Als großer Fußballfanatiker versuche ich jeden Urlaub irgendwie mit der schönsten Nebensache der Welt zu kombinieren. Am Ende einer dreiwöchigen Thailandreise im September 2015... Ungewohnte Kurvenmelodien – wenn Bangkok auf Buriram trifft
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Thailand Flagge_abseits.at

Als großer Fußballfanatiker versuche ich jeden Urlaub irgendwie mit der schönsten Nebensache der Welt zu kombinieren. Am Ende einer dreiwöchigen Thailandreise im September 2015 meinte es der Fußballgott (oder der thailändische Verband) gut mit mir und setzte am Tag vor meinem Rückflug von Bangkok nach Wien das Spiel Bangkok United gegen Buriram United an. Grund genug Ko Tao früher als geplant Richtung Hauptstadt zu verlassen. In diesem Beitrag möchte ich euch andere Fußballverrückte spüren lassen, wie sich ein Fußballspiel in der Thai Premier Leauge so anfühlt. Aber lest selbst.

Fußballmetropole Bangkok

Bangkok ist eine riesige Stadt, die mehrere Vereine in der Thai Premier League stellt. Neben Bangkok United, spielen in der Saison 2015/2016 noch mit Army United, Bangkok Glass, BEC-Tero Sasana, der  FC Osotspa-Saraburi, der FC Port und der FC TOT noch sechs weitere Teams aus dem Großraum Bangkok in Thailands höchster Spielklasse. Erwähnenswert ist an dieser Stelle vielleicht, dass der FC Port und der FC TOT mittlerweile abgestiegen sind und durch Vereine aus anderen Teilen Thailands ersetzt wurden. Der Bangkok United FC gehört nicht zu den erfolgreichsten Vertretern, ist 2010 in die First Division abgestiegen und pendelt seit dem Wiederaufstieg 2012 im Mittelfeld der Liga herum, wobei die Tendenz langsam aber stetig nach oben zeigt.

Spitzenspiel

Im letzten September waren die Hauptstädter auf Rang Vier der Tabelle und hatten sogar noch rechnerische Chancen auf den Meistertitel, obwohl sich die Saison bereits dem Ende zuneigte. Mit Buriram United war niemand geringerer als der aktuelle Rekordmeister und der damalige Tabellenführer zu Gast. Die Voraussetzungen für eine brisante Partie waren also gegeben. Fantechnisch erwarteten wir uns dennoch nicht all zu viel, schließlich war Thailand nicht gerade für seine fanatischen Fußballfans bekannt. Auch was den organisierten Support betrifft, ist Thailand ein recht unbeschriebenes Blatt.  Wenn es um Ultras geht hört man in Südostasien bestenfalls hin und wieder etwas aus Indonesien.

Etwa zwei Stunden vor Spielbeginn machten wir uns durch den dichten Verkehr auf den Weg Richtung Thai-Japanese Stadium. Dort angekommen drehten wir mal eine Runde um den Ground, der sicher nicht zu den schönsten der Welt gehört. Interessant war eigentlich nur, dass es auf der einen Längsseite des 10.000 Fans fassenden Stadionovals einen überdachten, supermodernen VIP Bereich mit viel poliertem Glas gab, während man gegenüber eine Oldschool-Tribüne, wie aus dem Bilderbuch vorfinden könnte. Teilweise mit Plastiksitzschalen bestückt, ohne Dach und ohne jeglichen Schnickschnack. Ein echtes Schmuckstück für Fußballnostalgiker. Abgerundet wird das Stadion durch den Auswärtssektor in einer der beiden Hintertorkurven. In der anderen Hintertorkurve war lediglich eine Anzeigetafel.

Zu unserer großen Überraschung war eine Stunde vor Anpfiff schon Einiges los. Vor allem die Buriram Fans haben sich vor ihrem Sektor schon ordentlich auf das Match eingestimmt. Da in Thailand kein Alkohol im Stadion verkauft wird, begeben sich die meisten Fans erst kurz vorm Anpfiff in den Sektor und feiern davor, ein bisschen im Stile amerikanischer Footballfans, am Parkplatz. Bier und Schnaps fließt in rauen Mengen, trotzdem bleibt die Stimmung gut. Die Polizei ist zwar mit einem recht großen Aufgebot vor Ort, verhielt sich jedoch ziemlich defensiv und schenkte den Fans recht wenig Beachtung.  Einzig ein Buriram Fan, der wohl schon etwas zu tief in die Mekong Whiskey Flasche geschaut hat wurde von den Beamten mit Kabelbindern abgeführt, was die restlichen Fans aber nicht wirklich tangierte.

Kick-Off

Nachdem wir das bunte Treiben vor dem Auswärtssektor noch einige Zeit mit einem kühlen Chang Bier genossen haben, begaben wir uns etwa 20 Minuten vor dem Anpfiff ins Stadion. Die Karten konnte man ganz unkompliziert, direkt vor dem jeweiligen Sektor kaufen. Der Preis war mit 100 Baht, was in etwa 2,50 Euro entspricht, überschaubar. Nach einer halbherzigen Sicherheitskontrolle betreten wir die oben beschrieben Längstribüne. Auf Seite der Bangkok Fans gibt es einen Block, der mit Fahnen, Trommeln und Gesängen die eigene Mannschaft nach vorne zu peitschen versuchte. Gegen den aus allen Nähten platzenden Auswärtsblock waren die heimischen Ultras jedoch nahezu chancenlos. Nichtsdestotrotz muss man lobend hervorheben, dass die Bangkok Fans ohne Pause 90 Minuten supporteten. Ihr Capo war so engagiert, dass man manchmal Angst hatte, ihm platzen gleich die Adern auf der Schläfe auf. Sportlich gesehen war die Partie in den ersten 45 Minuten recht ausgeglichen. Die überwiegend thailändischen Spieler brachten aber auf beiden Seiten nicht recht viel zusammen, weshalb es mit 0:0 in die Kabine ging.

Buriram in Ekstase

In der zweiten Halbzeit legte Buriram dann einen bis zwei Gänge zu und zeigte eindrucksvoll warum sie in der Tabelle die Nase vorne hatte. In der 64. Minute netzte Bunmathan sehenswert zum 0:1 ein, was die etwa 1500 Auswärtsfans dazu veranlasste komplett durchzudrehen. Ich war in meinem Leben schon auf über 200 Fußballspielen, aber solch einen leidenschaftlichen Torjubel habe ich wirklich  noch nicht oft erlebt. Zum Glück hat sich die Torhymne in Thailand noch nicht durchgesetzt. Der enthusiastische Jubel der Auswärtsfans, wurde durch nichts überschattet und dauerte eine gefühlte Ewigkeit an. Die Buriram Fans steigerten die Lautstärke in ihren Gesängen jetzt auf das Maximum und ließen die Bangkok Fans ziemlich alt aussehen. Noch ein Mal um einen Zacken intensiver wurde es zwei Minuten später, als mit Gilberto Maceana einer der wenigen Legionäre das 0:2 erzielte. Zusätzlich zu den feiernden Auswärtsanhängern kamen jetzt noch die Bangkok Fans, die Ihrem Ärger Luft machten und vereinzelt Becher und Fahnenstangen Richtung Spielfeld beförderten. Die Stimmung im Stadion war sehr aufgeheizt, trotzdem hatte man nie das Gefühl, dass die Lage an der Kippe zur Eskalation stand. Das Spiel war nun entschieden, die 1500 Ost-Thais zelebrierten jeden Ballgewinn in unfassbarer Lautstärke und bekamen zur Belohnung in der Nachspielzeit noch das 0:3 vom eingewechselten Jandson geschenkt.

Party in der Kurve

Nach dem Abpfiff leerten sich die Tribünen, mit Ausnahme des Auswärtssektors recht schnell. Einige Fans des Ultra-Blocks von Bangkok United warteten noch auf die Mannschaft um dieser einige Nettigkeiten mitzugeben. Auch ohne Thai zu sprechen, konnte man deutlich erkennen, dass es sich nicht gerade um aufmunternde Worte handelte. Für Bangkok United war das Spiel wohl die letzte Chance doch noch im Titelkampf mitzumischen. Dementsprechend groß war die Enttäuschung bei den Fans. Auf Seiten Burirams sah das naturgemäß ganz anders aus. Noch lange nach dem Abpfiff sangen die Anhänger zu Melodien, die wirklich ins Ohr gehen.

Stadionbesuch in Thailand? Jederzeit wieder!

Alles in allem hat der Stadionbesuch definitiv unsere Erwartungen übertroffen. Dass, vor allem die Auswärtsfans, mit so einer Intensität ihre Mannschaft nach vorne treiben war eine echte Überraschung. Auch die Heimfans gaben das ganze Match über ihr Bestes, wobei die Stimmung nach dem 0:2 verständlicher Weise etwas abflaute. Im Kopf bleiben werden uns auch die, für europäische Fans doch ungewohnten Melodien, zu denen beide Seiten Ihre Gesänge zum Besten gaben. Sportlich ist thailändischer Fußball sicherlich kein Leckerbissen. Für Fußballromantiker, die einen Stadionbesuch auch in einem alten Steinoval ganz ohne Vidi-Wall, Dolby Surround-Beschallung und Rahmenprogramm genießen können, kann man die Thai Premier League aber auf jeden Fall empfehlen!

Hardfacts zum Match

Thai Premier Leauge 2015/2016
25. Spieltag, 26. Septmeber 2015
Bangkok United – Buriram United 0:3 (0:0)
0:1 64’            T. Bunmathan
0:2 66’            Gilberto Macanea
0:3 90’+3       Jandson
Thai-Japanese Stadium (Bangkok)
6337 Zuschauer

Tobias Kinder für abseits.at

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Tobias Kinder