Der Flugzeugabsturz einer LaMia-Maschine in Kolumbien erschütterte diese Woche die Fußballwelt. Nur 6 von 77 Passagieren und Crewmitgliedern überlebten den Absturz, davon drei Spieler... Riesige Welle der Solidarität nach tragischem Chapecoense-Unglück
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Fußball in Brasilien - Jesusstatue Corcovado_abseits.at

Der Flugzeugabsturz einer LaMia-Maschine in Kolumbien erschütterte diese Woche die Fußballwelt. Nur 6 von 77 Passagieren und Crewmitgliedern überlebten den Absturz, davon drei Spieler des brasilianischen Fußballklubs Chapecoense. Neunzehn Fußballer fanden nahe Medellin den Tod.

Die Überlebenden waren lange Zeit in einem kritischen Zustand, zuletzt verbesserte sich jedoch der Zustand der Kicker. Torhüter Jackson Follmann musste das rechte Bein amputiert werden und lange Zeit sah es danach aus, dass ihm aufgrund seiner schwerwiegend und sehr komplizierten Verletzungen auch das linke Bein abgenommen werden muss. Zuletzt stabilisierte sich jedoch sein Zustand und es scheint, als könnte das zweite Bein gerettet werden. Beklemmend war jedoch die recht neue Information, dass der nach wie vor sedierte Follmann noch nicht weiß, dass man ihm das rechte Bein amputieren musste. Ein Team aus Psychologen steht bereit, um es dem jungen Keeper mitzuteilen, sobald die Zeit reif ist.

Abwehrspieler Allan Ruschel wurde an der Wirbelsäule operiert und eine Querschnittlähmung konnte nicht ausgeschlossen werden. Die Ärzte teilten aber mit, dass es möglich ist, dass Ruschel wieder gehen kann. Auch sein Zustand verbesserte sich in den letzten Tagen merklich. Die größten Fortschritte macht aber Innenverteidiger Helio Neto, der ein Polytrauma erlitt. Vor allem Kopf, Thorax und Lunge waren schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der physisch äußerst robuste Abwehrspieler erholt sich von allen Überlebenden am schnellsten und es wurde sogar schon darüber gemutmaßt, ob er eines Tages auf den Fußballplatz zurückkehren könnte, wie sein Vater in einem Interview mitteilte.

Währenddessen solidarisiert sich die gesamte Fußballwelt mit dem Fußballklub aus Chapeco. Die Welle der Solidarität ist rührend und eindrucksvoll zugleich. Wir fassen die bemerkenswertesten Aktionen zugunsten des schwer getroffenen Vereins zusammen.

Atlético Nacional, der kolumbianische Verein gegen den Chapecoense im Finale der Copa Sudamericana gespielt hätte, stellte eine Anfrage an den südamerikanischen Verband CONMEBOL, um Chapecoense kampflos den Titel anzuerkennen. Der Verband bestätigte vorgestern, dass dieser Anfrage nachgekommen wird.

Die Fans von Atlético Nacional kamen zum Finaltermin trotz des abgesagten Spiels ins Stadion und erwiesen den Verstorbenen so die letzte Ehre.

Beim brasilianischen Verband wurde der Antrag gestellt, dass Chapecoense in den nächsten drei Saisonen nicht absteigen muss, egal welchen Rang sie in der Endtabelle belegen.

Zahlreiche Vereine und Verbände bestätigten, dass sie für die Saison 2017 kostenlose Leihspieler an Chapecoense abgeben werden. Dies geschah etwa durch den argentinischen Verband AFA, stellvertretend für alle Vereine, sowie unter anderem durch die Corinthians Sao Paulo und Benfica Lissabon. Als nächstes zogen auch die Vereine Coritiba, Palmeiras, Portuguesa, Santos und Sao Paulo nach. Vor allem im Falle von Portuguesa ist dies bemerkenswert, zumal das Team in den letzten drei Jahren bis in die dritte Liga durchgereicht wurde und dort aktuell erneut um den Klassenerhalt kämpft. Mittlerweile zieht sich dieses Agreement über noch mehr brasilianische Profiklubs.

Der bereits 42-jährige Zé Roberto, 84-facher brasilianischer Teamspieler in Diensten von Palmeiras, erklärte, dass er in der kommenden Saison kostenlos für Chapecoense spielen wird.

Mit Ronaldinho und Juan Román Riquelme erklärten zwei weitere, mittlerweile in Fußballpension befindliche Stars, dass sie zugunsten von Chapecoense ihre Fußballschuhe vom Nagel nehmen wollen. Die Starspieler möchten die Saison 2017 ebenfalls aus Solidarität und ohne Salär für den Verein kicken. Dies ist allerdings noch nicht bestätigt.

Zuletzt kamen außerdem Gerüchte auf, dass sich einige Topklubs und sogar Spieler in Form von großzügigen Geldspenden mit Chapecoense solidarisch zeigen wollen. So soll Paris St.Germain 40 Millionen Euro an den brasilianischen Klub spenden wollen, der FC Arsenal 30 Millionen Euro und alleine Cristiano Ronaldo drei Millionen Euro und Lionel Messi knapp fünf Millionen Euro. Allerdings konnten diese Berichte noch nicht bestätigt werden bzw. wurden teilweise auch wieder dementiert. Noch sind diese Gerüchte also offen.

Der AC Milan bestreitet das heutige Serie-A-Spiel gegen Crotone mit einem speziellen Trikot mit Chapecoense-Badge am Ärmel. Und selbst kleinere Vereine zeigen sich spendabel: ZSKA Sofia wird Teile der Zuschauereinnahmen der nächsten Partie an die Familie des verunglückten Verteidigers Filipe Machado spenden. Machado spielte von 2007 bis 2009 für den bulgarischen Spitzenklub und wechselte erst im vergangenen Sommer zu Chapecoense.

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen