Die letzten beiden Transferperioden waren aus Sicht von Red Bull Salzburg durchaus ernüchternd. Nicht nur, dass Mastermind Ralf Rangnick mit Saisonende seinen Abschied verkündete,... Potenzieller Kampl-Nachfolger: Welche Rolle kann Valon Berisha im Frühjahr in Salzburg spielen?
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Valon Berisha (Red Bull Salzburg)Die letzten beiden Transferperioden waren aus Sicht von Red Bull Salzburg durchaus ernüchternd. Nicht nur, dass Mastermind Ralf Rangnick mit Saisonende seinen Abschied verkündete, mit Sadio Mane, Kevin Kampl und Alan hat man tragende Säulen in der Offensive verloren. Während man im Sommer noch durchaus namhaften Ersatz holte, ging man im Winter einen anderen Weg und füllte die Kaderplätze hauptsächlich mit jungen, unerfahrenen Spieler auf. Und einem Rückkehrer.

Unmittelbar nachdem sich Red Bull Salzburg 2012 in der Qualifikation zur Champions League blamierte startete Rangnick eine Transferoffensive. Neben Mane und Kampl kamen dabei unter anderem auch zwei junge Norweger, Havard Nielsen und Valon Berisha. Während Nielsen in den Zukunftspläne der Bullen wohl keine Rolle mehr spielen dürfte, könnte Berisha im Frühjahr neu durchstarten.

Leistungsträger, Ergänzungsspieler, Kreuzbandriss

Anders als sein etwas hölzerner Landsmann Havard Nielsen, präsentierte sich Berisha aber von Beginn an als fertiger, technisch feiner Fußballer. Nicht nur Berishas Statistiken sprechen eine deutliche Sprache, der 10-fache Nationalspieler ist für die Elf der Salzburger auch eine enorm wichtige Anspielstation in schwierigen Lagen. So Berisha nicht seinen Vertrag bis 2016 in Salzburg erfüllt oder gar nach Leipzig „abgezogen“ wird, wird Salzburg ihn teurer verkaufen, als um die 2,8 Millionen, die man vergangenen Juli an Viking Stavanger überwies“, lautete das Fazit nach der ersten Bundesligasaison des Norwegers.

Mit seiner Dynamik und Spielintelligenz war Berisha von Beginn an ein wichtiger Baustein im System von Roger Schmidt. Er spielte dabei meist im Zentrum. Im 4-2-3-1 war er der offensivere der beiden Sechser oder gab teilweise auch den Zehner, im 4-1-4-1 agierte er als pendelnder Achter. Herausragend war dabei insbesondere das Verbindungsspiel von Berisha, wodurch er vor allem gemeinsam mit Christoph Leitgeb ein sehr flexibles Duo bildete. Beide sind kombinationsstark und können mit dem Ball am Fuß Raum gewinnen.

Der Aufschwung des Österreichers wurde Berisha jedoch in der folgenden Saison zum Verhängnis. Mit der Rückkehr von Alan stellte Schmidt auf eine 4-2-2-2-Grundordnung um, bei der Leitgeb die Rolle des Pendlers neben Pressingmaschine Stefan Ilsanker einnahm. Berisha kam in der Doublesaison zwar regelmäßig zum Einsatz und erfüllte dabei seine Aufgaben recht gut (fünf Tore, sechs Vorlagen), unterm Strich war es aber nach der enorm starken Debütsaison ein Rückschlag. Ein noch größerer folgte dann im letzten Sommer, als er sich das Kreuzband riss, weshalb er in der laufenden Saison noch ohne Einsatzminute ist.

Kann Berisha in die Kampl-Rolle schlüpfen?

Während der Abgang des Brasilianers Alan durch die Verpflichtung von Marco Djuricin mehr oder weniger mit einem eins-zu-eins-Ersatz aufgefangen werden soll, ist die Frage nach der Kompensation des Kampl-Wechsels eine deutlich komplexere. Der Slowene galt als bester Spieler der Liga – sowohl individuell als auch taktisch. Das Loch, das er hinterlässt, kann kurzfristig nur kollektiv geschlossen werden. Für seine nominelle Position in der Startelf gibt es mehrere Anwärter – unter anderem eben jener Berisha.

Der Spielstil des 21-Jährigen ähnelt jenem von Kampl von allen Kaderspielern womöglich am besten. Auch er sucht immer wieder den direkten Weg nach vorne, versucht das Spiel mit Vertikaldribblings anzukurbeln, hat auch bei hohem Tempo die nötige Übersicht und Ruhe. In der nachstehenden Grafik sieht man zudem eine statistische Gegenüberstellung, wobei bei Berisha die Werte der letzten Saison herangezogen wurden. Alle Werte sind dabei auf 90 Minuten Einsatzminuten bezogen. Je weiter außerhalb der Wert, umso besser. Ebenfalls zu sehen ist das Profil von Leitgeb.

Berisha-Kampl-Leitgeb

Kampl überragt in nahezu allen Kategorien. Er spielte die meisten Pässe, mit der höchsten Genauigkeit und griff am seltensten zu langen Bällen. Einzig die Flankengenauigkeit des Neo-Borussen lässt zu wünschen übrig. Berisha ist hier klar besser, jedoch schlechter als Leitgeb, ist aber im Vergleich zu diesem an deutlich mehr Offensivaktionen direkt beteiligt. Bei den Balleroberungen ist der Norweger innerhalb der drei Spieler sogar top.

Ähnlich wie Kampl dürfte wohl auch Berisha auf einer der beiden Halbpositionen in einem 4-3-1-2 seine Stärken am besten einbringen können. Er dürfte sich dabei mit Leitgeb womöglich sogar noch besser ergänzen, da er nicht einen dermaßen starken Drang nach vorne hat wie Kampl und so Leitgeb mehr Vorstöße ermöglichen könnte. Das würde das Kombinationsspiel der Bullen variabler machen, denn im Herbst konnte man einen sehr hohen, teilweise sturen Fokus auf den linken Halbraum erkennen.

Lazaro-Keita

Die direkten Hauptkonkurrenten für die vakante Kampl-Position im 4-3-1-2 dürften Naby Keita und Valentino Lazaro sein. Keita wäre dabei die deutlich defensivere Variante. Der 19-Jährige ist ein regelrechtes Balleroberungsmonster und spielt ein hohes Volumen an sicheren Pässen, wagt sich jedoch kaum ins letzte Drittel vor. Lazaro hingegen ist wie Berisha ein universell einsetzbarer Spieler, der verschiedene Aufgaben übernehmen kann und sein Spiel auch ein wenig direkter anlegt. Im Kombinationsspiel hat er jedoch noch Luft nach oben.

Berishas Möglichkeiten abseits der Raute

Die Neuzugänge der Bullen würden Coach Adi Hütter aber auch Möglichkeiten geben, wieder verstärkt auf eine flügellastigere Spielweise umzustellen. Takumi Minamino wäre zwar an und für sich eine interessante Option für die linke Halbposition und könnte unter Umständen auch als Zehner spielen, eignet sich in erster Linie aber für den linken Flügel, wo er auch bei Cerezo Osaka hauptsächlich spielte.

Mit Felipe Pires wurde zudem ein überaus interessanter Spieler vom FC Liefering hochgezogen. Der 19-jährige Brasilianer gehörte zu den mit Abstand besten Spielern der Sky Go Erste Liga. Neben den beiden Youngsters gibt es in Marcel Sabitzer und Massimo Bruno – sowie potenziell auch Lazaro – zudem Spieler, die ebenfalls geeignet für die Flügelpositionen sind, individuell weiter sind und vom Spielstil her auch kombinativer veranlagt sind.

In der Vorbereitung sah man daher auch andere Grundformationen, wobei Berisha in allen eingebunden werden kann. Unter Schmidt spielte er beispielsweise phasenweise auch am Flügel, wenngleich dies unter Hütter wohl anders interpretiert werden muss – nämlich breiter. Das könnte für den Zentrumsspezialisten ein Problem werden. Andererseits sah man in den Testspielen auch ein 4-4-1-1, bei dem Berisha als hängende Spitze agierte – eine Rolle, die überaus interessant ist und die er in seiner Zeit bei Salzburg vereinzelt ebenfalls schon spielte.

Insbesondere wenn Djuricin als Stürmer spielen würde, wäre diese Variante denkbar. Der Ex-Grazer ist nämlich ein Spieler, der hauptsächlich das Angriffszentrum bearbeitet und steil geschickt werden kann. Dementsprechend braucht es ein verbindendes Glied, wofür sich Berisha hervorragend eignen würde. Andererseits wäre die gleiche Konstellation auch mit Jonathan Soriano an vorderster Front ebenfalls denkbar, sodass man die Torjägerqualitäten des Spaniers noch stärker einbinden könnte. Gerade wenn Alan neben ihm stürmte, musste er sich vermehrt auf das Kombinationsspiel konzentrieren.

Der Wechsel von Kampl nach Dortmund kann also von zwei Seiten aus betrachtet werden. Einerseits haben die Salzburger damit ohne Frage enorm viel Qualität verloren, die kurzfristig praktisch nicht ersetzbar ist. Andererseits hatte man den Eindruck, dass sich das Spiel zunehmend auf den Slowenen versteifte – vor allem wenn es nicht lief. Insofern könnte sein Abgang auch der Startschuss für eine neue, variablere Spielweise sein. Welche Rolle dabei Berisha spielen kann, wird sich zeigen.

Alexander Semeliker, abseits.at | Statistikdaten by Opta

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Alexander Semeliker

@axlsem