Rapid zieht heute mit dem ersten Pflichtspiel so richtig ins neue Allianz Stadion ein. Die Vorgabe für die neue Saison ist klar: Der Titel... BL-Vorschau: Rapid nimmt Kurs auf den ersten Titel seit neun Jahren
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Shop_SK Rapid Wien - Wappen mit FarbenRapid zieht heute mit dem ersten Pflichtspiel so richtig ins neue Allianz Stadion ein. Die Vorgabe für die neue Saison ist klar: Der Titel soll erstmals seit neun Jahren wieder nach Hütteldorf. Aufgrund der großen Konkurrenz aus Salzburg trauen sich die Offiziellen dies aber nicht konkret in den Mund zu nehmen. Möglicherweise ein Fehler.

Der Trainer

Mike Büskens beerbte vor knapp sechs Wochen Zoran Barisic als Rapid-Trainer und absolvierte seine erste Vorbereitung mit Rapid erfolgreich. Der Ex-Schalker und Rapid sind ein Gespann, das stilistisch passen könnte. Aber noch muss man abwarten, wie Büskens mit Rückschlägen umgeht und ob er schwächere Leistungen öffentlich ebenso überspielt wie einst Barisic. Auch die Frage nach dem In-Game-Coaching wird eine zentrale sein. Abgesehen vom Gefühl, dass die Konstellation passen könnte, muss man also noch auf Konkretes warten, bevor man ein genaueres Bild hat.

Das System

Rapid wird in einem 4-2-3-1 bzw. einem 4-3-3 spielen. Der Unterschied zur vergangenen Saison ist dabei vor allem, dass die 4-3-3-Variante mit Traustason und Schobesberger an den Flügeln erstmals seit sehr langer Zeit ein offensives 4-3-3 bildet. Barisic betonte früher immer gerne, ein 4-3-3 zu praktizieren, dieses war durch die tieferen, eher einrückenden Außenspieler aber eher defensiv und auf Vorsicht bedacht. Situativ wird man Rapid in der neuen Saison auch in einem 4-4-2 sehen, aber eher seltener von Beginn an. Eine Dreierkette kommt wohl trotz des passenden Spielermaterials nicht in Frage.

Der Torhüter

Jan Novota sollte als „Typ“ und wichtige Integrationsfigur knapp die Nase vorne haben. Hinter ihm lauert Richard Strebinger. Es ist gut möglich, dass heuer auf der Torhüterposition rotiert wird. Beide Keeper sind nicht frei von Fehlern und präsentieren sich immer wieder inkonstant.

Die Abwehr

Die Innenverteidigung Rapids ist wohl das Beste, was die Bundesliga derzeit zu bieten hat. Der „heimliche Kapitän“ Christopher Dibon und der physisch starke Christoph Schösswendter werden den Stamm bilden, dahinter lauern mit Maximilian Hofmann und Mario Sonnleitner zwei schnelle, knallharte Verteidiger. Über diese Qualitätsdichte verfügt nicht einmal Salzburg. Allerdings könnte Rapid außen Probleme bekommen. Schrammel und Pavelic scheinen gesetzt, die Ersatzleute sind Wöber für links und Auer für rechts, was eventuell international zu dünn sein könnte.

Die Mittelfeldzentrale

Für die drei zentralen Positionen hat Rapid derzeit nicht weniger als neun Optionen! Die defensivste Rolle wird auf Dauer wohl Ivan Mocinic einnehmen, der aber auch als Achter spielen kann. Derzeit ist noch der eingespielte und stärker werdende Srdjan Grahovac vorne. Auf der Acht können Schwab, Nutz, Malicsek und neuerdings auch der junge Tamás Szánto spielen. Nutz könnte den Verein allerdings noch wegen Perspektivlosigkeit verlassen. Die Position des Spielmachers können mit Steffen Hofmann, Louis Schaub und Thomas Murg ebenfalls drei Spieler bekleiden. Rapid ist also für eine lange, harte Saison gerüstet und auf jeder Position doppelt oder dreifach besetzt – zumeist ohne an Qualität einzubüßen.

Die Außenpositionen

Die bereits erwähnten Schaub und Murg sind auch für die Flügelpositionen zu gebrauchen – die Spezialisten für die Seiten sind aber andere. Der Isländer Arnór Ingvi Traustason wird sich links seinen Stammplatz erkämpfen. Rechts hat momentan Thomas Murg wohl sogar bessere Karten als Philipp Schobesberger, der sich heuer dringend wieder steigern und wesentlich kämpferischer werden muss. Die Ersatzleute am Flügel sind zusätzlich noch Andreas Kuen, der aktuell leider schon wieder verletzt ist und auch Maximilian Entrup, der als Rechtsaußen eingesetzt werden kann.

Der Angriff

Joelinton ist aktuell der Einserstürmer bei Rapid und steht damit vor dem langzeitverletzten Mate Jelic und dem routinierten Spanier Tomi, der wohl auch vor Jelic stünde, wäre dieser fit. Bevor die Saison so richtig losgeht und die englischen Wochen sich häufen, wird Rapid noch einen Stürmer verpflichten, der vor allem Joelinton entlasten soll. Dem jungen Brasilianer würde man mit 50 Pflichtspieleinsätzen keinen Gefallen tun. Der Sturm ist ein wenig Rapids Wundertüte. Hier ist auf einer „von – bis“-Skala alles möglich, jedoch wäre es angesichts des bisher Gesehenen sehr unwahrscheinlich, wäre Joelinton ein Transferflop.

Die Transfers

Rapid gab sieben Spieler ab, kassierte mit den Transfers von Kainz nach Bremen und Stangl nach Salzburg über fünf Millionen Euro ab. Auf der anderen Seite hat Rapid noch nie so viel Geld für neue Spieler ausgegeben, wie in der laufenden Transferperiode. Inklusive dem neuen Stürmer, der noch kommen soll, könnte man auch hier die fünf Millionen Euro Marke knacken. Sieben Abgängen stehen nach dem letzten Transfer also sieben Neuzugänge gegenüber, von denen wohl nur zwei Spieler, Malicsek und Entrup, keine sofortigen Startelfkandidaten sind. Rapid hat es trotz Verlusts seines besten Spielers geschafft, sich im Vergleich zur Vorsaison personell zu verbessern.

Ausblick auf 2016/17

Auf Rapid wartet im Idealfall eine Saison mit über 50 Pflichtspielen. Der Kader ist bereit und groß genug, einzelne Spieler werden sich wohl noch ein wenig eingewöhnen müssen und in Bezug auf die Automatismen wird Büskens noch eine kurze Schonfrist erhalten. Klar ist, dass alle 100%ig den Titel von Rapid fordern – und vielleicht ist dies bei diesem kämpferischen Klub auch genau das, was nötig ist, um wieder nach oben zu kommen. In den letzten Jahren wurde dieses Thema stets zu lethargisch behandelt. Rapid würde gut daran tun, nicht zu lange mit dem Meisterbekenntnis zu warten, sollte der Saisonstart gut verlaufen. Meister oder Vizemeister.

SK Rapid Wien 2016-17Zum Vergrößern klicken

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • Dirk Paulsen

    Mindestens zwei Dinge sich aus meiner Sicht unverständlich: a) warum sollte man sich personell verbessert haben, wenn man den besten Spieler abgegeben hat? Unlogisch wäre es ebenso, dass man genau so viel Geld ausgibt wie einnimmt (was aber erst nach der Verpflichtung eines weiteren Stürmers der Fall sein soll, womit bestenfalls eine Katze im Sack zur Verfügung stünde), und dennoch ein Vorteil dabei herauskäme? Wie würde man das rechtfertigen: die Konkurrenz am Transfermarkt ist dumm und schätzt Marktwerte falsch ein?
    Zudem war Kainz ein längst funktionierender (und zwar aus meiner Sicht eben, hier aber nicht verschwiegen, überragender…) Mannschaftsspieler, während Neue sich naturgemäß erst eingewöhnen müssen.

    b) erkenne ich den Vorteil nicht, offensive Saisonziele zu formulieren und damit der Mannschaft, mit den genannten Neuen sowie dem neuen Trainerstab einen Gefallen tun zu wollen. Man könnte genau so gut argumentieren, dass es der Druck war — von den Rapid Fans ohnehin ausreichend ausgeübt — welcher größeren Erfolgen in letzter Zeit im Wege stand. Es sind immer nur winzige Verschiebungen im Nachkommastellenbereich, welche von diesem oder jenem Verhalten ausgelöst werden. Und nun die These aufzustellen, dass man eine positive Auswirkung erzielt mit erhöhtem Druck halte ich für mehr als gewagt. Abgesehen davon: eine Titelchance von 20% könnte sich zufällig realisieren lassen, während eine erhöhte Chance von 25% — falls man tatsächlich so einen Anstieg verzeichnen könnte, mit irgendeiner beliebigen Maßnahme — einfach so verpasst wird, ohne dass es irgendeine Bedeutung hätte, abgesehen davon nicht einmal erkannt würde.

    Ohnehin funktioniert nur das Denken von Spiel zu Spiel, welches zwar von den Medien irgendwie ausgebuht wird, jedoch zugleich einzig logisch ist. Was nützte es, nach einer Niederlage zu sagen: „Das war ja nicht schlimm, wir wollen Meister werden und dafür stehen noch mehr Spiele zur Verfügung als dieses eine.“ Sinnlos, absurd, dumm.

    Noch näher als das Denken von Spiel zu Spiel liegt gar das Denken von Aktion zu Aktion. Man muss einfach versuchen, in der gerade vorliegenden Situation die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Dies gilt selbstverständlich (und hauptsächlich) während eines Spiels, und zwar für jeden einzelnen Spieler. Nicht nur denjenigen am Ball befindlich sondern auch die Mitspieler, welche möglichst günstige Positionen einnehmen sollten/könnten/müssten. Einzig auf diese Art lässt sich das Optimum herausholen an Chancen. Keineswegs jedoch das Aufrufen von übergeordneten Zielen.

    Überhaupt hat die jüngste Vergangenheit aus meiner Sicht mehr als deutlich gezeigt, dass die Aufteilung in „groß“ und „klein“ der Vergangenheit angehört (auch die EM 2016 zeigte dies mehr als deutlich). Ein Grund ist jener, dass die ehemals Kleinen physisch sowie taktisch auf ein ähnliches Niveau gebracht werden konnten. Ein weiterer der, dass sich eine Überlegenheit früher sehr häufig in gelungenen Offensivaktionen ausdrückte. Durch das Verlegen fast aller (Außenseiter, aber teils auch Favoriten) auf Defensive, indem einfach alle Mann hinter den Ball gelangen und die Räume ungemein eng machen, gibt es seltener denn je diese gelungenen Offensivaktionen. Verteidigen kann jeder (auf dem gleichen Niveau), Angreifen geht gar nicht mehr, so könnte man es zusammen fassen (auch die Schiris tragen einen Teil der Verantwortung, indem sie mehr und mehr Verteidigeraktionen als nicht freistoßwürdig einstufen und einfach das Spiel laufen lassen, trotz erkennbarer Behinderungen).

    Ein weiterer für mich mehr als offensichtlicher Grund für das Ausbleiben größerer Leistungsunterschiede besteht jedoch darin, dass die Kleineren ein wesentlich leichteres Leben haben. Sie müssen keine Vorgaben erfüllen, auch die Fans sind gnädig und milde gestimmt, wenn entweder eine Aktion daneben geht oder ein ganzes Spiel verloren geht, so dass den Spielern durch das Ausbleiben des Drucks viel eher die geplanten Aktionen gelingen, während den Größeren, unter dem wesentlich größeren Druck stehend, der Torabschluss vielleicht im entscheidenden Moment verwackelt.