Der SKN siegt unter Fallmann, zeigt sich vor allem taktisch verbessert und lieferte gegen den SK Sturm eine Partie auf Augenhöhe. Ambichl und Mader... 2:1-Auswärtssieg: St.Pölten erwischt Sturm zum zweiten Mal in zwei Wochen kalt
Pin It

_SKN St.Pölten Wappen Stripes

Der SKN siegt unter Fallmann, zeigt sich vor allem taktisch verbessert und lieferte gegen den SK Sturm eine Partie auf Augenhöhe.

Ambichl und Mader strukturieren den Spielaufbau

Der SKN fing gegen Sturm im 4-2-3-1 an und vertraute auf eine spielstarke Doppelsechs mit den zuletzt unter Daxbacher ignorierten Ambichl und Mader. Über diese beiden sollte auch primär der Spielaufbau geführt werden, Ambichl und Mader hielten dafür konsequent die Mitte.

Aufgrund teilweise seltsamer Staffelungen konnte man den Ballvortrag jedoch nicht immer effektiv gestalten. Als Beispiel würde hier eine Szene dienen, in der Rechtsverteidiger Stec deutlich zu eng, fast im Zentrum stand und so keine saubere Verlagerung gespielt werden konnte. Holzmann musste sich tief fallen lassen und mit ungünstiger Körperposition den Ball annehmen. Da Sturm nicht aggressiv presste hatte dies zwar keine Folgen, zeigte jedoch die Unbalanciertheit in St.Pöltens Spiel. Dennoch schaffte man es immer wieder das situativ höhere Pressing der Grazer durch ruhige Zirkulation zu überspielen, was bereits eine Verbesserung gegenüber Daxbacher war.

Sauberes Pressing im 4-4-2 Hybrid

Auch das Pressing war deutlich besser als unter Fallmanns Vorgänger. Im 4-4-1-1/4-4-2 verschob man kompakt und schaffte es den Zwischenlinienraum gut zu verengen. Radikale Mannorientierungen wie unter Daxbacher waren nicht mehr zu sehen, die ersten zwei Linien formierten sich in einem deutlichen 4-4 und man schaffte es so effektiv den SK Sturm vom eigenen Tor wegzuhalten.

Der SKN verteidigte prinzipiell recht tief, agierte dennoch intensiv in Ballnähe. Auffällig war, dass der ballferne Flügelstürmer stets etwas breiter blieb. Vermutlich um Verlagerungen besser abfangen zu können. Dies hatte natürlich zur Folge, dass man im Zentrum nur zu zweit agieren konnte. Die Grazer wussten dies jedoch nicht auszunutzen.

Gewohnter Flügelfokus bei Sturm

Sturm trat zwar nominell im 4-2-3-1 an, wie so oft sah man aber eher 4-4-2 Staffelungen, da Alar neben Edomwonyi schob. Dies hatte zur Folge, dass man im Ballbesitz sehr flügelfokussiert agierte. Dieser Fokus wurde durch die ballnahe, doppelte Flügelbesetzung noch verstärkt. Weder Edomwonyi noch Alar sind Stürmer die sich allzu gerne in die Ballzirkulation über die Halbräume einbinden, wenngleich Alar diesen Teil des Spiels durchaus beherrscht. So konnten die Grazer nur selten Dreiecke generieren und den Ball effektiv in den eigenen Reihen zirkulieren lassen. Der Zehnerraum blieb regelmäßig unbesetzt, weshalb die Zirkulation einem U glich: also vom Flügel zurück ins Zentrum und wieder auf den anderen Flügel, ohne jegliche Penetration der gegnerischen Linien.

Intensive Mannorientierungen im Pressing

Sturms Pressing im 4-4-2 war gewohnt intensiv, man versuchte die St. Pöltener recht bald unter Druck zu setzen. Wenn man in höheren Zonen attackierte machten die Stürmer dies meist in einer 1-1 Staffelung und bekamen auch selten Unterstützung von ihren Hintermännern, weshalb die Gäste es oft schafften den Ball ohne viel Mühe zu verlagern.

Das Zentrum stellte man jedoch oft gekonnt zu, Mader und Ambichl fanden nicht allzu oft den Weg nach vorne. Deshalb ließ sich Thürauer immer wieder unterstützend fallen, was für Verbesserungen sorgte. Durch die meist konsequent ausgeführten Mannorientierungen der Grazer konnten diese Überladungen in den Halbräumen jedoch nicht immer genutzt werden.

Zäher Spielbeginn

Die Anfangsphase gestaltete sich merklich unspektakulär, keine der beiden Mannschaften schaffte es wirklich Durchbrüche zu generieren. Die Unverbundenheit der Grazer sorgte für mangelnde Durchschlagskraft, denn das Personal war auch individuell gut genug ausgestattet beziehungsweise der Spielertypus dazu, diese Durchschlagskraft ganz von alleine zu erzeugen. Avdijaj war so ein Spieler, den man jedoch wieder abgeben musste. Der SKN hingegen hatte Probleme mit den konsequent ausgeführten Mannorientierungen der Grazer, man fand ebenfalls nur selten Durchbrüche, obwohl man bis zum Sechserraum meist ausreichend gut kombinierte

Doppelschlag durch Unaufmerksamkeiten

In Minute 15 jedoch wurde die Anfangsphase durch das Führungstor des SK Sturm zäsiert: Nach einem Einwurf in der St. Pöltener Hälfte und einer schwachen Verteidigung dessen schafft es Deni Alar den Ball irgendwie hoch in den Rückraum des Strafraums zu spielen. Der SKN war weit nach innen verschoben, weshalb der anrauschende Koch nicht zu verteidigen war und den Ball volley ins lange Eck traf.

Nur drei Minuten später glich der SKN aber wieder aus, nachdem eine Hereingabe von Thürauer innerhalb des Strafraums schwach verteidigt wurde und Holzmann aus kurzer Distanz vom langen Eck das 1:1 schoss. Sturm geriet nun leicht in Unordnung, was kurzzeitig mehr Räume für den SKN ergab. Vor allem im Umschalten auf die Offensive agierte man zu hastig, was auch die Situation zum 2:1 der Gäste hervorrief. Nach Ballgewinn schalteten die Sturm Spieler zu früh um und rückten auf. Holzmann konnte jedoch durch starkes Gegenpressing den Ball am Flügel sofort wieder gewinnen. Seine Hereingabe prallte von Keita zu Ambichl, der aus kurzer Distanz den Ball ins Tor grätschte.

Spiel wird intensiver

Sturms Bemühungen im Pressing Ballgewinne zu generieren, verstärkten sich nun. Mehr weite Wege wurden gegangen um die eigenen strukturellen Nachteile im Pressing aufzufangen, was teilweise auch gelang. Durch schnelles Umschalten in die Offensive wollte man die St. Pöltener dann am falschen Fuß erwischen. Jedoch wurden viele Pässe nach vorne oft überhastet und unsauber gespielt, weshalb Sturm größtenteils Schuld daran war, dass der Ball oft hoch nach vorne geschossen wurde, die Stürmer diese jedoch selten erwischten, und die Partie so generell unsauberer wurde.

Der SKN war bemüht gewonnene zweite Bälle ruhig zu verarbeiten. Teilweise war man dazu jedoch auch gezwungen, da es selten passende Läufe für Konter gab und man so keine passenden vertikalen Anspielstationen hatte. Keine der beiden Mannschaften schaffte es vor der Halbzeit dann noch ein Tor zu erzielen.

Erneut zäher Beginn

Wie auch in der ersten Halbzeit kamen beide Mannschaften wenig intensiv aus den Kabinen und deswegen dauerte es wieder eine Weile bis man wieder in Fahrt kam. Foda hatte Zulechner für Edomwonyi gebracht, jener sollte für mehr Läufe in die Tiefe und somit Möglichkeiten im Umschaltspiel sorgen.

Der SKN wurde nun auch direkter in seinen Angriffsbemühungen und versuchte schneller das eigene Mittelfeld zu überbrücken. Dies resultierte in zwei guten Chancen nach etwa einer Stunde, als Thürauer zwei Mal nur knapp verzog. Vor allem über den rechten Halbraum kam man hier immer wieder durch Überladungen von Thürauer, Keita und Schütz zu guten Durchbrüchen. Taktisch änderte sich jedoch wenig, wenngleich die Partie wieder unsauberer wurde, beide Mannschaften zu oft den Ball nach vorne schlugen.

„Je schneller der Ball nach vor kommt, desto schneller kommt er zurück“

Dies ist ein Zitat von Juanma Lillo, Co-Trainer von Jorge Sampaoli beim FC Sevilla und einer der größten Fußballdenker unserer Zeit. Sein Spruch bestätigte sich in den letzten 20 Minuten der Partie, als es aufgrund der vielen direkt nach vorne gespielten Bälle hin und her ging. Zwar ergaben sich daraus einige Halbchancen auf beiden Seiten, aber da diese unsauber vorbereitet waren, war die Chance des tatsächlichen Torerfolges eine geringere. So schaffte es keine der beiden Mannschaften den Ball nochmals hinter die Torlinie zu bringen und der SKN ging als Sieger vom Platz.

Fazit

Der SKN zeigte sich deutlich verbessert, vor allem strukturell. Sturms simples System konnte an diesem Tag nicht die Durchschlagskraft generieren, die sie sonst in entscheidenden Momenten auszeichnet.

David Goigitzer, abseits.at

Pin It

David Goigitzer