Fragt man den durchschnittlichen Österreicher womit er den kleinen Inselstaat Malta verbindet, so kommen einem sicherlich sofort der Urlaub am Meer, Sprachreisen oder der... Groundhopping auf Malta: Vier Spiele in zwei Tagen
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spielszene5_abseits.atFragt man den durchschnittlichen Österreicher womit er den kleinen Inselstaat Malta verbindet, so kommen einem sicherlich sofort der Urlaub am Meer, Sprachreisen oder der Linksverkehr in den Sinn. Wir nutzten hingegen die Winterpause in Österreich um uns abseits der Touristenmassen im Sommer ein Bild von der Insel und vor allem vom dortigen Fußball zu machen.

Gemeinsam mit den Profis des Wolfsberger AC, der sich erstmals auf Malta für das anstehende Frühjahr vorbereitet, ging es Freitagabend auf die Mittelmeerinsel. Unser Hauptziel war zwar auch der Fußball, allerdings mussten wir die Lavanttaler wieder enttäuschen, dass wir nicht ihretwegen Malta als Ziel wählten. Bevor Samstag erstmals gegen den Ball getreten wurde mischten wir uns dank Mietauto in den Linksverkehr mit italienischem Einschlag, was auch mehr oder weniger(eher weniger) problemlos klappte und so konnten erste Eindrücke von Kultur und Landschaft gesammelt werden. Die Aussicht von den Dingli Cliffs in Richtung Mittelmeer stellte hier definitiv den Höhepunkt dar.

Senglea Athletic – Gharghur FC, Centenary Stadium, First Division

Auf Malta finden in den Stadien immer Doppelveranstaltungen statt, direkt nach dem ersten Spiel um 14 Uhr folgt um 16 Uhr die nächste Partie im selben Stadion. Über ein eigenes Stadion verfügen nur der Hibernians FC und Hamrun Spartans, wobei auch diese beiden Vereine nicht alle Heimspiele in ihren Stadien austragen. Dank diesem etwas kuriosen Umstand kann man also mit einer Eintrittskarte zwei direkt aufeinanderfolgende Spiele besuchen ohne dabei seinen Platz im Stadion verlassen zu müssen. Wir hingegen nutzen die geringen Entfernungen auf Malta um an diesem Wochenende insgesamt vier verschiedene Stadien zu besuchen, den Auftakt machte dabei Samstag unser einziges Spiel der First Division, was der zweithöchsten Spielklasse entspricht.

Direkt neben dem Nationalstadion befindet sich das Centenary Stadium, wo Senglea Athletic gegen das Tabellenschlusslicht aus Gharghur antrat. Diese Paarung lockte nicht unbedingt die Massen ins Stadion, am Ende dürften es geschätzte 80 Zuschauer gewesen sein, darunter neben uns noch etwa zehn deutsche Groundhopper. Trotz dieser geringen Zuschauerzahl gab es eine strikte Trennung der Fanlager, was angesichts des nicht gerade hoch einzuschätzenden Konfliktpotenzials doch etwas übertrieben wirkte. Das Stadion besteht aus einer Tribüne auf der Längsseite, wovon der mittlere Teil über eine Überdachung verfügt. Der starke Wind sollte nicht nur uns an diesem Tag etwas zu schaffen machen, sondern auch die Spieler hatten sichtlich ihre Probleme mit diesen Bedingungen. So entstanden einige witzig anzusehende Aktionen, unter anderem musste ein Mitspieler vor der Ausführung eines Freistoßes den Ball festhalten, damit es beim dritten Versuch dann auch endlich klappen konnte. Gepaart mit dem ohnehin nicht sonderlich hohen Niveau deutete alles auf ein torloses Remis hin, ehe das favorisierte Team aus Senglea kurz vor Schluss einen Elfmeter zugesprochen bekam, was ihnen drei Punkte brachte und uns einen torlosen Auftakt ersparte.

Birkirkara FC – Valletta FC, National Stadium, Premier League

Gleich nach Abpfiff der Partie im Centenary Stadium ging es zu Fuß zwei Minuten weiter zum Eingang des Nationalstadions, wo um 16 Uhr die Partie der beiden Rivalen aus Birkirkara und der Hauptstadt Valletta angepfiffen wurde. Nichtsahnend wurde das erste Drehkreuz sofort genutzt um rechtzeitig zum Anstoß im weiten Rund zu sein. Wir landeten auf der Längstribüne gegenüber der Fanblöcke, wo sich außer uns nur die vorhin erwähnten deutschen Groundhopper, sowie drei Birkirkara Fans befanden, quasi eine Tribüne nur für Groundhopper – habe ich so zuvor auch noch nie erlebt. Der anwesende Ordner war mit der Situation ebenfalls etwas überfordert, während wir die Gelegenheit nutzten um Fotos von der Haupttribüne und den beiden Fanblöcken zu schießen. Warum die Drehkreuze überhaupt offen waren wenn diese Tribüne eigentlich geschlossen bleiben sollte entzieht sich meiner Kenntnis, aber wer rechnet auch mit so einer Horde an ahnungslosen Groundhoppern.

In der Halbzeit wechselten wir dann problemlos die Tribüne und fanden uns im Valletta Sektor ein.

Das National Stadium verfügt auf jeder Seite über eine Tribüne, wobei nur eine Längstribüne über eine komplette Überdachung verfügt. Die Tribünen hinter den Toren werden wohl sowieso nur für gewisse Länderspiele geöffnet, für den Ligaalltag reicht eine Tribüne vollkommen aus.

Das Stadionerlebnis war hier natürlich ein ganz anderes als beim Spiel zuvor und so konnten beide Vereine mit einem motivierten Fanblock auftrumpfen, wobei mir hier die Jungs und Mädls aus Birkirkara zunächst mehr zusagten, da sie etwas organisierter und deshalb auch lauter wirkten. Allerdings wurden diese mit Verlauf der Partie immer leiser und beschränkten sich später nur mehr auf Unmutsäußerungen in Richtung eigenem Team und Provokationen in Richtung Valletta Fanblock. Die mitgereisten Anhänger aus der Hauptstadt, die von Maltesern übrigens oftmals einfach nur City genannt wird, steigerten sich dagegen von Minute zu Minute und wurden immer leidenschaftlicher und lauter, das hat meine Erwartungen definitiv übertroffen. Eigentlich bin ich ja überhaupt kein Fan von Trompeten als Supportmittel um es noch positiv auszudrücken, doch die Art und Weise wie diese hier zum Einsatz kamen ließ meine Kritik schnell verstummen. Von Trommeln unterstützt sangen und sprangen die Valletta Supporter zu den Melodien, das war schön anzusehen und vor allem anzuhören.

Auf dem Spielfeld entwickelte sich abermals kein wirklich hochklassiges Spiel, aber das war auf Malta zugegeben auch nicht wirklich zu erwarten, eine klare Steigerung zum ersten Spiel war natürlich trotzdem erkennbar. Schlussendlich sicherte sich nicht unverdient das Team aus der Hauptstadt die drei Punkte und bleibt somit an der Tabellenspitze dran, während Birkirkara bereits etwas den Anschluss verliert und im Tabellenmittelfeld festsitzt.

Gzira United – Hibernians FC, Victor-Tedesco-Stadium, Premier League

Am Sonntag sollte sich unser Terminplan wie bereits angekündigt wiederholen, es standen erneut Spiele um 14 Uhr und 16 Uhr an, diesmal allerdings beide in der höchsten Spielklasse. Den Anfang machte hierbei das Duell zwischen Gzira United und den Hibernians aus Paola im Victor-Tedesco-Stadium in Hamrun.

Das Stadion verfügt über eine Tribüne, allerdings diesmal ohne Überdachung und hier wird, wie auch schon im Centenary Stadium auf Kunstrasen gekickt. Natürlich sollte es genau bei diesem Spiel regnen, was einen Teil der Zuschauer zum flüchten unter die kleine Überdachung beim Eingang zwang. Das sorgte dann gegen Ende des Spiels für etwas Chaos, als bereits die Anhänger von Hamrun Spartans, die hier um 16 Uhr im Einsatz waren, ins Stadion kamen. Dennoch wurde es bei diesem „Fantausch“ untereinander nie unfreundlich, wie auch schon bei den ersten beiden Partien funktionierte das wieder sehr gut, was natürlich auch daran liegt, dass der Verband nicht unbedingt verfeindete Fangruppen im gleichen Sektor positioniert. Insgesamt sollte hier das schlechteste der drei Premier-League-Spiele stattfinden, der Zuschauerzuspruch war leider sehr gering und Stimmung kam zu keinem Zeitpunkt auf, was vor allem auf Seiten der Hibernians etwas enttäuschend war, hatte man sich hier doch zumindest ein wenig Support erhofft. Auch das Spiel trug nicht unbedingt zur Verbesserung der Atmosphäre bei, da die Hibernians im Endeffekt recht souverän und ungefährdet mit 3-0 gewannen und somit am Spitzenreiter Balzan dranbleiben, während Gzira weiter mitten im Abstiegskampf steckt.

Floriana FC – Sliema Wanderers, Hibernians Stadium, Premier League

Von Hamrun ging es die kurze Strecke weiter nach Paola, wo die vorhin gesehenen Hibernians zu Hause sind. Heute fand hier aber das Old Firm Derby statt, allerdings nicht das der Glasgower Vereine sondern die Maltesische Version davon, nämlich Floriana gegen Sliema. Diese beiden Vereine dominierten über Jahrzehnte hinweg den maltesischen Vereinsfußball wie sonst kein anderer Klub.

Das Hibernians Stadium machte nach dem Nationalstadion definitiv den besten Eindruck an diesem Wochenende, so  verfügt es zwar ebenfalls nur über eine Tribüne, allerdings ist diese komplett überdacht und in Kombination mit der angrenzenden Kantine konnte sich das schon durchaus sehen lassen. Wie erwartet fanden sich hier wieder einige Zuschauer mehr ein als beim zuvor gesehenen Spiel, beide Fanlager waren absolut motiviert und die Bedeutung dieses Duells für die Anhänger war spürbar.

Es sollte dann auch das mit Abstand unterhaltsamste Spiel werden als neutraler Beobachter, selten bis nie zuvor habe ich ein Spiel mit so vielen Rangeleien erlebt, beinahe jeder Zweikampf endete mit einer Rudelbildung unter den Spielern. Verstärkt wurde die aufgeheizte Atmosphäre noch durch den Führungstreffer für Sliema Mitte der ersten Halbzeit, denn damit begannen diese sehr früh im Spiel teils massiv Zeit zu schinden. Als Sliema kurz nach Wiederanpfiff auf 2:0 erhöhen konnte schien die Sache erledigt, doch die Grün Weißen aus Floriana kamen durch einen fragwürdigen Elfmeter wieder zurück, was die Gehässigkeiten untereinander nicht unbedingt verkleinerte. Es entstand eine richtig gute britische Atmosphäre, quasi jede gelungene Aktion wurde lautstark vom Publikum bejubelt. Gestört wurde das Ganze leider nur von den eingesetzten Trompeten und der positive Eindruck des Vortages bestätigte sich hier leider überhaupt nicht. Während die Anhänger sehr emotional versuchten ihre Teams zu pushen, spielten die anwesenden Blaskapellen völlig unbeeindruckt davon ihre fröhlichen Melodien rauf und runter. 15 Minuten vor dem Ende lies sich Floriana nach einem eigenen Eckball ziemlich naiv auskontern und Sliema bekam einen berechtigten Elfmeter zugesprochen inklusive Platzverweis wegen Torraub für einen Floriana Akteur, womit die Entscheidung gefallen war. Etwas schade, denn eine dramatische Schlussphase wäre die Krönung eines insgesamt sehr netten Fußballspiels gewesen.

Für uns ging es danach noch ins schöne Fischerdorf Marsaxlokk, wo bei 20 Grad die letzten Stunden auf Malta genossen wurden, ehe es wieder zurück in den heimischen Eiskasten ging. Insgesamt war es ein absolut gelungener Ausflug auf die Mittelmeerinsel, die kulturell und landschaftlich auf ganzer Linie überzeugen konnte. Aber auch der Fußball wusste durchaus zu gefallen, auch wenn man hier natürlich nicht mit zu hohen Erwartungen einen Besuch ansteuern sollte.

Es folgen einige Impressionen (alle Bilder lassen sich per Klick vergrößern)

Andreas Maukner, abseits.at

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Andreas Maukner