Unerwarteterweise ist es der SC Rheindorf Altach, der Rapid elf Runden vor Ende der Bundesligasaison unter Druck setzt. Die Hütteldorfer, deren erklärtes Ziel der... Rapid-Arbeitssieg in Wr.Neustadt: Erst Hofmanns Präsenz lässt das Spiel kippen
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Steffen HofmannUnerwarteterweise ist es der SC Rheindorf Altach, der Rapid elf Runden vor Ende der Bundesligasaison unter Druck setzt. Die Hütteldorfer, deren erklärtes Ziel der zweite Endrang in der Tabelle ist, waren in Wiener Neustadt zum Siegen verdammt und mühten sich durch eine unansehnliche erste Halbzeit. Der torlose Pausenstand stellte eine Galgenfrist für Rapid dar. Erst in der zweiten Halbzeit wurden engagierte Wiener Neustädter in die Schranken gewiesen.

Nach dem Spiel betonten sämtliche grün-weiße Interviewpartner gegenüber den Fernsehstationen, dass der holprige Platz dem gewohnten Spiel der Hütteldorfer nicht entgegenkam. Ein Problem, wie man es bereits von anderen Saisonpartien kannte – aber dennoch nur eine minimale Entschuldigung für die miserable erste Halbzeit Rapids.

Praktisch kein Pressing in der 1.Halbzeit

Wiener Neustadt musste mit Conor O’Brien seinen Schlüsselspieler vorgeben, was man auch an der fehlenden Struktur im Mittelfeld erkannte. Nicht der schlechte Platz war vorrangig schuld daran, dass Rapid in der ersten Halbzeit wie ein angezählter Boxer wackelte und um ein Gegentor bettelte, sondern die Tatsache, dass die Grün-Weißen erstmals in der laufenden Saison über eine gesamte Halbzeit praktisch kein Pressing spielten. Rapid ließ dem Tabellenneunten Luft und erlaubte es den Niederösterreichern sie zu bespielen.

Kein Gegenpressing: Verlorene Bälle wurden Neustadt überlassen

Im Mittelfeld gewann Wiener Neustadt zwar knapp weniger, dafür aber die wichtigeren Zweikämpfe und schaffte es damit, Rapid zumindest zu stören. Zahlreiche vertikale Fehlpässe waren die Folge, was gegen eine insgesamt destruktive Mannschaft wie Wiener Neustadt in einem Auswärtsspiel passieren kann. Problematisch war jedoch, dass Rapid in weiterer Folge nicht danach trachtete, aus den Fehlern in der Offensive das Beste zu machen. Bälle, die sich in der gegnerischen Hälfte verloren, wurden den Neustädtern ohne Gegenwehr zur Neujustierung überlassen. Diese konnten ohne viel Stress das Spiel neu aufbauen, obwohl bekannt ist, dass die Neustädter Abwehr in Bezug auf Spielaufbau am unteren Ende der Qualitätstabelle angesiedelt ist.

Neustadt bleibt mit viel Pech torlos

Rapid kam nicht ins Gegenpressing und angesichts des sehr breit aufgefächerten Mittelfelds schien es phasenweise so, als wollte man das gar nicht. Neustadt roch Lunte und nur mit Glück schafften es die Rapidler mit einem 0:0 in die Pause. Nach einem Eckball sorgte Sereinig für den regulären Führungstreffer, den Schiedsrichter Kollegger allerdings nicht anerkannte. Bei einem 33-Meter-Kracher des umtriebigen Dominik Hofbauer rettete das Aluminium.

Hofmann statt Schaub als Schlüsselereignis

In der 41.Minute ersetzte Steffen Hofmann den verletzten Louis Schaub – ein Schlüsselereignis. Schaub verletzte sich fast schon auf ironische Art und Weise. Der Youngster, am gestrigen Nachmittag einer der schwächsten Rapid-Spieler, verzettelte sich in einer Offensivaktion, agierte wie so oft zu kompliziert und zog sich bei seinem viel zu späten Abschlussversuch einen Bruch des 5.Mittelfußknochens zu. Hofmann ersetzte den Rapid-Hoffnungsträger und legte das Spiel tiefer an, wodurch das System Rapids mehr einem 4-3-3 mit drei Achtern ähnelte, als einem 4-2-3-1.

Hofmann leitet Pressing, Petsos und Schwab machen die Drecksarbeit

In der zweiten Halbzeit ging Kapitän Hofmann vorneweg und leitete das bis dato nicht vorhandene Pressing der Hütteldorfer, die fortan aggressiver auf den Gegner schoben, die Heimmannschaft zu vielen weiten Bällen zwangen und die zweiten Bälle aus dem Mittelfeld heraus wesentlich besser verarbeiteten. Hofmanns Position war im Schnitt näher zu Schwab und Petsos, als es zuvor bei Schaub der Fall war. Auch wenn die etatmäßige Doppelacht Rapids relativ unauffällig spielte, waren sie für den verkühlten Kapitän äußerst wichtig, weil sie hinter ihm einige Bälle gewannen und ihm den Rückraum freischaufelten. Beide Spieler wiesen eine klar positive Zweikampf- und Luftduellbilanz auf. Schwab gewann sogar alle seine Kopfballduelle. Die beiden Mittelfeldspieler stachen zwar nicht sonderlich heraus, ließen aber ihre Vorderleute durch eine physisch gute Leistung besser aussehen.

Schobesberger-Einzelaktion sorgt für Goldtor

Dass Rapid im Gegensatz zur ersten Halbzeit dranblieb und nicht locker ließ, wurde bereits drei Minuten nach Wiederanpfiff belohnt, als sich Philipp Schobesberger erst im zweiten Versuch gegen mehrere Neustädter durchsetzte und mustergültig für Beric ablegte. Rapid führte 1:0 – weitgehend gegen den Spielverlauf. Obwohl er weit davon entfernt ist, ein Stammspieler zu sein, hält Schobesberger nun bereits bei einem Saisontor, vier Assists und drei Toreinleitungen in nur 656 gespielten Minuten. Eine gute Bilanz für den talentierten Oberösterreicher, der sich im Grunde erst in seiner „Bundesliga-Schnuppersaison“ befindet.

Kontrolle, Konter, aber der letzte Punch fehlte

Ohne regelmäßig gefährlich zu werden erlangte Rapid nun die Kontrolle über das Spiel. Zwar war es unverständlich, wieso die Grün-Weißen bereits nach einer Stunde das Tempo rausnahmen und auffallend lange in der eigenen Hälfte den Ball hielten, aber das Spiel war endgültig gekippt und Wiener Neustadt erhielt nie wieder den Zugriff, den man in der ersten Halbzeit mit viel Pech nicht nutzen konnte. Erst in den letzten 20 Minuten begann Rapid intensiver zu kontern, was den Niederösterreichern merklich an die Substanz ging. Das andauernde Umschalten setzte dem Außenseiter zu. Rapid hätte weitere Treffer erzielen müssen – spannend wurde das Spiel trotzdem nicht mehr, weil die Hütteldorfer den Gegner einlullten und kaum mehr gefährlich werden ließen.

So geht’s für die Teams weiter!

Nach der Länderspielpause wartet auf Rapid eine Kärntner Woche: Zuerst gibt’s das Bundesligaheimspiel gegen Wolfsberg, drei Tage später das Auswärtsspiel im Cup-Viertelfinale. Und vier Tage danach kommt es zum Gipfeltreffen zwischen dem SK Rapid und Red Bull Salzburg im Ernst-Happel-Stadion. Richtungsweisende Wochen für Rapid, während Wiener Neustadt seine „Big Games“ gegen Grödig und die Admira erst im Mai hat. Nach der Länderspielpause möchte die Kolvidsson-Elf den zweiten Saisondreier gegen Altach einfahren und empfängt anschließend die unberechenbare SV Ried.

Daniel Mandl, abseits.at

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen