„Fußball, Frauen und Film.“, so beschrieb er einmal kurz und bündig seinen Lebenszweck. „Ganz genau in dieser Reihenfolge“ – sei noch hinzugefügt. Seine Liebe... Anekdote zum Sonntag (22) – Der älteste Fußballverein Österreichs

Vienna„Fußball, Frauen und Film.“, so beschrieb er einmal kurz und bündig seinen Lebenszweck. „Ganz genau in dieser Reihenfolge“ – sei noch hinzugefügt. Seine Liebe zum weiblichen Geschlecht ist legendär. „Lieber partizipier‘ ich bei einer Schönen mit fünfzehn Prozent als bei einer Schiachen mit Hundert.“, soll der Sohn eines Postlers einmal gesagt haben. Die Besetzungscouch war für ihn kein Fremdwort – davon konnten seine vier Ehefrauen wahrlich ein Liedchen singen. Die letzte seiner Grazien eroberte er, als diese als Sekretärin der Schauspielurgewalt Curd Jürgens – auch kein Kostverächter! – tätig war. Schon zuvor war der „Onkel“ des Öfteren mit seinen „Nichten“ unterwegs gewesen.

Ausgeglichenheit von seinem Beruf (Nummer drei) fand er aber nicht nur bei Frauen sondern vor allem bei seiner primären Leidenschaft: Blau-Gelb schlug des Franzens Herz seit seiner frühesten Kindheit und am liebsten hätte er auf der Hohen Warte übernachtet. Beruflich reüssierte der 1913 Geborene über hundert Spielfilme, hangelte sich dabei von Heimatfilmen, über Sex- und Klamaukzelluloid bis hin zu anspruchsvollen Projekten, wie dem Historiendrama „Spionage“ mit Oskar Werner. In Erinnerung bleibt er zwar vor allem als kitschiger Alpenglühen-und-Wiener-Schmäh-Filmer aber auch als Kultregisseur der Reihe „Der Bockerer“ mit Karl Merkatz als Fleischhauer, der Österreichs Werdegang ab der Naziherrschaft bis zum Prager Frühling mitmacht. Lange Rede, kurzer Sinn: Der fanatische Vienna-Anhänger, Weiberheld und Filmschaffende von dem hier die Rede ist, ist niemand anderer als Franz Josef Antel.

Seine Begeisterung für den ältesten Fußballverein Österreichs wurzelte so tief, dass er eine besondere Idee zur Umsatzsteigerung ersann: Mit der Gründung der „Vienna-Hundertschaft“ schuf Antel eine Art prähistorischen VIP-Klub für zahlungskräftige Spender. Ab 1964 diente der Wiener „seinem“ Klub auch als Präsident, sein spezielles Privatvergnügen blieb aber der „FC Antel“, ein Hobbyklub, der als ältester Fußballverein der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde Eintritt fand. Das Gründungsjahr 1952 war dafür freilich nicht ausschlaggebend. Nein, die addierten Lebensjahre der Mitglieder machten aus der Fußballmannschaft einen Opa-Klub prominenter Österreicher: Berufskönner, wie Franz „Bimbo“ Binder, aber auch Hobbyspieler wie Komiker Karl Farkas oder Theatermime Heinrich Schweiger liefen bei Benefizturnieren aus Jux und Tollerei auf. Wenn es gegen eine Mannschaft aus Medienvertreter ging, kam es dann und wann auch zu einem gröberen Foul. Nur zu gerne zeigte man dem frechen Herrn Reporter wenigstens auf dem Platz wo der Hammer hing. Zumeist standen aber der gute Zweck und die gute Laune im Mittelpunkt der Begegnungen.

Dass Antel ein laaaanges Dasein (94 Jahre) vergönnt sein sollte, war zu seinen Lebzeiten naturgemäß noch nicht bekannt. Deshalb bat der passionierte Hobbykoch – ja, auch für Backen und Braten konnte er sich begeistern – alles was Beine hat bereits zu seinem Fünfundsiebzigsten auf die Hohe Warte um sich beim Fußball zu vergnügen und ein paar Spenden für die Nachwuchs-Vienna zu sammeln: Geld gegen Kunst hieß das Motto an diesem Junitag.

Dr. Hellmuth Klauhs, seines Zeichens Fast-Ex-Raiffeisen-Generaldirektor und Beinahe-Schon-Präsident der Österreichischen Nationalbank war einer der einflussreichsten Vertreter des Industrieadels. Zu dieser Kategorie gehörten auch die Repräsentanten großer Unternehmen, wie jene von L’Oréal Paris oder der Simmering-Graz-Pauker-AG. Den internationalen Touch verliehen „Legionäre“ der deutschen Handelskammer.

Auf Seiten der Kunstschaffenden haute sich der Jubilar höchstpersönlich ins Zeug. Regisseur Antel betrat jedoch in Pantoffeln – „Schlapf’n“, wie man in Wien sagt – den Rasen. Er war schließlich schon ein älterer Herr. Fachliche Kompetenz erhoffte er sich unter anderem von den Ex-Internationalen Alfred und Robert Körner sowie Vienna-Legende Karl Koller. Sie sollten Amateure, wie den Bassisten Kurt Rydl oder den Fotografen Pedro Kramreiter, zum Torerfolg anleiten. Der Gag des Tages wurde aber in der Person Hans Krankls präsentiert: Der diskussionsfreudige Vollblutstürmer versuchte sich tatsächlich als Schiedsrichter. „Streng, aber ungerecht.“, beurteilte Platzsprecher Edi Finger Senior die Leistung des Goleadors.

Ein derartiges Turnier hatte Antel an seinem Ehrentag nicht das erste Mal ausgerichtet: Schon in den 50er-Jahren lockte er im Rahmen der Aktion „Künstler helfen Künstlern“ Film- und Theatergrößen wie Helmut Lohner, Susi Nicoletti, Johannes Heesters oder Peter Weck nach Wien-Döbling. Doch nicht jedem Promi war ein Platz am Feld sicher: Der korpulente „König der Nebenrollen“ Oskar Sima durfte nur massieren, die resolute Marianne Hold lief die Seitenlinie als Assistentin auf und ab. 30.000 Zuschauer ließen sich die Partie nicht entgehen und griffen bereitwillig in ihre Portemonnaies.

Antel war nicht der einzige Klubanhänger, die Fanspaltung des Wiener Fußballpublikums setzte sich auch in der damaligen Unterhaltungsszene fort. Unter den Kulturgrößen fanden sich einige begeisterte Fans: Volksschauspieler Fritz Muliar galt als Abziehbild eines Anti-Sportlers. Dagegen flimmerte mit Servas-die-Buam-Conrads ein glühender Rapid-Fan samstäglich über die Bildschirme. Sein Pendant fand dieser im Humoristen und Karl-Farkas-Zwilling Ernst Waldbrunn: Das Herz des Mannes mit dem treuherzig-traurigen Blick schlug nur für die Austria. Zu den Veilchen bekannten sich überhaupt ein proportional hoher Anteil an Künstlern: Friedrich Torberg, der große Autor, setzte seinem Bekannten Matthias Sindelar posthum ein literarisches Denkmal. „Er war ein Kind aus Favoriten“ hieß seine Hommage an den jung verstorbenen Ausnahmekicker.

Der Veilchen-Bomber Tibor Nyilasi hatte in den 80er-Jahren einen bedeutenden Verehrer seiner Fußballkunst. Jedermann-Darsteller, Burgtheater-Abgott und Mitbegründer einer der bekanntesten deutschsprachigen Schauspiel-Familien Attila Hörbiger schleppte sich des Angreifers wegen noch als gebrechlicher Herr auf den Horr-Platz. Gerne plauderten die beiden vor Spielbeginn einige Minuten ungezwungen miteinander. Auf Ungarisch. Denn Hörbiger, in Budapest geboren und erst als Siebenjähriger nach Wien gezogen, beherrscht diese Sprache bis zu seinem Tod akzentfrei. Einmal half er auch spontan bei einem Gespräch aus: Anlässlich eines Radiointerviews nach einer Meisterschaftspartie gab er zum Spaß den Simultandolmetscher für Nyilasi – Unterhaltungskünstler waren sie ja eigentlich beide.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag