Der Stern des Stürmers Rubin Okotie ging bei der U-20 WM in Kanada auf. Danach etablierte sich der Sohn eines Nigerianers und einer Österreicherin... Das große Jahr des Rubin Okotie im Rückblick
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Rubin Okotie - FK Austria WienDer Stern des Stürmers Rubin Okotie ging bei der U-20 WM in Kanada auf. Danach etablierte sich der Sohn eines Nigerianers und einer Österreicherin als Profi bei der Wiener Austria. Es folgte sogar ein Transfer in die deutsche Bundesliga. Doch nach einer schweren Knieverletzung geriet die Karriere ins stocken. Nach etlichen Vereinswechseln und einer langjährigen Durstrecke explodierte Rubin Rafael Okotie im Jahr 2014. Ein Rückblick auf den langen Leidensweg und die Auferstehung des einstigen Hoffnungsträgers.

Anfänge seiner Karriere –Aufstieg zum Profi

Der Angreifer ist Absolvent der Frank-Stronach-Akademie, von wo aus er darauffolgend zwei Jahre lang bei den Austria Amateuren in der zweithöchsten österreichischen Liga als Stammspieler seine ersten Schritte im Profifußball machte. Nach einer erfolgreichen U-20 WM in Kanada im Jahre 2007, wo er mit zwei Turniertoren Österreichs Team zum hervorragenden 4. Platz verhalf, rückte der damals 20-Jährige zur Saison 2007/08 in den Bundesligakader des FK Austria Wien auf. Nach seinem ersten Bundesligator im Februar 2008 gegen den FC Red Bull Salzburg nahm die Karriere Okoties Fahrt auf und er entwickelte sich zu einem torgefährlichen Stürmer und Stammspieler der Veilchen. Als Belohnung wurde er vom damaligem Teamchef Karel Brückner für das freundschaftliche Länderspiel gegen die Türkei am 19. November 2008 erstmals in die A-Nationalmannschaft berufen und stand in der Startelf.

Ein langer Leidensweg nahm seinen Lauf – Wandervogel wider Willen

Im September 2009 folgte der erste Rückschlag in der noch jungen Karriere. Bei dem damals 22-jährigen wurde ein Knorpelschaden im rechten Knie diagnostiziert. Trotz allem ging sein großer Traum vom Ausland in Erfüllung und Ende Mai 2010 unterschrieb der Angreifer einen Dreijahresvertrag beim deutschen Bundesligisten 1. FC Nürnberg. Der Abgang von der Austria war von unschönen Szenen begleitet, Okotie zog sich den Unmut der violetten Anhänger zu, weil er die Herausforderung Deutschland einer Vertragsverlängerung am Verteilerkreis vorzog. Trotz der Verletzung setzte man im Frankenland große Hoffnungen auf den Österreicher. Der damalige FCN- Trainer Dieter Hecking bezeichnete seinen Neuzugang schon vor seiner Ankunft in Nürnberg als „eines der größten Talente des österreichischen Fußballs der letzten Jahre“. Auch wegen der immer wieder auftretenden Probleme mit dem lädierten Knie kam der Neo-Legionär nur zur sechs Pflichtspieleinsätzen für die Franken.

Nach nur einem Jahr in Nürnberg folgte ein leihweiser Wechsel nach Belgien zum VV St. Truiden. Das Knie zwickte nach wie vor, erst durch regelmäßige Behandlungen bei einem Spezialisten in Antwerpen besserte sich der Zustand zunehmend. Einem Muskelfaserriss, neun Spiele und ein Tor später musste Okotie seine Zelte in Belgien aber wieder abbrechen. Danach wurde der Ruf des „ewigen Talents“ in der Öffentlichkeit laut. Der rot-weiß-rote Hoffnungsträger verschwand von der Bildfläche und auch ÖFB-Präsident Leo Windtner zeigte sich von der Entwickelung Okoties enttäuscht und äußerte dies auch kritisch in der Öffentlichkeit.

Next chance – Next hope! Rubin Okotie kehrte nach dem erfolgslosen Auslandsabenteuer nach Österreich zurück und wechselte nach Graz zum SK Sturm. Dort kam seine Karriere wieder in Schwung und auch mit dem Toreschießen klappte es wieder.

Einen Umstand den auch sein Jugendverein, die Wiener Austria registrierte und den „verlorenen Sohn“ nach drei Jahren wieder nach Wien-Favoriten zurückholte. Dort angekommen, hatte er einen schweren Stand unter Trainer Nenad Bjelica und kam über die Reservistenrolle nicht hinaus. Nur ein halbes Jahr später wurde Okotie erneut verliehen – dieses Mal nach Dänemark zum Abstiegsgefährdeten Erstligisten Sønderjysk Elitesport

Neustart in Dänemark – Das Okotie-Jahr 2014

Und dort blühte Okotie endgültig auf. Elf Tore in 15 Spielen ließen nicht nur Trainer Lars Söndergaard, der nach Engagements u.a. beim GAK und Salzburg in Österreich kein Unbekannter ist, jubeln. Okoties Treffer sicherten SönderjyskE sogar den Klassenerhalt. Eine Rückkehr zur Austria, bei der er noch ein Jahr Vertrag gehabt hätte, lehnte der Torjäger im Sommer ab. Er wollte es sich und seinen Kritikern beweisen, dass er im Ausland dauerhaft erfolgreich sein kann.

Im Juli 2014 wechselte er zum deutschen Zweitligisten TSV 1860 München. Bei seinem Debüt für 1860 erzielte er am 1. Spieltag gleich einen Doppelpack gegen den 1. FC Kaiserslautern. Unbeeindruckt von der sportlichen Krise der „60er“ und einem Trainerwechsel „ballerte“ sich Rubin Okotie mit zwölf Toren an die Spitze der Torschützenliste der 2. deutschen Bundesliga und avancierte damit zur Lebensversicherung der abstiegsbedrohten Löwen.

Auch im Nationalteam feierte der Stürmer ein beeindruckendes Comeback. Mit dem Debüttreffer für Österreich gelang im gleichzeitig das vielumjubelte Siegestor im EM-Qualifikationsspiel gegen Montenegro im Ernst-Happel-Stadion. Der zweite Streich folgte nur wenige Wochen danach, und so gelang auch das Goldtor zum 1:0-Sieg im Heimspiel gegen Russland und hatte dabei maßgeblichen Anteil dass die österreichische Nationalmannschaft auf Tabellenplatz 1 in seiner EM-Quali-Gruppe überwinterte.

Das deutsche Fachmagazin „kicker“ honorierte dies zum Jahresabschluss mit dem Prädikat „herausragend“ und mit der Wahl zum „besten Stürmer der 2. Bundesliga“.

Nicht nur sportlich sondern auch privat lief es wie am Schnürchen. So wurde Rubin Rafael Okotie am 9. September diesen Jahres Vater eines Sohnes und heiratete wenig später seine Freundin Vanessa.

Alles in allem ein überragendes Jahr für den von Rückschlägen und Verletzungen gebeutelten Rubin Okotie. Der sich in einem langen Leidensweg zurückkämpfte und 2014 als ehemaliges Veilchen richtig aufblühte. Für Ihn kann man nur hoffen, dass das Jahr 2015 ähnlich verläuft und dann eben doch noch der österreichische Hoffnungsträger auf dem Weg zur Europameisterschaft nach Frankreich wird.

Stefan Zauner, abseits.at

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Stefan Zauner