Das waren noch Zeiten als Andi Ogris einfach sagen konnte: „Schurl, locker mich auf und sing mir den Dornbacher Pfarrer!“ Nicht nur wenn es... Anekdote zum Sonntag (37) – Mädchen für alles!
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FK Austria Wien - Wappen mit Farben_abseits.atDas waren noch Zeiten als Andi Ogris einfach sagen konnte: „Schurl, locker mich auf und sing mir den Dornbacher Pfarrer!“ Nicht nur wenn es um seine Erfolge als Spieler geht, wird der Neo-Assistent von Thorsten Fink nostalgisch, es sind genau solche Momente, die der Vollblut-Austrianer vermisst. Die Kleinigkeiten eben, die man erst in der Retrospektive so richtig schätzen kann. Besagter „Schurl“, der den „Dornbacher Pfarrer“ wie kein Zweiter singen konnte, war keine Kleinigkeit: Ganze 31 Jahre knetete sich der FAK-Masseur im Dienste des Vereines die Finger wund. Herbert Prohaska – gewählter violetter Jahrhundertkicker – hat ihn höchstpersönlich zum Jahrhundertmasseur der Wiener Austria auserwählt: Wer wenn nicht er? Sogar Tote konnte er wieder zum Leben erwecken, meint Prohaska. Der Hexer von der Fischhofgasse kümmerte sich neben der Körperpflege aber auch um die empfindsamen Seelen der Profikicker. Schreitl spendete Trost und Rat und war stets zu Scherzen aufgelegt. Das Singen von Wienerliedern war die große Leidenschaft des gelernten Bäckers.

Als die Austria vor einem wichtigen Match stand, erhielt Schreitl eines Abends einen Anruf von Spielern: „Schurli, komm her, wir brauchen dich, wir brauchen dich!“, flehten sie durch den Draht. Schreitl, der für seine Jungs alles gemacht hätte, ahnte Böses und machte sich ruck-zuck auf den Weg in die Privatwohnung eines Austrianers. Während er quer durch Wien sauste, dachte er an einen besonders hartnäckigen körperlichen Notfall, der zumindest einen Spieler überraschend heimgesucht hatte. Als er das Mietshaus betrat, dröhnte aus der Wohnung des Spielers jedoch laute Musik und Stimmengewirr bis hinunter ins Erdgeschoss. „Schurli“ wunderte sich, öffnete die nicht verschlossene Tür und fragte in die feiernde Menschenmenge: „Was gibt’s denn? Wer braucht mich?!“ Die Mannschaft quittierte sein Auftreten mit Lachsalven und einer meinte: „Wir brauchen dich zum Singen!“ Nun fiel die Anspannung von Schreitl ab und er fand‘s zum Schmunzeln. Irgendwie schmeichelt es ihm auch, dass seine Spieler seine stimmlichen Motivationskünste so schätzten. Mit ihrem Masseur als Heurigensänger ging die Feier munter weiter. Schreitl, ein grader Michl und Hawara, war klug genug nicht den dogmatischen Besserwisser zu mimen und die Burschen auf Abstinenz und Bettruhe hinzuweisen. Die meisten kannten ihre Grenzen, wussten was buchstäblich auf dem Spiel stand und wollten sich vor dem wichtigen Einsatz einfach locker machen. Es gelang. Und es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Masseur Georg „Schurli“ Schreitl als Mädchen für alles seinen Beitrag dazu leistete.

Marie Samstag, abseits.at

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Marie Samstag