Nachdem wir bereits die Raute im 4-1-2-1-2 System beschrieben haben, erarbeiten wir nun eine etwas seltenere Formation: Das 3-1-2-1-3, in manchen Kreisen auch 3-Raute-3... Taktiktheorie: Die Raute im 3-1-2-1-3
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Taktik, Theorie, TaktikboardNachdem wir bereits die Raute im 4-1-2-1-2 System beschrieben haben, erarbeiten wir nun eine etwas seltenere Formation: Das 3-1-2-1-3, in manchen Kreisen auch 3-Raute-3 oder „Cruyff-Raute“ genannt.

Letzterer Name für diese Formation stammt davon, dass Johan Cruyff als Trainer des FC Barcelona diese Formation sehr oft nutzte. Seiner Ansicht nach reichten drei Verteidiger gegen zwei Stürmer, und er wollte durch einen zusätzlichen Mittelfeldspieler mehr Kontrolle erlangen. Er behielt Recht und formte eines der besten Teams, das die Welt je gesehen hat. Essentiell waren natürlich auch die Spielertypen, die er zu Verfügung hatte, die diese sehr flexibel ausgerichtete Formation ausführen konnten. Jedoch ist diese Formation nicht auf den Profifußball beschränkt, denn auch der Autor dieses Textes hat mit seiner von ihm trainierten Mannschaft eben jenes 3-1-2-1-3 in der letzten Amateurklasse Österreichs spielen lassen. Zwar gehört natürlich eine gehörige Portion Training dazu, dies ist jedoch bei jeder Formation der Fall.

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Im eigenen Ballbesitz

Durch die Raute im Mittelfeld bestehen generell gute Passwinkel, sodass man den Ball durch das Zentrum und die Halbräume zirkulieren lassen kann. Wie auch im 4-1-2-1-2 gibt es einen Zehner, der sich im Zehnerraum befindet, zwei Achter in den Halbräumen und einen Sechser im Zentrum. Durch die Dreierkette dahinter hat man im Spielaufbau beim Übergang vom ersten ins zweite Drittel eine hohe Diagonalität, da die Halbverteidiger aufgrund ihrer Position recht breit stehen können und so diagonale Pässe in die Formation des Gegners finden können. Die Halbverteidiger haben stets mehrere Optionen, die sich in verschiedenen Räumen und Höhen befinden. Der Stürmer im Zentrum, der Zehner im Zehnerraum, die Achter in den Halbräumen und der Sechser im Sechserraum, sowie auch der Flügelstürmer entlang der Linie sind die Optionen, die stets einen Raumgewinn ermöglichen. Durch die Vielzahl an Optionen für den Ballführenden ist es für die verteidigende Mannschaft schwierig, all diese auch abzudecken. Durch die Dreierkette hinten gibt es noch einen extra Spieler. Diesen setzt man in die vorderste Linie und bildet einen Dreiersturm. Jener Dreiersturm ermöglicht, dass man nicht nur das Zentrum mithilfe des Mittelstürmers, sondern auch die Flügel mit den Außenstürmern besetzt. Zeitgleich bleibt die Raute im Mittelfeld bestehen und die formative Grundlage für ein ballbesitzdominantes Spiel ist gelegt.

Bei gegnerischem Ballbesitz

Diese Formation ist durchaus eine herausfordernde, auch was das Pressing betrifft. Der Vorteil ist gleichzeitig der Nachteil: es ist die Flexibilität des 3-1-2-1-3, die es potentiell sehr wirksam machen lässt, man aber auch viel falsch machen und somit instabil werden kann. Jede Formation kann natürlich leicht verändert werden, um andere Staffelungen herzustellen, und diese bewegen sich im Fußball sowieso dynamisch. Dennoch gibt es bei der Cruyffschen Raute doch einige Eigenheiten. Man kann natürlich in der Raute pressen, und so eine hohe Zentrumspräsenz haben. Mit etwas zurückgezogenen Flügelstürmern kann man dann auch Ballgewinne auf den Seiten provozieren. Genauso sind Umformungen auf ein flaches 3-4-3, 3-4-2-1 oder in tiefen Zonen auch ein 5-4-1 möglich.

Ein interessanter Kniff ist in dieser Formation auch das Zurückfallen des Sechsers in die Abwehrkette. Dies kann man situationsorientiert machen oder konstant, und kann auch verschiedene Effekte haben. Zum Beispiel kann ein Aufrücken des Halbverteidigers durch den Sechser balanciert werden. Oder der Sechser lässt sich generell in die Kette fallen und man verteidigt mit Viererkette. Auch die Achter können sich ballfern in die Abwehr zurückziehen , um eine bessere Breitenstaffelung herzustellen.

David Goigitzer, abseits.at

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David Goigitzer