Sturm Graz empfing im heimischen Stadion Wacker Innsbruck und erwartete sich einen klaren Sieg in dieser Partie. Einerseits zeigten sich die Grazer in den... Hyballa nützt Asymmetrie – Sturm besiegt Innsbruck 3:0

Sturm Graz empfing im heimischen Stadion Wacker Innsbruck und erwartete sich einen klaren Sieg in dieser Partie. Einerseits zeigten sich die Grazer in den letzten Partien gut in Form, andererseits konnten die Innsbrucker in dieser Saison noch keinen einzigen Treffer in einem fremden Stadion erzielen. Gute Vorzeichen für die Hyballa-Elf, welche in den letzten sieben Heimspielen gegen Innsbruck sechs Mal gewannen. Letztendlich sollten sie auch einen klaren Sieg in einem verhältnismäßig dürftigen Spiel feiern.

Gefahr über ruhende Bälle und Hereingaben

Ein Großteil der gefährlichen Aktionen auf beiden Seiten kam nach Standards, da beiden Mannschaften die Zuteilung fehlte. Immer wieder fehlte die Bewegung mit dem Gegenspieler oder es wurden Löcher, bevorzugt am zweiten Pfosten, offen gelassen. Den Innsbruckern fehle jedoch einer wie Vujadinovic, welcher diese Flanken gleich zwei Mal verwertete und somit als Innenverteidiger einen Doppelpack feiern konnte. Beide Tore machte er per Kopf nach einer Ecke und der Montenegriner zeigte auch defensiv eine gute Leistung.

Hyballas Raute

Die Grazer hatten abermals eine Mischformation aus 4-2-3-1 und 4-3-1-2, also einer Raute. Madl spielte auf der tiefen Sechs und neben ihm begann Weber auf der rechten Seite. Dieser bildete bei Bedarf einen zweiten Sechser oder agierte in einer konservativen Halbposition. Auf der gegenüberliegenden Seite spielte Kröpfl allerdings klar offensiver und wirkte oftmals wie ein klassischer Flügelspieler, was dafür sorgte, dass sich entweder Budva auf die Seite bewegte und Szabics sich fallen ließ oder einer der beiden nominellen Stürmer auf den rechten Flügel ging.

Mit Szabics hatten sie einen Spieler, der sowohl hängend als auch auf der Seite agieren kann, während Sukuta-Pasu in den letzten Wochen ohnehin oft auf den Flügel auswich, um sich Bälle zu holen oder die Schnittstellen zu beackern. Oftmals war dies auch eine gute Option, um den Raum hinter den aufgerückten Außenverteidigern zu nutzen, doch gegen Wacker konzentrierte sich Sukuta-Pasu eher auf die Zentrale. Interessant an der Aufstellung war jedoch auch die Wahl des rechten Außenverteidigers.

Peter Hyballa nutzt die Asymmetrie

Sehr oft werden asymmetrische Aufstellungen im Vorhinein ausgeschlossen. Es fehle an der Balance und zumeist entsteht eine Flügellastigkeit, welche das eigene Spiel berechenbarer macht. Die Wahrheit ist jedoch, dass nahezu alle Formationen  asymmetrisch sind und es der Versuch ist, eine Mannschaft trotz unterschiedlicher Voraussetzungen auf den gleichen Positionen absolut symmetrisch auszurichten, welche für eine schwache Balance sorgt. Hyballa tat dies nicht, stattdessen brachte er Hölzl als rechten Außenverteidiger ins Spiel, welcher seine Rolle (noch) offensiver als Klem ausüben sollte. Dadurch konnte Klem gelegentlich Kröpfl bei dessen engeren Phasen hinterlaufen und das Spiel breit machen, aber ansonsten eine Dreierkette mit den Innenverteidigern bilden, was Hölzl Ausflüge nach vorne ermöglichte.

Hölzl beackerte dann die Seite, übernahm Webers offensiven Aufgaben, wobei dieser quasi als Gegenleistung die Absicherung für Hölzls Ausflüge übernahm. Dadurch konnte auch Budva seine Rolle als zentraler Spieler ausüben und Szabics suchte je nach Lust und Laune die Verbindung zu Hölzl im Kombinationsspiel oder wartete zentral auf Hereingaben. Es wird interessant zu sehen, ob Hyballa Hölzl weiterhin auf der defensiven Außenbahn aufstellt. Heutzutage ist es aber gang und gäbe entweder zentrale Mittelfeldspieler oder Flügelstürmer umzuschulen. Bei den letzteren entsprechen die athletischen und spielerischen Begebenheiten dem Profil eines offensiven Außenverteidigers sehr, bei ersterem sind es taktische Aspekte wie das Timing und die Entscheidungsfindung, welche sich ähnelt. Dass die Grazer trotz dieses intelligenten und interessanten Versuchs lange Zeit nur den Ball verwalteten, statt sich konstant gefährliche Chancen herauszuspielen, lag an der Enge der Gäste im Mittelfeld.

Wacker wechselt vom 4-1-4-1 zum 4-2-3-1

Üblicherweise spielt die Mannschaft von Trainer Walter Kogler in einem 4-1-4-1. Letzte Woche gab es ein Experiment mit einer Dreierkette, welches in die Hose ging, doch auch an diesem Spieltag versuchte Kogler etwas Neues. Er wählte das 4-2-3-1 und stellte somit auf einen zweiten Sechser um, wobei Piesinger einige Male mit nach vorne gehen wollte und ein bisschen offensiver als sein Partner auf der Doppelsechs, nämlich Kapitän Abraham, war. Links begann Wernitznig und rechts Schütz, was sowohl für Läufe bis an die Grundlinie mit Hereingaben für Mittelstürmer Wallner oder diagonale Läufe mit Dribblings sorgen sollte. Außerdem sollten sie mit Schreter im Zentrum ins Kombinationsspiel gehen können, damit sie schnell und effektiv umschalten können sollten, was allerdings nur selten funktionierte. Die meisten Angriffe konnten nicht zu Ende gespielt werden. Dies lag teilweise auch an der Besetzung der Position des Mittelstürmers durch Wallner.

Wallner statt Perstaller

Bei aller Qualität, welche Wallner vom Talent her im Strafraum, vor dem Tor und beim Durchsetzen hat, ist er ein Spieler, welcher sich nur sporadisch ins Spielgeschehen des zweiten Spielfelddrittels miteinschaltet. Die Idee dahinter ist natürlich klar: bei einem Fokus auf Konter hat man immer einen Mann vorne, welcher Hereingaben oder Lochpässe verarbeiten und abschließen soll; je effizienter und effektiver, umso besser. Allerdings wird dieser Sturmbesetzung zu einem Eigentor, wenn der Stürmer diese Bälle gar nicht erhält, was einerseits natürlich am Spiel nach vorne, andererseits auch an mangelnder intelligenter Bewegung in hohem Tempo bei passendem Timing – kurzum: der Eingespieltheit. Wallner bewegt sich nicht in einem Ausmaß, wie es sein späterer Ersatz Perstaller tut, welcher durchaus als mitspielender Stürmer zu bezeichnen ist. Perstaller lässt sich gerne fallen, weicht auf die Seiten aus und beackert auch das Mittelfeld bei Bedarf, um sich Bälle zu holen oder als zusätzliche Anspielstation zu fungieren. Ihm fehlt es gelegentlich an Präsenz und Konstanz, vom Potenzial her dürfte er dem alternden Wallner dennoch überlegen sein.

In gewisser Weise ist Perstaller die weniger athletische Ausführung von Sukuta-Pasu, welcher diese Spielweise auf hohem Niveau in die österreichische Bundesliga zu bringen scheint. Schade, dass sich die Leihgabe aus Leverkusen in dieser Partie verletzt hat, da er in dieser Saison bislang mit zu den besten und auch von einer taktischen Betrachtungsweise interessantesten Stürmern der Liga gehört. Leicht übertrieben, aber dennoch passend, dürfte sein, dass der Unterschied zwischen Sukuta-Pasu und Szabics im Vergleich mit Wallner Symbol stand für die verschiedene Betrachtungsweise dieses Spiels der beiden Mannschaften.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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