minuten vor dem Spielende sollte ein Treffer für den Favoriten fallen. Es gab einen berechtigten Elfmeter für die Gäste, der sicher verwandelt wurde. So nahm der FK Radnik Bijeljina die drei Punkte mit in die Republika Srpska und bleibt weiterhin auf Kurs, um sich erneut einen internationalen Startplatz zu sichern.

Für den NK Čelik Zenica sieht es hingegen nach wie vor düster aus. Wenn der Verein nicht bald zu punkten beginnt, dann wird man im bosnischen Nationalstadion wohl ab der kommenden Saison nur mehr Zweitligafußball geboten bekommen.

Es folgt die Bildergalerie – alle Bilder lassen sich per Klick vergrößern!

Heffridge, abseits.at

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Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.