Die Vision „Bundesliga 2020“ beinhaltet das Ziel 25 in Österreich ausgebildete Spieler in Europas Topligen zu stellen. Ehrgeizig, aber doch keineswegs unrealistisch. Dennoch bedarf... Dragovic statt Alaba: Über die Bundesliga ins Ausland
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tipico BundesligaDie Vision „Bundesliga 2020“ beinhaltet das Ziel 25 in Österreich ausgebildete Spieler in Europas Topligen zu stellen. Ehrgeizig, aber doch keineswegs unrealistisch. Dennoch bedarf es dazu ein Umdenken bei vielen jungen Spielern, meint Pascal Günsberg in seinem Kommentar für abseits.at.

Still und heimlich saß Mag. Christian Ebenbauer, Vorstand der österreichischen Bundesliga, wohl in seinem Büro im 13. Wiener Gemeindebezirk und hoffte darauf, dass aus dem kolportierten Interesse von Manchester United an Aleksandar Dragovic mehr wird. Der Innenverteidiger wird wohl bald zum zweiten Österreicher neben David Alaba, der für einen der ganz großen Vereine dieser Fußballwelt spielen darf und damit auch die rot-weiß-rote Fahne nochmals ein Stück höher hängen würde.

Als Teenager ins Trainingslager

Alaba und Dragovic kennen sich seit ihrer Kindheit, in der U12 des Polgargymnasiums liefen sie im Rahmen der Schülerliga erstmals gemeinsam auf. Der gemeinsame Weg setzte sich im Nachwuchs von Austria Wien, allen voran in der Frank-Stronach-Akademie, fort und fand seinen Höhepunkt im Jänner 2008, als Georg Zellhofer, damals Cheftrainer der Austria, das Duo im Alter von 15 (Alaba) beziehungsweise 16 Jahren (Dragovic) in das Trainingslager der violetten Kampfmannschaft nach Marbella in Spanien mitnahm und ihnen dort auch Einsatzminuten in Testspielen gab. Im Frühjahr der selbigen Saison liefen die beiden in der zweiten österreichischen Bundesliga für die Austria Amateure auf, betreut von Thomas Janeschitz, inzwischen Co-Trainer der österreichischen Nationalteams. Am 13. April 2008 erfolgte Alabas einziger Kontakt mit der höchsten Spielklasse seines Heimatlandes – beim Auswärtsspiel beim SCR Altach saß er 90 Minuten auf der Austria-Bank.

Bayern München statt Austria Wien

Im Sommer 2008 trennte sich der Weg der beiden inzwischen über 30-fachen Teamspieler. David Alaba feierte seinen 16. Geburtstag und wechselte zum FC Bayern München, Aleksandar Dragovic entschied sich für einen Verbleib bei Austria Wien und lief in der Folgesaison bereits 22 Mal für die Kampfmannschaft der Wiener auf. Der Rest ihrer Erfolgsgeschichten ist bekannt. Doch es war nicht nur der Weg des David Alaba, der mit seinem Transfer in so jungen Jahren, geprägt wurde, sondern auch der von vielen anderen Österreichern, die folglich in die Fußstapfen des Donaustädters treten wollten und so auch den heimischen Spitzenklubs sowie der österreichischen Bundesliga nichts Gutes taten. Etliche Österreicher wechselten in den vergangenen Jahren im jungen Alter ins Ausland – eine Vielzahl von ihnen musste erkennen, dass es dabei sowohl bei Alaba als auch bei ihnen selbst jedoch nicht nur auf blankes Talent ankommt.

Es geht auch anders

Patrick Derdak wechselte im selben Jahr wie Alaba ebenfalls nach Deutschland. Der Neusiedl-Spieler unterschrieb beim SV Werder Bremen, kehrte nach zwei Jahren jedoch wieder zurück nach Österreich und spielt inzwischen beim ASK Marz in der burgenländischen Landesliga, wo er schon von 2000 bis 2007 das Fußballspielen lernte. Sein Geld verdient er bei einem großen österreichischen Unternehmen abseits des Fußballs. Auch für Radovan Mitrović hieß es im Sommer 2008 „ab ins Ausland“ – er lehnte Angebote von Rapid Wien sowie Sturm Graz ab und wechselte im Alter von 15 Jahren vom Simmeringer SC in die Niederlanden zum SC Heerenveen. Es folgten weitere Stationen bei FC Emmen (Leihe, zweite holländische Liga, sechs Einsätze), sowie dem FC Utrecht II. Im Sommer 2013 kehrte Mitrović zurück nach Österreich und absolvierte 19 Einsätze für den SV Horn. Nachdem er im Herbst 2014 vereinslos war, wechselte er dieser Tage dorthin, wo alles begann – zum Simmeringer SC. Selbiges Muster war auch bei Philipp Prosenik zu erkennen, der 2009 von Rapid Wien zu Chelsea London wechselte, von 2012 bis 2013 zudem für den AC Milan die Schuhe schnürrte und nun wieder dort ist, wo die kleine Weltreise startete – in Wien-Hütteldorf, wo er hauptsächlich für die zweite Mannschaft der Grün-Weißen zum Einsatz kommt.

Die eine Seite aus dem Nationalteam

Die Vision der österreichischen Bundesliga den Großteil der rot-weiß-roten Legionäre in eben dieser ausgebildet zu haben und nicht bereits in Jugendjahren ins Ausland geschickt zu haben, scheint nicht nur für den heimischen Fußball, sondern auch für die Entwicklung der jungen Spieler selbst hilfreich. Dass dieser schrittweise Karriereweg erfolgreicher ist, belegt unabhängig von David Alaba der aktuelle Kader des österreichischen Nationalteams. 13 der 17 Legionäre (Martin Harnik, der in Deutschland aufwuchs und noch nie bei einem österreichischen Verein spielte, ausgenommen) sind über die beiden österreichischen Bundesligen herangereift und erst nach zahlreichen Einsätzen dort ins Ausland gewechselt. Neben Dragovic gilt allen voran Zlatko Junuzovic als Paradebeispiel hierfür, kickte er vor Werder Bremen schließlich beim GAK, Austria Kärnten sowie Austria Wien. Im Sommer ist der nächste Schritt des 27-Jährigen zu erwarten.

Die andere Seite aus dem Nationalteam

Dem entgegen stehen – außer Alaba – weiters Julian Baumgartlinger, der mit 13 Jahren bei TSV 1860 München unterkam, später aber ebenso nach Österreich zurückkehrte, um erst über die Wiener Austria den Sprung in die deutsche Bundesliga zu schaffen, Marko Arnautovic, der erst bei sämtlichen Wiener Großklubs spielte, aber auch bereits mit 17 Jahren in die Niederlande zu Twente Entschede wechselte, sowie Andreas Weimann, der im Alter von 16 Jahren Aston Villa der Rapid-Akademie vorzog und damit richtig liegen sollte. Wie viele solcher erfolgreichen Beispiele man in einigen Jahren nennen kann, bleibt abzuwarten. Alexander Jovanovic, bei dem die Hoffnung solch ein Beispiel werden zu können bis vor kurzem bestand, wechselte erst 2012 in die U19 des VfL Wolfsburg und wird inzwischen von Toni Polster bei der Wiener Viktoria trainiert. Im Frühjahr trifft Jovanovic auf den oben thematisierten Mitrovic, in der Wiener Stadtliga wohlgemerkt. Philipp Lienhart wird diesem Schlagerspiel wohl nicht beiwohnen können, sondern die letzten Monate seiner einjährigen Leihe zu Real Madrid genießen. Dass dies nur auf Leihbasis geschah und er danach wieder bei Rapid Wien willkommen scheint, ist zumindest ein grundsätzlich nicht negativer Unterschied zu vielen seiner Vorgängern. Nicht auf Leihe, sondern fix möchte Sascha Horvath im Sommer ins Ausland. Nach zwölf Spielen in der Bundesliga möchte der 18-jährige Mittelfeldspieler seinen Vertrag bei der Austria nicht mehr verlängern.

Fazit

Die österreichische Bundesliga versteht es als einen Teil ihrer Vision „Bundesliga 2020“ die Transfers junger Österreicher ins Ausland ohne Erfahrung im heimischen Profigeschäft wieder einzubremsen und die Ausbildung über die österreichische Bundesliga als finalen Schritt zu fördern. Grundsätzlich scheint dies ein vernünftiger Gedanke zu sein, denn so gerne auch über die Bundesliga des Alpenlands gelacht wird, als solch ein guter Feinschliff vor dem Ausland bewies sie sich auch in etlichen Beispielen. Die österreichischen Landesligen sind inzwischen gut ausgestattet mit (Ex-)Fußballern, die minderjährig ins Ausland wechselten und scheiterten.

Gerade im Sinne dieses Projekts bleibt zu hoffen, dass Christian Ebenauer bald nicht nur mehr in seinem Büro still und heimlich hofft, sondern auch jubelt – denn dann hat es wohl mit Aleksandar Dragovic auch ein über die Bundesliga herangewachster Spieler an die Weltspitze geschafft. Dort, wo David Alaba schon die rot-weiß-rote Fahne hochhält und beweist: In jungen Jahren ins Ausland zu gehen ist schön. Doch dazu bedarf es mehr als nur Talent.

Pascal Günsberg, abseits.at

P.S.: Nikon El Maestro, bürgerlich Jevtic, wurde als serbisch-englischer Doppelstaatsbürger, der nur aus beruflichen Gründen des Vaters nach Wien kam, bewusst nicht genannt. Sein Werdegang sei dennoch kurz nacherzählt: Von 1998 bis 2001 bei West Ham United, anschließend bei Austria Wien, 2004 zum FC Valencia, 2006 zu Schalke 04, von dort 2008 zurück zur Austria, ein kurzes Gastspiel 2011 in Wiener Neustadt sowie anschließend zahlreiche Stationen in Ungarn. 2014 kehrte er nach Österreich zurück. Nach 14 Toren in 25 Spielen beim FK Hollabrunn, folgte daher nun der Transfer zum SV Mitterndorf in die niederösterreichische 1. Klasse Ost. Parallel dazu trainiert Jevtic die U16 von Hellas Kagran.

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Pascal Günsberg