Valencia und die gleichnamige Region wurden nach dem Damenspiel verlassen und es ging von der Küste wieder zurück ins Landesinnere Spaniens, genauer gesagt nach... Groundhopper’s Diary | Ein Besuch bei Traditionsklubs in Kastilien und Madrid
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Spanien-Flagge_abseits.atValencia und die gleichnamige Region wurden nach dem Damenspiel verlassen und es ging von der Küste wieder zurück ins Landesinnere Spaniens, genauer gesagt nach Albacete, das in der Region Castilla-La Mancha liegt und sich in etwa auf dem halben Weg zwischen Valencia und Madrid befindet. Das eigentliche Ziel war das Zweitligaspiel Albacete Balompié gegen CD Mirandés, doch in den Ansetzungen konnte noch ein sehenswerter Programmpunkt gefunden werden: Nämlich das Estadio José Copete, in dem noch ein Damenspiel stattfand.

CD Al-Basit Féminas „B“ – CF Feminino Albacete „B“ 2:0 (2:0)

In einer Partie der drittklassigen Preferencia Castilla-La Mancha, die auch den Namen Liga Regional Feminina hat, traf die zweite Mannschaft des CD Al-Basit auf die Zweitvertretung des CF Feminino Albacete. Dieses Spiel wurde aus zwei Gründen mitgenommen. Einerseits ist das Estadio José Copete in unmittelbarer Nähe zum Stadion von Albacete Balompié und andererseits verfügt es über einen vernünftigen Ausbau, in dem es mit 3.000 Sitzplätzen aufwarten konnte. Diese wurden zwar an diesem Nachmittag nicht alle benötigt, aber immerhin kamen 70 Zuschauer zu diesem Spiel dieser B-Mannschaften. Spielerisch war es, so ehrlich muss man sein, eine Offenbarung. Es wurden einem wieder die frühen Anfänge des Damenfußballs in Erinnerung gerufen, wo alle Spielerinnen dem Ball nachliefen und der Ball eigentlich der härteste Gegner aller 22 Akteurinnen war. Dass dieser Eindruck entstand, lag aber auch daran, dass man nur wenige Stunden zuvor wirklich sehenswerten Damenfußball zu Gesicht bekommen hat.

Al-Basit war an diesem Nachmittag doch das bessere Team und entschied diese Partie durch zwei Treffer in der ersten Halbzeit für sich. Feminino Albacete, das sich auch auf einem Abstiegsrang befindet, kam viel zu selten gefährlich vor das Tor, sodass Al-Basit in der zweiten Spielhälfte nur mehr das notwendigste tat, um den Vorsprung über die Zeit zu bringen.

Albacete Balompié – CD Mirandés 1:1 (1:0)

Nachdem der geplante Regionspunkt Castilla-La Mancha bereits im Estadio José Copete eingefahren werden konnte, war das Spiel der Segunda División zwischen Albacete Balompié gegen CD Mirandés im Estadio Carlos Belmonte dennoch mehr als nur eine Draufgabe.

Während Albacete, das schon in der Primera División kickte und wo Andrés Iniesta seine große Karriere startete, in der Segunda División auf einem Abstiegsplatz liegt, ist Mirandés auf Tuchfühlung zu den Play-Off-Plätzen. Somit lag eine spannende Ausgangslage vor und 6.375 Besucher sahen eine beherzt auftretende Heimelf, die bereits in der ersten Spielhälfte mit 1:0 in Führung ging. Nach dem Seitenwechsel rettete der Tormann Albacetes mit einer starken Parade die Führung seiner Mannschaft. Wenige Minuten später wäre er aber im liebsten im Rasen versunken, nachdem er einen einfachen Ball passieren ließ und der herannahende, aber von der Situation ebenfalls überrascht wirkende Stürmer der Gäste den Ball nur mehr über die Linie rollen musste. Da ein Unentschieden aber für keines der beiden Teams zur Erreichung ihrer Ziele wirklich von Nutzen ist, kämpften diese verbissen um den Sieg. So mussten auf jeder Seite ein Spieler mit der Bahre vom Feld getragen und verletzt ausgewechselt werden. In der Schlussphase sah auch noch ein Verteidiger aus Mirandés Gelb-Rot, aber ein weiterer Treffer wollte nicht mehr fallen und so blieb es bei dieser für beide Mannschaften nicht optimalen Punkteteilung.

Für uns ging es direkt weiter nach Madrid. Da Kastilien sehr dünn besiedelt ist, gibt es auf den Autobahnen vor allem gähnende Langeweile. So vertrieben wir uns während der Fahrt mit dem Madrid-Hunderter etwas die Zeit. Dieser wurde von den Mitfahrern frenetisch eingeklatscht als unsere Navi die Entfernung zum Ziel mit 100 Kilometer anzeigte.

Rayo Vallecano de Madrid – Sevilla FC 2:2 (1:2)

Am Sonntag stand ein Spiel der Primera División auf dem Programm. Es ging zu Rayo Vallecano, das im Stadtteil Vallecas im Süden der Hauptstadt Madrid beheimatet ist. Geht man hier durch die Straßen, dann fühlt man sich wie in einer großen Kommune, denn viele Graffitis mit politisch linken Parolen befinden auf den Wänden. Dass der Verein natürlich auch politisch links steht und er auch als St. Pauli Spaniens gilt, muss daher nicht näher erwähnt werden.

Zu Mittag war im Estadio de Vallecas diesmal FC Sevilla, seines Zeichens der amtierende Gewinner der Europa League, zu Gast. Die Stimmung war auf den Fanlagern beider Seiten prächtig und 12.375 Besucher sorgten für eine wahrlich gute Kulisse. Sevilla ging schnell mit 2:0 in Führung und fast hätten die Andalusier noch einen dritten Treffer nachgelegt. Dies wäre wohl die Vorentscheidung in dieser Partie gewesen. Rayos Trainer stellte daher taktisch um und wechselte bereits nach 30 Minuten zwei Mal. Für dieses Risiko wurde er noch mit dem Anschlusstreffer vor der Pause, den der eingewechselte Manucho Gonçalves erzielte, belohnt. Somit waren die Karten daher wieder neu gemischt und nach dem Seitenwechsel gelang Rayo sogar der Ausgleich. Mit den Fans im Rücken drängte Vallecano noch auch den Siegestreffer, aber nach 90 Minuten blieb es bei einem leistungsgerechten 2:2-Unentschieden.

Real Valladolid CF – CD Numancia 2:2 (1:1)

Um nach Valladolid zu gelangen muss man sich leider durch den Stadtverkehr Madrids quälen und wenn man nach einem Tankstopp die falsche Ausfahrt – das Navi meinte ein „Abschneider“ durch einen Ferienort wäre trotz Abreise der Gäste eine gute Idee – nimmt, dann ist es nicht immer leicht wieder in die richtige Spur zu finden. Schon fast der Verzweiflung nahe, würde doch noch eine Möglichkeit gefunden, dem Stau zu entfliehen. Dank beherzter Fahrweise ging sich dann doch noch eine Punktlandung bei dem für die WM 1982 erbauten Estadio José Zorrilla aus.

Dennoch haben mir die Hausherren einen Strich durch die Rechnung gemacht, zumal sie bereits in der dritten Minute – während der Abholung meines Tickets – in Führung gingen. Der heutige Gegner, CD Numancia de Soria, konnte in diesem Derby der Region Castilla y Leon aber noch vor der Pause ausgleichen. Real Valladolid protestierte aber wütend gegen diesen Treffer, weil einer ihrer Verteidiger verletzt im Strafraum lag. Nach dem Seitenwechsel gingen die Gäste aus Soria in Führung, doch die „Pucela“ (so lautet der Spitzname Real Valladolids) konnte wenig später ausgleichen. Als der vermeintliche Führungstreffer Valladolids wegen einer Abseitsstellung aberkannt wurde, war der Schiedsrichter endgültig der Buhmann für die meisten der 9.139 Besucher dieses Zweitligaspiels.

Mit dem Schlusspfiff in Valladolid war dann diese Spanientour auch beendet. Auf der Heimfahrt nach Madrid konnte noch einmal der Madrid-Hunderter eingeklatscht werden, ehe man wieder das Appartement in Flughafennähe erreichte.

Heffridge, abseits.at

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Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.